Europaweiter Rückgang der Bienenvölker

16.02.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Bienen bei der Arbeit an Bienenwaben. (Quelle: ©  Heike Dommrich / PIXELIO - www.pixelio.de)
Bienen bei der Arbeit an Bienenwaben. (Quelle: © Heike Dommrich / PIXELIO - www.pixelio.de)

Die Auswertung verfügbarer Daten aus Imkermagazinen und staatlichen Berichten bringt es an den Tag: Imker und Bienenvölker werden in Mitteleuropa weniger. Damit besteht die Gefahr, dass Feldfrüchte nicht mehr ausreichend bestäubt werden können.

Forscher des Internationalen Bienenforscherverbands IBRA wollten erstmals einen aussagekräftigen Überblick zum Rückgang der Bienenvölker auf EU-Ebene erhalten. Bisher gab es nur Meldungen einzelner Länder, die sich nicht europaweit anwenden ließen. Daher werteten die Wissenschaftler verfügbare Daten aus nationalen Imkermagazinen und staatlichen Berichten aus, um die Gesamtzahl der Bienenkolonien und der Imker berechnen zu können. 

Obwohl die Daten einzelner Länder, wie Frankreich, Spanien und einige osteuropä-ische Staaten fehlen, lassen sich erste Aussagen über die Situation in Europa treffen. So geht die Zahl der Bienenvölker in West- und Mitteleuropa bereits seit 1965 zurück. Seit 1985 wird dieser Trend auch in einigen nord- und osteuropäischen Staaten beobachtet. In südeuropäischen Ländern ist der Bestand zwischen 1965 und 2005 dagegen gestiegen. Die Zahl der Imker nahm jedoch in allen untersuchten Ländern ab. Die Ursache dafür vermuten die Wissenschaftler in den sozialen und ökonomischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte. Gestiegene Einkommen hätten der Landbevölkerung andere Zuckerprodukte erschwinglich gemacht, durch den verstärkten Umzug in städtische Regionen wurde die Imkerei als Hobby unattraktiv. Hinzu kamen enorme Kosten für die Bekämpfung von Bienenseuchen, die von Hobbyimkern mit wenigen Bienenvölkern nicht zu finanzieren sind.

Weltweit ist laut einem Bericht der Welternährungsorganisation FAO von 2009 die Zahl der Bienenvölker in den letzten 50 Jahren zwar um 45 Prozent gestiegen. Die rückläufigen Zahlen an Bienenvölkern in Europa und auch in den USA sind dennoch alarmierend. Denn Honig als Produkt der Bienen kann aus anderen Ländern unschwer importiert werden. Die Dienstleistung der Bienen – das Bestäuben der Blüten unserer Feldfrüchten – ist jedoch nicht zu ersetzen. Hinzu kommt, dass auch die Zahl anderer Bestäuber, wie Wildbienen, Schwebbienen und Schmetterlinge abnimmt. Die Situation wird somit noch zusätzlich verschärft.

Die Auswertung der unterschiedlich gewonnenen Daten liefert keine neuen Erkenntnisse über die tatsächlichen Ursachen des Bienenrückgangs. Erst wenn die Erfassungsmethoden für die Bienenvölker standardisiert sind, wird es möglich sein, den Bienenschwund wirklich zu verstehen und entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten, erklärt Dr. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ).

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