Gefährliche Nähe

Bienen bringen Leid über ihre wilden Verwandten

03.03.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Übertragen Honigbienen Krankheiten auf Hummeln? (Bildquelle: © Alwin Gasser / pixelio.de)
Übertragen Honigbienen Krankheiten auf Hummeln? (Bildquelle: © Alwin Gasser / pixelio.de)

Forscher weisen parallele geografische Ausbreitung von Infektionen unter Honigbienen (Apis mellifera) und Hummeln (Bombus spp.) nach. Der Verdacht liegt nahe, dass Honigbienen ihre Verwandten anstecken.

Forscher haben im Rahmen von Labor- und Feldversuchen herausgefunden, dass ein Risiko für Hummeln ausgerechnet von ihren Verwandten ausgeht, den Honigbienen. Die ökonomische Bedeutung bestäubender Insekten haben andere Studien bereits erforscht. Diese wurde allein für die europäische Landwirtschaft auf jährlich 22 Milliarden Euro geschätzt. In Großbritannien, so die Ergebnisse dieser älteren Studie, wird lediglich ein Drittel der Feldfrüchte von Honigbienen bestäubt. Den Rest der Arbeit übernehmen Hummeln, Solitärbienen und Schwebfliegen. Allein in Europa leben mehr als 2.500 Wildbienenarten. Anders als Honigbienen können diese auch bei niedrigen Temperaturen noch fliegen. Doch nun droht diesen eine Gefahr von den kultivierten Honigbienen.

Das Flügeldeformationsvirus ist eine ernste Bedrohung für Bienenvölker

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Varroamilbe (Varroa destructor) auf dem Kopf einer Honigbienenpuppe.

Varroamilbe (Varroa destructor) auf dem Kopf einer Honigbienenpuppe.

Quelle: © Jacopo Werther / wikimedia.org / CC BY-SA 2.0

Das Flügeldeformationsvirus, im Englischen Deformed Wing Virus (DWV), wird hauptsächlich durch die Varroamilbe (Varroa destructor), einen Parasiten, übertragen. Bienenzüchter und Wissenschaftler sehen in dem aus Asien stammenden Parasiten eine große Bedrohung für Honigbienen. Durch die Parasitierung wird der Virus sowohl auf Larven und Puppen als auch erwachsene Bienen übertragen. Die Folgen einer Infektion mit dem Flügeldeformationsvirus wiegen schwer. Ein starker Virusbefall kann zu einem Absterben der Brut führen. Jungbienen weisen schlecht ausgebildete, verstümmelte und verdrehte Flügel auf und sterben bereits nach kurzer Zeit, während hingegen erwachsene Bienen, die infiziert sind, hauptsächlich als Virus-Reservoir dienen. Die Schäden, die mit dem Befall durch Varroamilben (Varroose) einher gehen, lassen sich häufig auf das Flügeldeformationsvirus zurückführen.

Das Virus breitet sich auch unter Hummeln aus

Forscher haben nun im Rahmen von Labor- und Feldversuchen in Großbritannien herausgefunden, dass der Flügeldeformationsvirus nicht nur, wie bereits bekannt war, von Bienenvolk zu Bienenvolk übertragen wird, sondern auch Hummeln befällt. Nachdem eine Übertragung im Labor nachgewiesen werden konnte, führten die Forscher in Großbritannien einen Feldversuch durch, um herauszufinden, ob der Virus in den Regionen, in denen sowohl Honigbienen als auch Hummeln leben, bei beiden Tierarten verbreitet ist. Das Ergebnis bestätigte die Erwartungen der Forscher. Überall dort, wo viele Honigbienen leben, die den Flügeldeformationsvirus in sich trugen, war auch die Zahl der infizierten Hummeln hoch.

Eine ähnliche Beobachtung ließ sich im Rahmen des Labor- und Feldversuchs anhand einer weiteren Erkrankung, die das Verdauungssystem von Honigbienen befällt, wiederholen. Die Nosemose wird durch einen einzelligen Parasiten namens Nosema Ceranae ausgelöst, der zu den Mikrosporidien gehört. Mit verheerenden Folgen. Aufgrund der Zerstörung der Darmwandzellen der Honigbiene kann die Nahrung nicht mehr richtig verwertet werden, wodurch die Honigbiene stark geschwächt wird. Gleichzeitig wird der Erreger über die Ausscheidungen der Honigbiene, die aufgrund der stark eingeschränkten Nahrungsaufnahme nicht mehr flugfähig ist, im Bienenstock verbreitet. Die Folgen einer Erkrankung sind tödlich, sowohl für die einzelne Biene als auch für ganze Bienenvölker. Auch im Fall der Nosemose war der Virus innerhalb eines Lebensraums unter Honigbienen und Hummeln verbreitet.

Der genaue Ablauf der Übertragung muss noch erforscht werden

Während die genauen Abläufe der Übertragung und Infizierung noch weiter erforscht und letztendlich belegt werden müssen, liegen die Hauptursachen der Übertragung und Ausbreitung für die Forscher auf der Hand. Überall dort, wo Honigbienen aus der Bienenzucht auf wild lebende Hummeln und Bienen treffen, besteht Ansteckungsgefahr. Wenn Honigbienenvölker beispielsweise auf Raubzug (Räuberei) gehen und andere Honigbienenvölker um ihre Futtervorräte erleichtern, kann es passieren, dass sich Erreger ausbreiten. Auch im Rahmen der Bestäubung ist es möglich, dass infizierte Honigbienen Erreger auf der Blüte hinterlassen. Die staatenbildenden Insekten sind aber auch aus anderen Gründen anfälliger für Krankheiten. So können sich aufgrund des stabilen Mikroklimas innerhalb des Nestes Keime besser ausbreiten, aber auch die hohe Zahl an Individuen und der ständige Kontakt untereinander tragen zur Anfälligkeit bei.

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Der Arbeitsplatz des Imkers. Der Begriff Imker setzt sich aus dem niederdeutschen Wort Imme für

Der Arbeitsplatz des Imkers. Der Begriff Imker setzt sich aus dem niederdeutschen Wort Imme für "Biene" und dem mittelniederdeutschen Wort kar für "Korb oder Gefäß" zusammen.

Quelle: © Urs Flükiger / pixelio.de

Fachwissen hilft Bienen und Imkern

Im Rahmen ihrer Studie nehmen die Forscher vor allem den Menschen in die Verantwortung. Der weltweite Honigbienenhandel und die Zucht zu kommerziellen Zwecken führen dazu, dass sich Krankheiten überregional ausbreiten. Die Tatsache, dass die im Rahmen der Studie relevanten Überträger bzw. Erreger der Krankheiten, die Varroamilbe und der Einzeller Nosema Ceranae, ursprünglich aus Asien stammen, unterstreicht diesen Zusammenhang. Obwohl sich die Studie auf Großbritannien beschränkt, lassen sich die Erkenntnisse der Forscher auch auf andere Länder und Kontinente übertragen, wie in der Studie zu lesen ist. Aufgrund der Schwierigkeit, globale Regeln zu definieren und umzusetzen, wie zum Beispiel höhere Hygienestandards im Bienenhandel, nehmen die Forscher die Imker, Bienenzüchter und Produzenten in die Pflicht, sich einerseits der Relevanz des Themas bewusst zu werden und sich Fachwissen bezüglich der Erkennung und Kontrolle von Infektionskrankheiten anzueignen. Auf diese Weise wird letztendlich nicht nur den Honigbienen geholfen, sondern auch ihren für die Ökosysteme ebenso wichtigen Verwandten, den Hummeln.

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