Gesundheit aus dem Birkenwald

13.01.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

In Birkenrinde steckt ein wertvoller Wirkstoff (Quelle: © Albrecht E. Arnold / PIXELIO www.pixelio.de).
In Birkenrinde steckt ein wertvoller Wirkstoff (Quelle: © Albrecht E. Arnold / PIXELIO www.pixelio.de).

Wissenschaftler hoffen, zukünftig chronischen Erkrankungen, wie Diabetes, Übergewicht und Arteriosklerose mit einem Wirkstoff aus der Birkenrinde zu Leibe rücken zu können. In einem ersten Versuch mit Mäusen zeigten sich verschiedene positive Wirkungen auf den Stoffwechsel.

Die antientzündlichen, antibakteriellen und wundheilungsfördernden Wirkungen von Betulin sind bereits seit längerer Zeit bekannt. Bisher wurde es vor allem in der Hautpflege verwendet. Auch in der Krebsforschung spielt die Substanz, die aus Birkenrinde gewonnen wird, eine Rolle. Nun haben Wissenschaftler die Wirkung von Betulin auf den Stoffwechsel untersucht.

In einem sechswöchigen Versuch wurden Mäuse mit sehr fettreicher Nahrung gefüttert und in drei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt Betulin, die zweite Gruppe erhielt den bekannten Cholesterinsenker Lovastatin und die dritte Gruppe erhielt zur Kontrolle eine wirkstofffreie Substanz (Placebo). Nach sechs Wochen wurde sowohl das Gewicht als auch Blutwerte ermittelt.

Es zeigte sich, dass die Mäuse, die Betulin bzw. Lovastatin erhielten, gegenüber der Kontrollgruppe weniger zugenommen hatten. Allerdings zeigte sich bei einer genaueren Analyse, dass die Wirkungsweisen der beiden Substanzen sich deutlich unterscheiden. Lovastatin reduzierte offenbar die Fettaufnahme aus der Nahrung. Betulin sorgte dagegen dafür, dass die Tiere mehr Kalorien verbrannten. Diese Tiere wiesen zudem geringere Fettwerte in Blut und Leber auf und zeigten eine verbesserte Insulinempfindlichkeit. Auch arteriosklerotische Ablagerungen in den Blugefäßen waren reduziert.

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Ablagerungen in Blutgefäßen sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ablagerungen in Blutgefäßen sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Quelle: © iStockphoto.com/ jamesbenet

Die Wissenschaftler erklären die Wirkungsweise von Betulin folgendermaßen: Die Substanz blockiert eine Gruppe von Proteinen in ihrer Wirkung. Diese sogenannten SREBPs (Sterol regulatory element-binding proteins) aktivieren im normalen Stoffwechsel verschiedene Gene, die für die Biosynthese von Cholesterin und Fettsäuren verantwortlich sind. Blockierte SREBPs können nicht mehr genügend Gene aktivieren, sodass der Fett- und auch der Zuckerstoffwechsel beeinflusst werden. In der Folge verbessern sich Cholesterin- und Blutfettwerte sowie die Insulinempfindlichkeit und an den Gefäßwänden entstehen weniger Ablagerungen.

Vor dem Hintergrund, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland die häufigste Todesursache darstellen, gewinnen diese Erkenntnisse besondere Bedeutung. Denn Betulin scheint vor allem auf Stoffwechselvorgänge Einfluss zu nehmen, die als Risikofaktoren für Herzerkrankungen bekannt sind. So gilt ein hoher Cholesterinspiegel als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Arteriosklerose, der häufigsten Ursache für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Hohe Blutfettwerte spielen ebenfalls eine Rolle bei Arteriosklerose, stehen aber auch in Verdacht bei der Entstehung von Diabetes mitzuwirken. Die verbesserte Insulinempfindlichkeit wiederum könnte eventuell die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 verzögern.

Allerdings sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Fähigkeit von Betulin als blutfettsenkende Substanz zu bestätigen. Zunächst muss geklärt werden, ob Betulin beim Menschen die gleiche Wirkung hat wie bei Mäusen. Und auch mögliche Nebenwirkungen sind noch nicht erforscht. Sollten sich jedoch die positiven Wirkungen bestätigen, könnte der Medizin in Zukunft wirkungsvolle Arznei aus der Natur im Kampf gegen chronische Krankheiten zur Verfügung stehen.

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