Globalisierte Wirtschaft ist verwundbarer

Forscher modellieren Effekte des Klimawandels auf die Wirtschaft

01.07.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Wetterextreme haben einen negativen Effekt auf Wirtschaft und Gesellschaft. (Bildquelle: © iStock.com / idizimage)
Wetterextreme haben einen negativen Effekt auf Wirtschaft und Gesellschaft. (Bildquelle: © iStock.com / idizimage)

Vermehrt auftretende Wetterextreme wie hohe Temperaturen haben einen negativen Effekt auf die Wirtschaft. Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Columbia University haben nun berechnet, dass sich die Anfälligkeit der globalisierten Welt auf Hitzestress im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt hat. Ursache ist, dass durch die stärker vernetzten Volkswirtschaften auch die durch Extremereignisse verursachten Produktionsverluste über Ländergrenzen hinwegbewegen. Wie der Klimawandel werden diese zu einem globalen Problem.

Der Klimawandel zieht weitreichende Folgen nach sich: Es kommt bereits heute häufiger zu Wetterextremen mit Überschwemmungen, Stürmen und Dürren. Diese Extreme wiederum belasten Umwelt und Gesellschaft.

Durch Studien wurden bereits die generellen wirtschaftlichen Folgen auf unterschiedliche Bereiche wie den Agrar-, Industrie-, Gesundheits- und den Energiesektor beschrieben. Diese Effekte werden Folgen für die Nahrungsmittelsicherheit und -preise haben und können zu vermehrten sozialen Konflikten führen und Menschen sogar zur Migration zwingen. Dementsprechend rechnen Forscher dem Klimawandel eine größere Bedrohung für die Menschheit zu, als dem Terrorismus. In einer globalisierten Welt, mit stark vernetzten Wirtschaftsakteuren kann ein lokal begrenztes Ereignis, wie ein Taifun, Folgen auf weit entfernte Regionen und damit auf die Weltwirtschaft haben.

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Die Anfälligkeit für durch Hitzestress verursachte Produktionsausfälle hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt.

Die Anfälligkeit für durch Hitzestress verursachte Produktionsausfälle hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt.

Quelle: © Dieter Schütz / Pixelio.de

Forscher errechneten Folgen des Klimawandels

Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und der Columbia University in New York veröffentlichten in der Fachzeitschrift Science Advances eine Studie, die sich mit den wirtschaftlichen Folgen von Produktionsausfällen durch Wetterextreme beschäftigt. In dieser beschränkten sich die Forscher vorerst auf Hitzeereignisse. Hitzestress führt zu Produktionseinbrüchen, weil Arbeiter weniger produktiv sind. Besonders betroffen sind Sektoren wie die Land- und Forstwirtschaft oder das Baugewerbe. Dementsprechend ist es besonders wichtig, Pflanzen und Tiere fit für den Klimawandel zu machen. Wasserknappheit, Verbrennungen, Nährstoffmangel oder eine verminderte Photosynthese sind Auswirkungen extremer Hitze auf Pflanzen. Genauso wichtig ist es aber auch, den Menschen und seine Produktionskraft zu berücksichtigen.

In der vorliegenden Studie trugen sie Daten globaler Handelsflüsse von insgesamt 26 Industriesektoren in 186 Ländern zusammen. Auf Grundlage dieser Daten führten sie Computersimulationen mithilfe von Variablen wie Temperatur, Bevölkerung und Vernetzungsgrad der Weltwirtschaft im Zeitraum von 1991 bis 2011 durch.

Anfälligkeit verdoppelt

Ergebnis der Studie war, dass sich die globale Anfälligkeit für durch Hitzestress allein verursachte Produktionsausfälle im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt hat. Grund für den extremen Anstieg ist die stark gestiegene wirtschaftliche Verflechtung, durch die sich Angebots- und Nachfrageengpässe schnell über Ländergrenzen hinwegsetzen. Eine Verflechtung die sich in den letzten 15 Jahren stark weiterentwickelt hat. Eine Verflechtung die Arbeitsteilung und damit einhergehend eine höhere Effizienz und Effektivität ermöglicht hat. Durch den Klimawandel, so die Interpretation der Ergebnisse der Modellrechnung, könnten sich diese positiven Effekte der Globalisierung umkehren und zu einem Risiko werden.

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Angebots- und Nachfrageengpässe können sich aufgrund der stark gestiegenen wirtschaftlichen Verflechtung über Ländergrenzen hinwegsetzen.

Angebots- und Nachfrageengpässe können sich aufgrund der stark gestiegenen wirtschaftlichen Verflechtung über Ländergrenzen hinwegsetzen.

Quelle: © Ingo Bartussek / Fotolia.com

Maßnahmen gegen den Klimawandel

Die Studie verdeutlicht anhand eines praktischen Beispiels, wie der Klimawandel nicht nur die Umwelt belastet, sondern auch Gesellschaft und Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Angemessene Anpassungsmaßnahmen gilt es zu planen und umzusetzen. So soll die Gesellschaft besser auf extreme Wetterphänomene eingestellt sein. Sie müsste aber auch, nach Meinung der Forscher, flexibler und belastbarer werden.

Damit sich die Situation nicht weiter verschlimmert, müssen sehr schnell Maßnahmen getroffen werden, die helfen, die Auswirkungen des Klimawandels abzufedern und im Idealfall zu revidieren. Die Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen und die Dekarbonisierung von Landwirtschaft und Industrie sind Entwicklungen, die in den kommenden 34 Jahren zur Realität werden müssten.

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