Gurke und Melone sind Asiaten

21.07.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Gurken und Melonen - beliebte Gemüsesorten mit fernöstlicher Abstammung (Quelle: © iStockphoto.com/Christopher Bartley)
Gurken und Melonen - beliebte Gemüsesorten mit fernöstlicher Abstammung (Quelle: © iStockphoto.com/Christopher Bartley)

Bislang wurde vermutet, dass die botanische Gattung Cucumis, zu der auch Gurken und Melonen gehören, aus Afrika stammt. Aktuelle genetische Analysen sprechen nun für eine andere Theorie.

Der geografische Ursprung und die Region der Domestizierung sind selbst bei wichtigen Kulturpflanzen noch unklar. Lange wurde vermutet, dass die botanische Gattung Cucumis, zu der auch Gurke (Cucumis sativus) und Melone (Cucumis melo) gehören, aus Afrika stammt. Denn dort gibt es zahlreiche wilde Cucumis-Arten. Genetische Analysen haben nun jedoch gezeigt, dass Melone und Gurke ursprünglich aus Asien stammen. 

Gurke und Melone – beliebte Gemüsesorten

Die Gurke gehört zu den „Top Ten“ der weltweit angebauten Gemüsesorten. Und auch der Umsatz der Honigmelone boomt. In der Forschung sind Cucumis-Arten ebenso beliebt. So ist die Gurke – neben Berühmtheiten wie dem Reis oder dem Wein - eine von nur sechs Blütenpflanzen, deren Genom vollständig entziffert wurde. In den letzten zehn Jahren wurden mehrere Tausend wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, in denen es um Gurke oder Melone ging, etwa als Modellpflanzen für die Geschlechtsbestimmung bei Blüten. Vergleichsweise wenig ist jedoch über die Verwandtschaft der Cucumis-Arten bekannt. 

Botaniker der Ludwig-Maximilians-Universität in München gingen nun den Verwandtschaftsbeziehungen von Gurke und Melone auf den Grund. Sie analysierten das genetische Material von mehreren 100 in Herbarien gesammelten Cucumis-Präparaten, die aus Afrika, Australien und Asien stammen. Dabei konnte eine Reihe verwandter und noch nicht beschriebener Arten der Cucumis aus Australien bzw. Gegenden rund um den Indischen Ozean erstmals nachgewiesen werden. Ihr Material an getrockneten und gepressten Pflanzen fanden die Wissenschaftler in den Herbarien der Botanischen Staatssammlung und des Botanischen Gartens in München. 

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Gurken sind bereits gut erforscht.

Gurken sind bereits gut erforscht.

Quelle: © iStockphoto.com/Milos Luzanin

Auf der Suche nach Verwandten

Bislang wurde vermutet, dass die Melone aus Afrika stammt, weil man irrtümlich glaubte, dort wilde Verwandte erkannt zu haben. Die genetische Analyse weist nun darauf hin, dass die wilde Schwesternart der Melone aus Australien stammt. Von dieser Art spaltete sich die uns heute bekannte Melone vor etwa drei Millionen Jahren ab. Beide Spezies trennten sich von ihren verbleibenden asiatischen und australischen Verwandten vor etwa zehn Millionen Jahren. Damit sind nun 25 Cucumis-Arten in Asien und Australien gekannt, die sich vor rund 12 Millionen Jahren von ihren afrikanischen Verwandten trennten. Neun dieser Spezies haben die Münchner Wissenschaftler nun erstmals beschrieben. Die Beschreibung und lateinische Benennung dieser „neuen“ Arten wollen die Forscher zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen. 

Insgesamt sprechen die Daten für Asien als die Ursprungsregion des gemeinsamen Vorfahren von Gurke und Melone: Für beide Spezies konnten die Wissenschaftler Vorgängerpopulationen im Himalaya nachweisen. So ist die der Gurke nächste verwandte Art die Spezies Cucumis hystrix aus dem Östlichen Himalaya. In Indien und China finden sich genetisch besonders diverse Arten von Cucumis melo. Genetische Untersuchungen dieser und verwandter wilder Arten sollten sich künftig also auf Asien und Australien konzentrieren. 

Bedeutende Sammlungen

Die Ergebnisse der Studie sind auch bedeutend, weil die Gurke weltweit eines der am häufigsten angebauten Gemüse ist und zu den wenigen Blütenpflanzen gehört, deren Genom bereits ganz sequenziert wurde. 

Ein Großteil der in der Studie sequenzierten Pflanzen wurde im 19. Jahrhundert in Indien, Vietnam oder Australien gesammelt und vergessen. Viele der Fundorte gibt es mittlerweile nicht mehr, weil sie heute in Vororten von Hanoi oder anderen expandierenden Großstädten liegen. Dieser Fakt unterstreicht die große Bedeutung jahrhundertealter Herbarien-Bestände in Botanischen Gärten und Sammlungen für die moderne Forschung. 

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