Hunger nach Land

Globaler Flächenverbrauch muss auf globalem Wege gelöst werden

30.01.2019 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Verstädterung verbraucht weltweit zunehmend Landfläche, auch wertvolles Ackerland. (© asmuSe/Pixabay/CC0)
Die Verstädterung verbraucht weltweit zunehmend Landfläche, auch wertvolles Ackerland. (© asmuSe/Pixabay/CC0)

Der Flächenverbrauch ist ein globales Problem. Trotzdem kann das Verhalten jedes Einzelnen einen Teil zu einer nachhaltigeren Landnutzung und zur Erhaltung von Ökosystemen und Artenvielfalt beitragen.

Boden ist unsere Lebensgrundlage und eine immer knapper werdende Ressource. Neben verschiedenen, miteinander konkurrierenden Formen der Landnutzung trägt auch der Klimawandel zur Verschärfung der Situation bei. In einer neuen Studie haben Forscher des Mercator Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin die globale Landnutzung analysiert. Eine zweite aktuelle Studie beschäftigt sich passend dazu mit den globalen Auswirkungen unseres Ernährungsverhaltens.

Land unter Druck

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Artenreiche Ökosysteme, wie der tropische Regenwald, schwinden weiterhin stark.

Artenreiche Ökosysteme, wie der tropische Regenwald, schwinden weiterhin stark.

Quelle: © Skitterphoto/Pixabay/CC0

Gründe für den weltweit hohen Bedarf nach Land sind u. a. der steigende Nahrungsmittelbedarf, die zunehmende Bebauung und Flächenversiegelung und der Anbau von Pflanzen für die Bioenergiegewinnung. Nach Berechnungen verschiedener Studien könnte der prognostizierte Landbedarf die zur Verfügung stehende Fläche bis 2050 um den Faktor drei bis sieben übersteigen.

Für eine Übersicht über die globale Landnutzung haben die Forscher zahlreiche Studien u. a. zu den Aspekten Bevölkerung, Viehbestand, Ackerland, CO2-Speicherung und Artenvielfalt untersucht. Danach unterteilten sie die Regionen in drei Kategorien:

  • Kategorie A (bezeichnet als „Verbraucher“) kennzeichnet ein hoher Pro-Kopf-Landverbrauch, aber ein nur mäßiges bis stagnierendes Bevölkerungswachstum. In diese Kategorie fallen Europa, Nordamerika und Ozeanien.

  • Kategorie B („Produzenten“) ist gekennzeichnet durch einen hohen Export (mehr als 10 Prozent der Landesfläche werden für die Produktion von Exportartikeln genutzt) und durch hohe Verluste bei der Biodiversität durch die Landwirtschaft. Latein- und Südamerika, Russland und Indonesien gehören in diese Gruppe, aber auch Nordamerika und Ozeanien, von wo ebenfalls viele landwirtschaftliche Produkte exportiert werden.

  • Kategorie C („Pioniere“) ist gekennzeichnet durch ein hohes Bevölkerungswachstum, steigende Importe von Nahrungsmitteln und starke Biodiversitätsverluste, ebenfalls durch die Landwirtschaft. Durch die wachsende Bevölkerung und Wirtschaftsleistung werden gerade diese Länder zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Viele Länder in Asien und Afrika gehören dazu.

Komplexe Verbindungen

Durch die globale Vernetzung sind alle drei Typen miteinander verbunden. Dadurch verlagern sich Probleme, die früher eher regionaler Natur waren, in weit entfernte Gebiete. Beispiel Europa: Hier wurde ein Großteil der landintensiven Nahrungsmittelproduktion ins Ausland verlagert. Dadurch nahm der Druck auf die Biodiversität etwas ab. Dafür stieg dieser in den Regionen, aus denen importiert wird, z. B. Indonesien (Palmöl) und Brasilien (Soja). Hier sind laut der Studie die höchsten Verluste an Biodiversität zu erkennen.

Beispiel Afrika und Asien: Vor allem das hohe Bevölkerungswachstum und der damit verbundene Städtebau beeinflussen viele Ökosysteme negativ. Wertvolles Ackerland verschwindet, wie etwa im Nildelta oder in China. In der Folge müssen verstärkt Nahrungsmittel importiert werden.

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Um den Druck auf die Flächen zu reduzieren und auch noch etwas für die eigene Gesundheit zu tun, raten Forscher zu mehr Gemüse und Vollkornprodukten.

Um den Druck auf die Flächen zu reduzieren und auch noch etwas für die eigene Gesundheit zu tun, raten Forscher zu mehr Gemüse und Vollkornprodukten.

Quelle: © StockSnap/Pixabay/CC0

Verantwortung der Konsumenten

So zeigt sich der zunehmende Flächenverbrauch als globales Problem. Entscheidungen von Konsumenten in Europa oder Nordamerika wirken sich auf weit entfernte Ökosysteme aus. Hinzu kommt der Klimawandel: Zunehmende Dürren in Australien führen zu Verlusten von Ackerland. Im Bereich der Sahelzone kommt es zu Verschiebungen der Vegetationszonen durch veränderte Niederschlagsmuster.

Deshalb sind global koordinierte Aktivitäten nötig, um den Flächenverbrauch einzudämmen: durch verbesserte Planung beim Städtebau, internationale Bemühungen beim Artenschutz, nachhaltigere Praktiken in der Landwirtschaft bis hin zum Konsumverhalten.

Falsche Ernährung und die Folgen

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die zweite Studie: 37 Wissenschaftler aus 16 Ländern haben zwei Jahre lang die Ernährungsgewohnheiten der Menschen ausgewertet. Mit deutlichen Ergebnissen: Etwa 820 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen, während nahezu zwei Milliarden Menschen zu viel von den falschen Lebensmitteln konsumieren.

Diese falschen Ernährungsgewohnheiten sorgen nicht nur für eine Vielzahl an vermeidbaren Krankheiten, sondern sind auch bei einem prognostizierten Bevölkerungswachstum von etwa 10 Milliarden Menschen im Jahr 2050 für den Planeten kaum tragbar. Vor allem die Produktion von Rind- und Schaffleisch ist flächenintensiv und setzt hohe Summen des Treibhausgases Methan frei.

Die Wissenschaftler drängen deshalb darauf, dass der Fleischkonsum - vor allem von Rind und Schaf in Europa und Nordamerika - um 50 Prozent gesenkt werden muss: auf 14 g Fleisch pro Tag. Das würde für eine gerechtere Umverteilung sorgen und die planetaren Ressourcen entlasten. Als Alternative empfehlen die Forscher eine Diät mit viel Gemüse, Vollkorn und Nüssen (maximale Kalorienaufnahme: etwa 2500 kcal pro Tag). Des Weiteren rufen sie dazu auf, weniger Lebensmittel wegzuwerfen und die Landwirtschaft zu reformieren.

Beide Studien zeigen, dass jeder etwas für eine gerechtere Nahrungsverteilung, für den Erhalt der Artenvielfalt und gegen den Klimawandel tun kann. Egal ob Flächenverbrauch, Artenverlust oder Freisetzung von Treibhausgasen – jeder Einzelne hat mit seinen Handlungen einen maßgeblichen Anteil daran.

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