Jeder Hektar zählt

Atlas der Ökosystemdienstleistung veröffentlicht

26.11.2019 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Deutschland ist laut der Studie in hohem Maße auf Bestäuberinsekten angewiesen. (Bildquelle: © Myriams-Fotos/Pixabay/CC0)
Deutschland ist laut der Studie in hohem Maße auf Bestäuberinsekten angewiesen. (Bildquelle: © Myriams-Fotos/Pixabay/CC0)

Forscher zeigen auf einer Weltkarte, wie sich das Zusammenleben von Mensch und Natur bis ins Jahr 2050 verändern wird. Die Ergebnisse sind zum Teil ernüchternd, machen aber auch deutlich, wo sich die Politik für den Schutz von Ökosystemen einsetzen muss.

An Studien über den Wert und die Bedeutung von Ökosystemdienstleistungen mangelt es nicht. Die vorliegende Studie, an der auch das Institut für Biologie (iDiv) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg beteiligt war, ist aber anders. Es handelt sich nicht um die übliche Darstellung, wie wir Menschen von den vielfältigen „Service-Leistungen“ der Ökosysteme profitieren. Vielmehr haben die Forscher zum ersten Mal das Angebot (durch die Natur) und die Nachfrage (durch die Menschen) nach spezifischen Ökosystemdienstleistungen für jede Region auf dieser Welt analysiert.

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Mangroven bieten Küstenregionen Schutz vor Stürmen.

Mangroven bieten Küstenregionen Schutz vor Stürmen.

Quelle: © hbieser/Pixabay/CC0

Werkzeug für die Politik

Ziel der Forscher war es, der Politik eine bessere Entscheidungsgrundlage anzubieten, um klima- und umweltpolitische Maßnahmen zu planen. Denn nicht überall auf der Welt werden die Folgen des Klimawandels gleich groß sein, erklären die Forscher. Das mache die Suche nach den richtigen Schwerpunkten und Zielen in der Klimapolitik auch so schwierig. „Dank des technologischen Fortschritts können wir endlich auf lokaler Ebene sichtbar machen, wie abhängig die Menschen je nach Region von der Natur sind“, sagt die Erstautorin der Studie, Becky Chaplin-Kramer.

Gemeinsam mit ihren Kollegen hat sie untersucht, wie stark die Menschheit heute und im Jahr 2050 auf drei unterschiedliche Ökosystemdienstleistungen angewiesen ist: Auf die Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten, die Wasserfilterfunktion von Böden und den Schutz vor Stürmen durch Mangroven, Korallenriffe und andere ähnliche Ökosysteme in Küstenregionen.

Milliarden Menschen sind betroffen

Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass im Jahr 2050 weltweit fünf Milliarden Menschen Probleme in der Nahrungsversorgung haben werden, weil die Bestäubungsleistung durch Insekten abnehmen wird. 4,5 Milliarden Menschen werden Schwierigkeiten beim Zugang zu sauberem Wasser haben und mehr als eine halbe Milliarde Menschen in Küstenregionen werden Stürmen und Unwettern stärker ausgeliefert sein als heute.

Der Mehrwert der neuen Untersuchung im Vergleich zu vorangehenden Studien ist die enorme Detailgenauigkeit. Die neue Studie betrachtet Flächen in der Größenordnung von gerade mal 300 mal 300 Metern. Das Ergebnis ist für jedermann auf einer Internetseite abrufbar und zeigt z. B. auch, wie stark Deutschland betroffen ist.

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Die Bereitstellung von frischem Wasser ist einer der wichtigsten Ökosystemdienstleistungen überhaupt. 

Die Bereitstellung von frischem Wasser ist einer der wichtigsten Ökosystemdienstleistungen überhaupt. 

Quelle: © ZIPNON/Pixabay/CCO

Worst-Case-Szenario abwenden

 „Wir hoffen, dass unsere Arbeit es erleichtert, den Wert und die Bedeutung der Natur für die Menschen vor Ort besser abschätzen zu können und darauf aufbauend die richtigen politischen Entscheidungen zu treffen“ hofft Chaplin-Kramer und ergänzt: „Wir haben die Informationen und das Wissen darüber, um möglichen Worst-Case-Szenarien etwas entgegenzusetzen. Nur müssen wir diese jetzt auch nutzen!“

Den Berechnungen der Forscher zufolge wird die Situation vor allem für Menschen in Afrika und Südasien kritisch werden. Konkrete Regionen sind das Gangesbecken in Indien, Ostchina und Subsahara-Afrika. Dort, so die Forscher, werden die Ökosysteme in den nächsten 30 Jahren besonders unter Druck stehen und die Ökosystemdienstleistungen Bestäubung, Wasserfilterung und Küstenschutz abnehmen, während die Bevölkerung gleichzeitig stark ansteigen wird.

„Unsere Berechnungen zeigen, dass die derzeitige Umweltpolitik gerade diejenigen Regionen und Menschen am wenigsten schützt, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind“ fasst es Chaplin-Kramers Kollege Unai Pascual zusammen. Die Forscher fordern die Politik deshalb auf, dem Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz deutlich mehr Beachtung zu schenken und stärker auf internationale Kooperationen zu setzen.

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