Julius Kühn und Löwenzahn

12.08.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Das Julius-Kühn-Institut für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen hat seinen Hauptsitz in Quedlinburg. (Quelle: © Matthias Arlt)
Das Julius-Kühn-Institut für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen hat seinen Hauptsitz in Quedlinburg. (Quelle: © Matthias Arlt)

Das Julius Kühn-Institut für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen: Für viele ist er nur ein Unkraut im Rasen. Die Forscher vom JKI sagen dem Löwenzahn hingegen eine glänzende Zukunft als Industriepflanze zur Produktion von Inulin und Naturkautschuk voraus. Das Institut erforscht, welche Auswirkungen der industrielle Anbau des russischen Löwenszahns auf die hiesige Umwelt und Landwirtschaft haben könnte.

Joachim Schiemann steht im Gewächshaus und lässt den Blick über zahlreiche Töpfe mit Löwenzahn schweifen. „Wir und unsere Kooperationspartner leisten hier echte Pionierarbeit; seit Ende des Zweiten Weltkrieges ist Löwenzahn ja noch nie gezielt in Deutschland angebaut worden“ erklärt der Forscher begeistert.

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Joachim Schiemann, Leiter des JKI-Instituts für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen, im Gewächshaus.

Joachim Schiemann, Leiter des JKI-Instituts für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen, im Gewächshaus.

Quelle: © Matthias Alrt

Für kurze Zeit wird es feucht in der Kammer, als die Benebelungsanlage angeht. Viel Aufwand für eine Pflanze, die viele Gärtner nur als Unkraut im Rasen kennen. „Dem russischen Löwenzahn könnte eine glänzende Zukunft als Industriepflanze bevorstehen. Die Wildpflanze eignet sich wie kaum eine andere zur Produktion von Naturkautschuk sowie des Zuckerersatzstoffes Inulin“, erläutert Schiemann.

Schiemann ist Leiter des JKI-Fachinstituts für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen. Es ist eines von 15 spezialisierten Instituten des Julius Kühn-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Der Hauptsitz des nach dem bedeutenden deutschen Agrarwissenschaftler benannten Instituts ist Quedlinburg. Weitere Standorte sind Braunschweig, Berlin und Kleinmachnow, aber auch in Darmstadt, Dresden-Pillnitz, Dossenheim, Groß Lüsewitz, und Siebeldingen sowie in Bernkastel-Kues und Münster findet man das JKI. An den 11 Standorten sind insgesamt 1100 Mitarbeiter beschäftigt, davon 250 Wissenschaftler. In der heutigen Form besteht das Institut seit Anfang 2008. Aufgrund der Neuordnung der Ressortforschung des Landwirtschaftsministeriums wurden zwei große Institutionen unter dem Dach des JKI zusammengefasst. Wegen seines Status als Bundesoberbehörde ist ein Teil der Aufgaben des JKI gesetzlich festgelegt. Gleichzeitig wird Forschung rund um die Kulturpflanze betrieben.

Zu den Schwerpunkten zählen:

  • Pflanzengenetik, Züchtungsforschung, Züchtung
  • Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit
  • Pflanzenbau, Pflanzenernährung und Bodenkunde

Damit kann das JKI ganzheitliche Konzepte für den gesamten Pflanzenbau, von der Pflanzenproduktion bis hin zur Pflanzenpflege entwickeln.

Die Sicherheitsforschung im Bereich der Gentechnik bei Pflanzen obliegt dem JKI-Institut für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen. Die einzelnen Aufgaben leiten sich aus dem Gentechnikgesetz, dem Pflanzenschutzgesetz und den hierzu erlassenen Rechtsverordnungen ab. Die Kernaufgaben der Forschung sind im Forschungsplan des BMELV festgeschriebenen. Hierzu gehören in erster Linie die Risikobewertung und das Monitoring von gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Außerdem stehen Fragen zu der Koexistenz von Anbausystemen mit und ohne Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Im Rahmen von biologischer Sicherheitsforschung und freisetzungsbegleitenden Forschungsarbeiten sowie des Monitoring werden Sicherheitsaspekte und mögliche Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Naturhaushalt und die nachhaltige Landbewirtschaftung untersucht.

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Russischer Löwenzahn, wie dieser im Gewächshaus des JKI, gilt als ein vielversprechender Industrierohstoff. Im JKI wird an geeigneten Anbausystemen für Deutschland geforscht, die eine nachhaltige Landwirtschaft mit dem neuen Rohstoff ermöglichen.

Russischer Löwenzahn, wie dieser im Gewächshaus des JKI, gilt als ein vielversprechender Industrierohstoff. Im JKI wird an geeigneten Anbausystemen für Deutschland geforscht, die eine nachhaltige Landwirtschaft mit dem neuen Rohstoff ermöglichen.

Quelle: © Matthias Arlt

Neben der Forschungstätigkeit obliegen dem Institut auch beratende und kommunikative Aufgaben. In Fragen der Sicherheit in der Gentechnik und zur Koexistenz berät es die Bundesregierung, insbesondere das BMELV. Das Institut wirkt am Genehmigungs-verfahren für die Freisetzung und das Inverkehrbringen von GVO mit und ist in nationalen und internationalen Gremien zur Sicherheits-bewertung von GVO eingebunden. Es beteiligt sich an der Erarbeitung und Bewertung von Konzepten und Maßnahmen zur biologischen Sicherheit der pflanzlichen Erzeugung. Den Aufgaben entsprechend ist das Institut auch in die projektbezogene biologische Sicherheitsforschung der Bundesregierung eingebunden. Dort bearbeiten die Forscher mit Wissenschaftlern anderer Institute unter anderem Fragen zu den Themen Koexistenz verschiedener Anbauformen und zu Containmentsystemen. Die Forschungs-ergebnisse aus dem Programm des BMBF wurden kürzlich auf einer öffentlichen Tagung in Berlin vorgestellt. Die Projekte sind auf dem Webportal pflanzenforschung.de/biosicherheit ausführlich beschrieben. „Den Wert der Kommunikation der Ergebnisse unserer Arbeit kann man gar nicht überschätzen“, unterstreicht Schiemann die Bedeutung von solchen Informationsangeboten. „nur ein aufgeklärter Bürger kann auch individuelle und begründete Entscheidungen treffen“.

Doch was hat Löwenzahn nun mit der Sicherheit gentechnisch veränderter Organismen zu tun? „Zunächst einmal geht es hier nicht um gentechnische Veränderungen“, sagt Schiemann. „Aber sollte russischer Löwenzahn in Deutschland angebaut werden, könnten Änderungen in landwirtschaftlichen Managementsystemen und Wechselwirkungen mit der Umwelt auftreten. Hier müssen bereits im Vorfeld mögliche Auswirkungen einer solchen Einführung untersucht werden“. Diese Daten werden die Wissenschaftler nutzen, um geeignete Anbausysteme für Deutschland zu entwickeln, die eine nachhaltige Landwirtschaft mit dem neuen Rohstoff ermöglichen. Ein Problem könnte die mögliche Verbreitung des Löwenzahns auf benachbarte Flächen darstellen. Dem soll vorgebeugt werden. Hier bringt das JKI-Institut für die Sicherheit in der Gentechnik bei Pflanzen die geeigneten Kompetenzen aus seiner Arbeit an Anbausystemen mit gentechnisch veränderten Pflanzen mit.

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