Knöterich als Jungbrunnen

Wurzelextrakt lässt Würmer länger leben – Menschen auch?

22.10.2018 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Der Vielblütige Knöterich ist eine in China beheimatete Kletterpflanze. (Bildquelle: © Fanghong/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0)
Der Vielblütige Knöterich ist eine in China beheimatete Kletterpflanze. (Bildquelle: © Fanghong/wikimedia.org; CC BY-SA 3.0)

Forscher haben bei Versuchstieren die lebensverlängernde Wirkung des Wurzelextraktes des Vielblütigen Knöterichs nachgewiesen - und seine Fähigkeit, effektiv vor freien Radikalen zu schützen. Das Beispiel zeigt, dass Pflanzen noch viele nützliche Geheimnisse bergen.

Es geht um den Vielblütigen Knöterich (Fallopia multiflora, syn. Polygonum multiflorum), eine in China beheimatete Pflanze. Sie kommt in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Anwendung und ihrem Wurzelextrakt wird eine lebensverlängernde Wirkung nachgesagt. Auch in Europa wurde dadurch die Pflanze immer populärer. Trotzdem gibt es bis heute kaum aussagekräftige wissenschaftliche Studien zu seiner genauen Wirksamkeit. Um diese Lücke zu schließen, wurde er in einer neuen Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) genauer unter die Lupe genommen.

Würmer leben länger

Das Forschungsteam untersuchte die Wirkungen des Wurzelextraktes des Knöterichs (chin. He Shou Wu) auf die Lebenserwartung des Modellorganismus Caenorhabditis elegans. Dieser Fadenwurm ist ein beliebter Organismus der Wissenschaft in der Alterungsforschung. Vorangegangene Studien haben eine mögliche Wirkung der Pflanze nur auf isolierte Zellen getestet – solche Untersuchungen haben aber nur begrenzte Aussagekraft.

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Getrocknete Wurzeln des Vielblütigen Knöterichs: Der Extrakt der Wurzel soll lebensverlängernd wirken und ist Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Quelle: © Prof. Dr. Wim Wätjen

Die Fadenwürmer erhielten in den Experimenten unterschiedliche Konzentrationen des Extraktes. Während niedrige Konzentrationen (10 und 100 µg/ml) keinen nennenswerten Effekt zeigten, konnte die höchste Konzentration (1000 µg/ml) das Leben der Würmer um 18,6 Prozent verlängern.

Prima Radikalfänger

Einige im Extrakt enthaltenen Wirkstoffe (hauptsächlich Flavonoide und Stilbene) gelten als gute Radikalfänger (Antioxidantien). Freie Radikale (Reactive Oxygen Species, ROS) entstehen in der Zelle unter oxidativem Stress (zum Beispiel durch Wärme, Chemikalien, hohe UV-Belastung) und gelten als eine Hauptursache für Alterungsprozesse.

Für die Versuche wurden Larven und junge Würmer einem Wärmestress (37 °C) ausgesetzt und die Konzentration der mit dem Fluoreszenz-Marker DCF (Dichlorofluorescein) versehenen freien Radikalen gemessen. Im Gegensatz zur Kontrollgruppe konnte bei den mit dem Wurzelextrakt vorbehandelten Larven eine deutliche Senkung der ROS beobachtet werden. Auch bei künstlichen oxidativem Stress durch Behandlung mit der Chemikalie Paraquat zeigte sich eine erhöhte Widerstandskraft und damit eine längere Lebensdauer der Tiere.

Spezifische Wirkung

Das Forschungsteam fand zudem heraus, wo die Wirkstoffe des Wurzelextraktes im Stoffwechsel der Würmer eingreifen. Sie interagieren mit zwei für Alterungsprozesse wichtigen Komponenten, dem Transkriptionsfaktor DAF-16 und dem Enzym SIR-2.1. Den Beweis lieferten dabei gentechnisch veränderte Fadenwürmer, in denen die Gene dieser Komponenten ausgeschaltet wurden. Es zeigte sich, dass der Schutzeffekt des Wurzelextraktes bei Wärmestress oder Paraquat-Behandlung nur auftrat, wenn diese Gene aktiv waren. Das Protein DAF-16 half den Tieren bei Wärmestress, das Enzym SIR-2.1 machte sie widerstandsfähiger gegen die Chemikalie Paraquat.

Nicht einfach so übertragbar

Der Vielblütige Knöterich hat also tatsächlich im Tierexperiment eine lebensverlängernde Wirkung und kann zudem effektiv bei der Bekämpfung von freien Radikalen helfen. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Wirkung des Wurzelextraktes nicht auf einer unspezifischen Reduktion von freien Radikalen beruht. Vielmehr handelt es sich um spezifische Wechselwirkungen mit Stoffwechselwegen der Tiere, mit denen freie Radikale unschädlich gemacht werden.

Das Forschungsteam betont, dass diese Ergebnisse nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar sind. Sie wollen aber nun testen, ob die Wirkstoffe des Wurzelextraktes auch bei typischen Alterskrankheiten von Menschen – zum Beispiel Alzheimer – einen positiven Effekt haben.  

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