Komplettservice für Pflanzenforschung in der Schweiz

14.07.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Schweizer Pflanzenforscher-netzwerk bietet Rundumservice für die Forschung (Quelle: © SPSW).
Schweizer Pflanzenforscher-netzwerk bietet Rundumservice für die Forschung (Quelle: © SPSW).

Das Swiss Plant Science Web will eine optimale Forschungs-, Lehr- und Lernumgebung abgeben. 116 Arbeitsgruppen profitieren davon.

In loser Folge stellen wir in einer Serie Pflanzenforschungsnetzwerke vor. Dabei gehen wir den Fragen nach, was diese Cluster ausmacht und warum sich diese gebildet haben. Darüber hinaus hoffen wir Anregungen für Kooperationen zu bieten. Schüler und Studierende wollen wir motivieren, sich das eine oder andere Zentrum etwas genauer anzusehen.

Als der Mönch Gregor Mendel im 19. Jahrhundert aus Experimenten mit Erbsen die ersten Regeln der Vererbung ableitete, war er ein Einzelkämpfer, im Klostergarten zu Hause. Die moderne Pflanzenforschung hingegen lebt ganz wesentlich auch vom regelmäßigen Austausch zwischen Forschern und von Kooperationen. Das schweizerische Netzwerk Swiss Plant Science Web (SPSW) will genau das für die gesamte Schweiz leisten.

2009 gegründet wird das SPSW bis 2012 mit 4,8 Millionen Franken (vier Millionen Euro) durch die Schweizerische Universitätskonferenz finanziert. Den Kernauftrag – ein Netzwerk der Schweizerischen akademischen Pflanzenforschung zu schaffen – erfüllt das SPSW durch sein Internetangebot, E-Mail-Verteiler und vor allem regelmäßige persönliche Treffen der Wissenschaftler. So kamen beim Swissplant 11 im Februar 2011 alle Seniorforscher des Verbunds zusammen.

116 Arbeitsgruppen an acht akademischen Forschungseinrichtungen sind im SPSW unter einem virtuellen Dach gebündelt. Sie verteilen sich ihrerseits auf drei regionale Netzwerke: Die Universitäten Basel und Zürich sowie die ETH  Zürich bilden das Zurich-Basel Plant Science Center. Die Universitäten Bern, Neuenburg und Freiburg sind zusammengeschlossen zum BeNeFri, Und die Universitäten Genf und Lausanne formen das Arc Lémanique Plant Science.

Entsprechend vielseitig sind die Forschungsthemen. Sie umfassen ebenso sehr Fragen auf molekularem Level wie auf der Ebene von Ökosystemen. Der Fokus der Gruppen reicht von chemischen Verbindungen und Genen bis zu Arten und Populationen, ihre Forschungsregionen von der Schweiz bis in die Tropenwälder Borneos. 

Kommunikation in alle Richtungen

Die Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft der Pflanzenforscher soll ein Bewusstsein für die verschiedenen Unterdisziplinen erschaffen. Dabei, so die Hoffnung, können mögliche Forschungs-zusammenarbeiten erkennbar werden. Hinzu kommen selbstverständlich Kollaboration und Austausch innerhalb der einzelnen Disziplinen.

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Forscher des Swiss Plant Science Webs.

Forscher des Swiss Plant Science Webs.

Quelle: © SPSW

Doch zu den Leistungen des SPWS zählt neben dem Wissens- beispielsweise auch der Technologietransfer. Das SPSW koordiniert und finanziert zumindest teilweise Plattformen, mit denen genetische, chemische und biomolekulare Analysen vorgenommen werden können. Der Zugang steht allen Mitgliedern – also allen pflanzenwissenschaftlich Forschenden in der Schweiz – zu einem günstigen Preis offen. Hier haben die Mitglieder die Möglichkeit angeleitet von Fachpersonal biologische Daten im Labor zu erarbeiten. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich am Genetic Diversity Centre, angegliedert an die ETH Zürich, in Fragen der Bioinformatik beraten zu lassen.

Die Technologieplattformen stehen auch Kunden außerhalb der akademischen Wissenschaften offen, was den Plattformbetreibern als wichtige Möglichkeit des Informations- und Erfahrungsaustauschs zwischen Wissenschaft und Industrie dient.

Überhaupt ist die Kommunikation „nach außen“ ein weiterer Aufgabenteil des virtuellen Netzwerks. Die Pflanzenwissenschaften, wie sie in der Schweiz betrieben werden, sollen von der Öffentlichkeit und Politikern, aber auch anderen Forscher noch besser wahrgenommen werden. Dazu dienen die Internetseite, Mailinglisten, eine elektronischer Newsletter und persönliche Kontakte. Neben dem nationalen soll auch der internationale Austausch gefördert werden. Hier sind erste Kontakte geknüpft worden, doch bis konkrete Kooperationen entstehen, müssen noch weitere Gespräche geführt werden.

Ausbildung und Nachwuchsrekrutierung

Die Leistungen des SPWS beschränken sich jedoch nicht auf die Bedürfnisse der etablierten Forscher. Ein wesentlicher Teil dient der Nachwuchsförderung. Das Ausbildungsangebot innerhalb des SPSW umfasst in erster Linie die Master- und PhD-Stufen. Dabei haben die 80 bis 100 Master-Studenten die Möglichkeit, ihre Studien universitätsübergreifend durchzuführen. Ohne dazu administrative Hürden überwinden zu müssen, können sie Kurse an verschiedenen Universitäten besuchen. Die vollständige Öffnung der Kurse für sämtliche Studenten in der Pflanzenforschung in der Schweiz und die Unterstützung deren Mobilität ist eines der vorrangigen Ziele des SPSW.

Wichtig für die Ausbildung sind nebst einem breiten und umfassenden Kursangebot auch Informationen zu Finanzierungs-möglichkeiten und den Ansprechpartnern innerhalb der Förder-agenturen. Diese Daten bietet das SPSW für Forschende aller Stufen, angefangen bei Studenten. 

Der Sprung in die Wirtschaft

Das virtuelle Netzwerk hilft zudem mit Informationen zur Karriereplanung. Dazu zählt auch der jährlich ausgerichtete Industrietag, der den Austausch zwischen Doktoranden und der Industrie ermöglicht. Der „Industry Day“ ist ein großer Erfolg sowohl von Seiten der Anbieter aus der Industrie als auch von Seiten der PhDs und Postdocs. Eine solche gesamtschweizerische Veranstaltung mit dem spezifischen Fokus auf Personen mit einer Ausbildung im Bereich Pflanzenwissenschaften gab es vorher nicht.

Für Doktoranden und Postdoktoranden, die zusammen mit den Oberassistenten 781 der SPSW-Forscher ausmachen, stellt das SPSW einen Reisefonds zur Verfügung. Der Reisefonds deckt die Kosten für Labor- oder Arbeitsgruppenbesuche. Die Master-Studenten und Doktoranden haben in einer Sommerschule die Möglichkeit, sich unter Anleitung von führenden Forschenden mit aktuellen Themen im Umweltbereich auseinander zu setzen. Dabei wird nicht nur das Fachwissen der Studenten gefördert. Vielmehr erhalten sie die Möglichkeit, sich innerhalb der Forschungs-gemeinschaft zu vernetzten und zu positionieren. 

Die Studenten innerhalb des SPSW können zudem auf verschiedene E-Learning-Angebote zurückgreifen. Dieses Angebot wird weiter ausgebaut. Neben Fachwissen können sich die Studenten auch andere praxisrelevanten Fähigkeiten aneignen, darunter das wissenschaftliche Schreiben, Vernetzen oder Zeitmanagement.

Darüber hinaus setzt sich das SPSW für die Strukturierung der Forschungslandschaft ein. Dazu zählen die Forderungen, dass die Einrichtung neuer Professuren koordiniert verläuft und Vertreter der pflanzenwissenschaftlichen Forschung anderer Universitäten jeweils in den Berufungskommissionen vertreten sind.

Schnittstelle Mittelschule

Eine Besonderheit des SPSW ist die „Schnittstelle Mittelschule“. Sie fungiert als Vermittlerin zwischen der aktuellen Forschung in den Pflanzenwissenschaften und den Schulen, die von späteren Maturanden besucht werden, den Abiturienten der Schweiz. Ziel ist es, die Begeisterung für die Pflanzenwissenschaften schon bei Schülern zu fördern. Die Schnittstelle Mittelschule spricht dabei Biologielehrerinnen und -lehrer an. Sie stellt in eintägigen Workshops neue Labormethoden vor und bespricht die Nützlichkeit dieser Methoden sowie der Pflanzenforschung im Allgemeinen vor dem Hintergrund des globalen Wandels und der an die Pflanzenforschung gestellten Anforderungen. Die ersten Workshops werden im Spätherbst 2011 stattfinden. 

Mehr Themen, mehr Mobilität, mehr Vernetzung

Im Verlauf der nächsten Jahren sollen die Technologieplattformen weiter konsolidiert werden und mit der Zeit weniger Finanzmittel vom SPSW benötigen, so dass sie nach Ablauf der Projektfinanzierung durch die Schweizerische Universitätskonferenz selbsttragend sind. 

Die Weiterbildung der Mittelschullehrer zu aktuellen Themen wie „Global Change“ oder „Sustainability of Agricultural Production“ soll weiter gefördert werden. Die Mobilität der Studenten auf PhD- und Master-Stufe soll weiter gefördert und die Koordination der PhD-Programme innerhalb des SPSW noch verstärkt werden. Und zu guter Letzt soll das SPSW selbst durch eine internationale Vernetzung auch zusehends politisch an Bedeutung gewinnen.

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