Mit Kultur- und Lebenswissenschaften das Profil schärfen

05.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Interdisziplinäres Forschungszentrum der Uni Gießen. (Bild: © Universität Gießen)
Interdisziplinäres Forschungszentrum der Uni Gießen. (Bild: © Universität Gießen)

Justus-Liebig-Universität Gießen: Die Universität Gießen ist vor allem in ihren Profilbereichen Kultur- und Lebenswissenschaften stark aufgestellt. Zum 400-jährigen Bestehen konnte sich die Hochschule mit Beiträgen beider Profilbereiche in der Exzellenzinitiative über Erfolge freuen.

JUSTUS-LIEBIG-UNIVERSITÄT GIEßEN 

 Im Bereich Pflanzenforschung ermöglicht die Uni Studierenden und Wissenschaftlern Lehre und Forschung an ihrem neuen Interdisziplinären Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (IFZ). Vor einigen Wochen konnten sich Mitarbeiter des IFZ über aussagekräftige Forschungsergebnisse mit Gen-Gerste freuen.

Gießen/Berlin – Die Justus-Liebig-Universität wurde 1607 von Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt gegründet und trug bis zum Jahr 1945 den Namen Ludwigs-Universität. Seit ihrer Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg trägt sie den Namen ihres bekanntesten Wissenschaftlers, Justus Liebig. Derzeit sind rund 24 000 Studierende in den elf Fachbereichen eingeschrieben. Die Hochschule bietet Forschung und Lehre an zehn wissenschaftlichen Zentren. Für den Nachwuchs kommen zwei Graduate Schools (International Gießen Graduate School for Life Sciences (GGL), International Graduate Center for the Study of Culture (GCSC)) und fünf DFG-Graduiertenkollegs hinzu. Im Rahmen der Exzellenzinitiative von 2006 konnte sich die JLU mit dem Herz-Lunge-Exzellenzcluster ECCPS (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System) und mit dem GCSC durchsetzen. Die Universität baut ihr Zukunftskonzept „Human Life and its Resources“, das die Kultur- und die Lebenswissenschaften verbindet, weiter aus. Das zeigt sich auch in ihrem Studienangebot: Erreicht die Hochschule durch ihre einzigartige Fächerkombination mit den Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften, der Veterinärmedizin, der Medizin und der Biologie doch ein Alleinstellungsmerkmal, das sie von anderen Hochschulen in Deutschland unterscheidet und deutlich zur lebenswissenschaftlichen Profilbildung beiträgt. Pflanzenforscher finden am Interdisziplinären Forschungszentrum für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (IFZ) einen speziellen Platz. Ein internationaler Master-Studiengang Agrobiotechnology in englischer Sprache bietet fortgeschrittenen Studierenden aus allen Ländern einen hervorragenden Start für eine Karriere in der Pflanzenforschung.

Gen-Gerste arbeitet mit Bodenpilz symbiotisch zusammen

Die Pflanzenforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen fand in den letzten Jahren unter erschwerten Bedingungen statt – jedoch nicht, was Forschungsgelder oder Personal angeht. Mehrfach waren Felder, auf denen Versuche mit genveränderten Pflanzen (Gerste und Mais) durchgeführt werden sollten, von Gentechnikgegnern teilweise zerstört oder besetzt worden. Dieses Jahr konnten die Pflanzenforscher der Uni Gießen jedoch einen Feldversuch zur Erforschung der biologischen Sicherheit gentechnisch veränderter Nutzpflanzen im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erfolgreich abschließen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob nützliche Bodenorganismen durch die genetisch veränderte Gerste beeinträchtigt werden. Sowohl Wurzeln als auch Boden wurden molekularbiologisch untersucht und die Ausbildung von Symbiosen verfolgt. Erstes Ergebnis: Eine deutliche Reduktion des Pflanzenwachstums war nicht zu beobachten. Das hätte der Fall sein müssen, wenn die nützlichen Mykorrhiza-Pilze beeinträchtigt worden wären. Mykorrhiza-Pilze findet man als nützliche Symbionten an den Wurzeln der meisten landlebenden Pflanzen. Sie erleichtern den Pflanzen die Aufnahme mineralischer Nährstoffe und werden von diesen im Gegenzug mit Kohlenhydraten versorgt. Somit kämpft die Gießener Gerstensorte gleichzeitig gegen schädlichen Pilzbefall, während sie mit dem hilfreichen Bodenpilz zusammenarbeitet. Für die hessischen Pflanzenforscher ein schöner Erfolg: „Endlich konnten wir die ökologische Grundlagenforschung an genetisch verändertem Getreide ein gutes Stück vorantreiben“, resümierte Projektleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Kogel vom Institut für Phytopathologie und Angewandte Zoologie der Uni. 

Mit Insektenpeptiden neue Wege im Pflanzenschutz beschreiten

Und die Forschung am Getreide soll auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Derzeit arbeiten Mitarbeiter des IFZ daran, mithilfe der Insektenbiotechnologie den Pflanzenschutz voranzubringen. Diese Kombination bietet eine Fülle von Möglichkeiten. Die Gießener arbeiten mit antimikrobiellen Peptiden aus Insekten, die in Pflanzen wie Getreide, Ackerschmalwand und Tabak eingesetzt werden. Diese bewirken dann eine Resistenz gegen Schädlinge. Und eröffnen somit eine neuartige Form von natürlichem Pflanzenschutz. Eine andere Möglichkeit, die zurzeit intensiv erforscht wird, ist die Verhinderung des Schädlings- und Erregerbefalls von Pflanzen durch das sogenannte Host-Induced Gene-Silencing (HIGS). Dabei werden bestimmte Gene der Angreifer, die für einen Befall notwendig sind, gezielt ausgeschaltet. Viele Fachleute sehen in dieser Methode die Zukunft eines nachhaltigen umweltschonenden Pflanzenschutzes.  

Interdisziplinäre Forschung vereint Biologen, Agar- und Ernährungswissenschaftler mit Umweltmanagern

Das IFZ wurde im Jahr 2000 gegründet und beschäftigt sich hauptsächlich mit Forschungsthemen wie Landnutzungsoptionen und Biodiversität sowie Stressresistenz und Adaptation im Spannungsfeld „Human Life and its Resources“. Es vereint Wissenschaftler der Agrarwissenschaften, Biologie, Ernährungswissenschaften und aus dem Bereich Umweltmanagement unter dem Dach einer interdisziplinären Einrichtung. 23 Professoren lehren und forschen in den zwölf Instituten des IFZ. Momentan sind rund 330 Mitarbeiter am Zentrum beschäftigt. Der wissenschaftliche Nachwuchs belegt während der Promotion sogenannte Graduate Courses am IFZ, wie beispielsweise die Doktoranden, die am 2006 gegründeten Gießener Graduiertenzentrum Lebenswissenschaften eingeschrieben sind. Als weitere Verstärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit gerade auch auf dem Gebiet der Infektionsforschung errichtet die Hochschule gerade einen Neubau für ein Biomedizinisches Forschungszentrum.

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