Natürliche Hilfe im Kampf gegen Darmkrebs

Brokkoli - ein „Booster“ in der Krebstherapie

22.03.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Forscher entdeckten, dass ein Brokkoli-Inhaltsstoffe die Wirkung eines Krebsmedikaments in Laborexperimenten positiv beeinflusste. (Bildquelle: © Annamartha / pixelio.de)
Forscher entdeckten, dass ein Brokkoli-Inhaltsstoffe die Wirkung eines Krebsmedikaments in Laborexperimenten positiv beeinflusste. (Bildquelle: © Annamartha / pixelio.de)

Ein Pflanzeninhaltsstoff, der in hohen Konzentrationen beispielsweise in Brokkoli vorkommt, kann die körpereigene Enzymproduktion ankurbeln und so die Behandlung bei Darmkrebs unterstützen. Forscher fanden heraus, dass Darmkrebszellen, die zuerst mit dem Nahrungsmittelinhaltsstoff Sulforaphan in Berührung kommen, anschließend besser durch ein Medikament abgetötet werden. Der einzige Haken: Dieses Medikament ist noch nicht zugelassen – es befindet sich derzeit noch in Entwicklung.

Nahrungsmittel enthalten viele gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe. Dabei ist die Wirkung nicht immer direkt. Manche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln können eine Wechselwirkung mit Medikamenten eingehen und die Medikation verbessern, aber auch abschwächen. Negative Beispiele sind zum Beispiel Wechselwirkungen von Medikamenten mit koffeinhaltigen Getränken wie Tee oder Kaffee. Von einer gleichzeitigen Einnahme wird in diesen Fällen abgeraten. Ein Beispiel für eine positive Wirkung beschreiben Wissenschaftler in einer aktuellen Studie bei der Behandlung von Darmkrebs. Sie untersuchten die Wirkung des pflanzlichen Inhaltsstoffs Sulforaphan auf menschliche Darmkrebszellen und entdeckten, dass der Stoff die Wirkung eines Krebsmedikaments in Laborexperimenten positiv beeinflusste.

Pflanzlicher Inhaltsstoff findet sich in vielen Nahrungspflanzen

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Sulforaphan ist eine chemische Verbindung, die zu den Senfölen zählt und als sekundärer Pflanzeninhaltsstoff in Kreuzblütlern vorkommt. Bekannte Nahrungspflanzen wie Brokkoli, Blumenkohl und alle anderen Kohlsorten, aber auch Kresse oder Rucola gehören zu den Kreuzblütlern.

Sulforaphan ist eine chemische Verbindung, die zu den Senfölen zählt und als sekundärer Pflanzeninhaltsstoff in Kreuzblütlern vorkommt. Bekannte Nahrungspflanzen wie Brokkoli, Blumenkohl und alle anderen Kohlsorten, aber auch Kresse oder Rucola gehören zu den Kreuzblütlern.

Quelle: © iStock.com/AnjelaGr

Sulforaphan ist ein sekundärer Pflanzenstoff, der in Vertretern der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vorkommt. Zu den Kreuzblütlern zählen bekannte Nahrungspflanzen wie Brokkoli, Blumenkohl und alle anderen Kohlsorten, aber auch Kresse oder Rucola.

Seit längerem weiß man, dass der pflanzliche Inhaltsstoff Sulforaphan die antioxidative Abwehr des Körpers antreibt. Darüber hinaus soll er aber auch Krebszellen in ihrem Wachstum hemmen können. Bisher ist jedoch wenig über die Auswirkungen von Sulforaphan auf die Wirksamkeit der Krebstherapie bekannt. Genau hier setzte das Forscherteam in ihrer aktuellen Studie an.

Sie forschten dabei an Darmkrebszellen. Unter Darmkrebs versteht man bösartige Tumoren im Darm, wobei 95 Prozent aller Tumoren im Bereich des Dick- oder Enddarm liegen (kolorektale Karzinome). Darmkrebs ist in Deutschland die dritthäufigste Tumorerkrankung. Zu den Risikofaktoren zählt neben der genetischen Veranlagung vor allen ein ungesunder Lebensstil – wenig Bewegung, Übergewicht, eine einseitige Ernährung und erhöhter Tabak- und Alkoholkonsum erhöhen das Risiko.  

Körpereigene Enzyme angekurbelt

Die Wissenschaftler behandelten bei ihrer Studie verschiedene Arten von menschlichen Darmkrebszellen sowie gesunde Darmzellen im Labor mit Sulforaphan. Sie stellten fest, dass der Brokkoli-Inhaltsstoff die Konzentration von 18 körpereigenen Enzymen signifikant erhöhte. Darunter ein Enzym namens AKR1C3, das eine zentrale Rolle in vielen Stoffwechselwegen im Körper einnimmt.

Allerdings entfaltete Sulforaphan nicht in allen untersuchten Zellen die gleichen Ergebnisse: Waren die AKR1C3-Konzentrationen in den Darmkrebszellen schon von Beginn an hoch, stieg die Enzym-Konzentration durch den Brokkoli-Inhaltsstoff noch weiter an. Wiesen die Darmkrebszellen keine oder sehr geringe AKR1C3-Konzentrationen auf, veränderte auch der pflanzliche Stoff nichts daran. Auch bei gesunden Darmzellen hatte Sulforaphan keinen Einfluss auf AKR1C3. Sulforaphan entfaltet seine Wirkung demnach nur in Krebszellen, die das Enzym AKR1C3 produzierten.

Enzymaktiviertes Medikament profitiert

Das war für die Forscher ein sehr erfreuliches Ergebnis, denn das Enzym AKR1C3 ist auch der Ansatzpunkt eines derzeit in Entwicklung befindlichen Medikaments (PR-104A), das auch nur in Krebszellen wirken soll. PR-104A benötigt AKR1C3, um wirksam zu werden. Denn PR-104A ist ein sogenanntes Prodrug - ein Arzneistoff, der dem Patienten in inaktiver Form verabreicht und erst durch Prozesse oder spezifische Stoffe im menschlichen Körper in einen aktiven Wirkstoff verwandelt wird. Prodrugs werden eingesetzt, um zielgenauer zu wirken und die mit Krebsmedikamenten verbunden hohen Nebenwirkungen zu reduzieren.

Mehr AKR1C3, weniger PR-104A nötig

Die erhöhten Enzymkonzentrationen deuten darauf hin, dass das Medikament durch Sulforaphan besser wirken könnte. Die Forscher konnten dies in Laborexperimenten belegen. Sie zeigten, dass Darmkrebszellen, die zuvor mit den Brokkoli-Inhaltsstoff vorbehandelt wurden, mit geringeren Dosen PR-104A abgetötet wurden.  

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Seit langem besteht der Wunsch eine Pille zu entwickeln, die vor Krebs schützt. Medikamente, aber auch natürliche Stoffe und Nahrungsbestandteile werden dazu erforscht. Doch oft kehrt sich der förderliche Effekt in hoher Konzentration ins Gegenteil um.

Seit langem besteht der Wunsch eine Pille zu entwickeln, die vor Krebs schützt. Medikamente, aber auch natürliche Stoffe und Nahrungsbestandteile werden dazu erforscht. Doch oft kehrt sich der förderliche Effekt in hoher Konzentration ins Gegenteil um.

Quelle: © iStock.com/drKaczmar

Derzeit wird das Medikament PR-104A in klinischen Studien erprobt. Die hier präsentierten Ergebnisse stimmen optimistisch. Zusätzlich zeigen sie einen Weg, wie Patienten künftige Krebstherapien durch das eigene Verhalten mitgestalten können – und zwar mit geringem Aufwand, durch die alltägliche Ernährung.

Iss dich gesund

Oft stellen sich bei pflanzlichen Wirkstoffen erst bei sehr hohen Konzentrationen Effekte ein, die für die tägliche Ernährung nicht praktikabel sind. Nicht so im vorliegenden Fall: Die Forscher verabreichten den Zellen nur so viel Sulforaphan, wie auch nach dem Verzehr von Brokkoli in den Darm gelangen würde. Die beobachteten Effekte wurden also durch geringe Konzentrationen ausgelöst. Entgegen der Vermutung, dass höhere Konzentrationen noch bessere Ergebnisse erzielen müssten, zeigte sich hier das Gegenteil - hohe Konzentrationen wirkten schädlich. „Interessant an Sulforaphan ist, dass es natürlicherweise in unserer Nahrung vorkommt und in der von uns verwendeten Konzentration ungiftig ist“, betont Studienleiterin Prof. Shana Sturla von der ETH Zürich.

Leider können wir durch die Ernährung Krebsleiden nicht heilen, aber es besteht die Hoffnung, mit natürlichen Substanzen die Therapie zu unterstützen. Seit Jahren erforscht man, ob Medikamente oder auch Nahrungsbestandteile Krebs entgegenwirken können. Dieses Konzept nennt man Chemoprävention. Meist mit eher ernüchternden Ergebnissen. Denn oft - wie auch im Fall von Sulforaphan - stellt sich ein positiver Effekt nicht durch hochkonzentrierte Dosen ein, die in Form von Pillen eingenommen werden könnten. Teilweise bewirken solche unnatürlich hohen Dosen sogar das Gegenteil. Noch ist viel Forschung nötig, aber positive Ansätze wie der vorgestellte stimmen optimistisch, dass das mehr an Wissen zu optimierten Therapieansätzen führt.

Für die an der Studie beteiligten Forscher stehen nun die ersten klinischen Studien mit Krebspatienten an. Sie hoffen, die im Laborexperiment erzielten Ergebnisse auch am Patienten zu reproduzieren. Zudem wollen sie weitere Nahrungsmittelinhaltstoffe aufspüren, welche auch in geringen Mengen die Wirkung von Medikamenten positiv beeinflussen.

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