Nur die Vielfalt führt zum Erfolg

Die Zunahme von Wetterextremen im 21. Jahrhundert wird Ernten negativ beeinflussen

05.06.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Überflutete Felder: Wetterextreme wie Starkniederschläge und Hochwasser könnten in den nächsten Jahrzehnten die Ernteerträge reduzieren. (Bildquelle: © QuangBuiPhotography/ iStock/ Thinkstock)
Überflutete Felder: Wetterextreme wie Starkniederschläge und Hochwasser könnten in den nächsten Jahrzehnten die Ernteerträge reduzieren. (Bildquelle: © QuangBuiPhotography/ iStock/ Thinkstock)

Zwei aktuelle Studien zeigen, die Hoffnung Europas auf etwaige klimatische Vorteile durch den Klimawandel sind falsche Hoffnungen. Auch in unseren Breiten wird der Klimawandel zu Ertragseinbußen und Missernten führen, wenn keine ausgleichenden Maßnahmen ergriffen werden. Um dem Klimawandel zu begegnen, müssen für die jeweilige Region geeignete Sorten gezüchtet und angebaut werden.

Weizen (Triticum aestivum) ist nach Reis (Oryza sativa) das wichtigste Getreide weltweit. Etwa 29 Prozent der Welternte werden in Europa angebaut. Damit ist Europa der größte Weizenproduzent der Welt. Allerdings wirft auch hier der Klimawandel seine Schatten voraus: Forscher haben in zwei neuen Studien berechnet, dass sich die Wahrscheinlichkeit von schweren Wetterextremen wie Dürre, Spätfrösten oder Wassermangel bis 2060 verdoppeln könnte, mit entsprechenden Folgen für die Ernteerträge.

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Ausgetrockneter Boden im Weizenfeld: Eine Zunahme der Dürren wird in den kommenden Jahren befürchtet – vor allem im südlichen Europa.

Ausgetrockneter Boden im Weizenfeld: Eine Zunahme der Dürren wird in den kommenden Jahren befürchtet – vor allem im südlichen Europa.

Quelle: © Francesco Scatena/ iStock/ Thinkstock

Schlechte Aussichten

Als Folge der prognostizierten durchschnittlichen Erwärmung in Europa im Zuge des Klimawandels wurde in manchen Studien eine Verbesserung der Anbausituation besonders in Nordeuropa angedeutet. Mögliche negative Veränderungen durch Wetterextreme wurden dabei jedoch oftmals nicht ausreichend berücksichtigt, kritisiert die Studie. Denn Wetterexperten befürchten schon seit längerem eine Zunahme einer ganzen Reihe von Wetterextremen: Durch die gestiegene Durchschnittstemperatur würde die Atmosphäre mehr Wasser aufnehmen, wodurch es in einigen Regionen zu häufigeren Starkniederschlägen und Überschwemmungen kommen könnte, in anderen Regionen aber auch zu vermehrter Trockenheit durch die höhere Verdunstung. Häufige Niederschläge können zudem zu Problemen durch Staunässe und dadurch zu einer Zunahme von Pflanzenkrankheiten führen. Auch häufigere Hitzewellen, kalte Winter mit Kahlfrösten infolge zu geringer Schneebedeckung sowie Spätfrösten im Frühling werden für die nächsten Jahrzehnte erwartet.

Extreme nehmen zu

Um die zukünftigen Häufigkeiten von Wetterextremen zu prognostizieren, untersuchten die Forscher die Klimadaten von 14 verschiedenen Standorten aus ganz Europa im Zeitraum von 1981 bis 2010. Sie konzentrierten sich dabei auf das Auftreten von elf verschiedenen Wetterextremen und ihre Auswirkungen auf den Winterweizen. Bei ihren Berechnungen stellten sie fest, dass sich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines schweren Wetterextrems pro Saison für alle untersuchten Standorte um 30 Prozent bis 2060 steigern wird. Auch die Möglichkeit des Auftretens von zwei schweren Wetterextremen pro Saison wurde berechnet: Sie erhöhte sich im ungünstigsten Fall von 1,7 Prozent auf 10,4 Prozent im Jahr 2060, eine Steigerung etwa um das Sechsfache. Besonders betroffen waren Standorte in Südeuropa wie Spanien, Italien, Griechenland.

Auch eine zweite Studie zeigt, dass schon kleine Änderungen im Klima Europas große Auswirkungen auf die Ernteerträge haben können. Hier untersuchten Wissenschaftler die Ernteerträge europäischer Bauern von 1989 bis 2009 und verglichen sie mit den dazu passenden Klimadaten. Dabei zeigte sich, dass bereits eine Temperaturänderung von zwei Grad Ernteverluste von bis zu 20 Prozent bis 2040 bewirken könnte. Besonders Mais (Zea mays) war hier von den Veränderungen betroffen, bis zu 10 Prozent Ernteeinbußen berechneten die Forscher für dieses Getreide. Gleichzeitig war Mais aber auch das Getreide mit dem höchsten Potential zur Anpassung: Bis zu 87 Prozent konnten die Ernteverluste in ihren Berechnungen durch entsprechende Veränderungen verringert werden.

Anpassung erforderlich

Damit wird klar: Eine Erwärmung im eigentlich kühlen Europa führt nicht automatisch zu besseren Ernten, sondern kann sogar das Gegenteil bewirken. Um diesen Trends zu begegnen, müssen zügig die entsprechenden Anpassungen an das veränderte Klima umgesetzt werden, fordern die Wissenschaftler. Insbesondere beim Weizen sollten Sorten ausgewählt werden, die den einzelnen Regionen mit ihren speziellen Problemen am besten entsprechen. Während an den südlichen Standorten Sorten mit einer frühen Fruchtreife die hauptsächlich im Sommer auftretenden Wetterextreme wie Trockenheit und Hitze vermeiden können, helfen an den nördlichen Standorten spät reifende Sorten, Ernteverluste durch Spätfröste zu verringern. So könnte den Veränderungen im Klima der jeweiligen Region am effizientesten begegnet werden. Bisher, so betonen die Forscher, sei diese Regionalisierung bei Kalkulationen zu den zukünftigen Erträgen nur ungenügend berücksichtigt worden. Letztlich könne aber nur eine Vielfalt an unterschiedlichen Sorten mit jeweils angepassten Fähigkeiten die Ernteerträge der Zukunft optimal sichern.

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