Schutz für die grauen Eminenzen

Zum Schutz alter Bäume muss weit in die Zukunft geplant werden

09.05.2016 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Bäume wie dieser sind Hunderte von Jahren alt. (Bildquelle: © dcorneli / Fotolia.com)
Bäume wie dieser sind Hunderte von Jahren alt. (Bildquelle: © dcorneli / Fotolia.com)

Forscher befassen sich mit den Herausforderungen, die der Schutz alter Bäume mit sich bringt.

Alte Bäume haben eine große Bedeutung: Sie sind Habitat für viele Arten, haben Einfluss auf den Wasserhaushalt des Bodens sowie auf Nährstoffkreisläufe, die Luft und das Mikroklima. Gleichzeitig sind sie anfällig für viele Gefahren. Die Forschung befasst sich daher ausführlich mit den Herausforderungen zur Bewahrung dieser Methusalems für eine intakte Umwelt und für zukünftige Generationen. In einem Forum Beitrag im Fachmagazin „Trends in Ecology & Evolution“, legen Forscher ihren Standpunkt dar und zeigen Lösungsansätze für den Erhalt und Schutz der „grauen Eminenzen“ auf.

Erfolgreiche Evolution

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Viele große Bäume bieten einer Vielzahl anderer Pflanzen und Tiere einen Lebensraum. Dieser Baum im Regenwald von Australien ist behängt mit Lianen und bewachsen mit Orchideen, Farnen und Moosen.

Quelle: © William Laurance

Bäume gehören zu den größten und langlebigsten Lebewesen auf der Erde. Ihr Erfolg ist unter anderem in der Stabilität ihres Stammes begründet, der zu einem großen Teil aus stützenden Holzfasern besteht und es ihnen ermöglicht, große Höhen zu erreichen. Diese Größe bringt ihnen im Konkurrenzkampf mit anderen Pflanzen einen wichtigen Vorteil: Wer am größten wird, gewinnt den Kampf ums Licht und kann so die Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe ausschalten. Allerdings sind Bäume langsam wachsende Lebewesen, die je nach Art eintausend Jahre oder älter werden können. Diese Langsamkeit hat natürlich auch Nachteile: Ihre Größe zwingt sie zu einem Leben „an der Kante“, zum Beispiel in Bezug auf die Wasserversorgung, die ja bis ins letzten Blatt klappen muss. Ändern sich daher bestimmte Umgebungsbedingungen zu schnell, wie zum Beispiel durch Klimaveränderungen, können Bäume sich oft nicht rechtzeitig anpassen und werden geschwächt oder sterben ab.

Wie schützt man alte Bäume?

Um alte Individuen dieser hoch spezialisierten Pflanzenarten zu erhalten, muss zunächst festgelegt werden, was einen alten Baum ausmacht. Neben Höhe, Umfang und Alter ändern sich weitere Faktoren je nach Standort, Ökosystem und Art. Typische Attribute, die alte von jungen Bäumen unterscheiden, sind zum Beispiel weniger biegsame Stämme, Hohlräume, ungleichmäßig aufgebaute Kronen oder starke Seitentriebe. Die Forscher schlagen daher vor, alte Bäume über die Größe zu definieren, indem je Art der typische Durchmesser fruchtender Bäume ermittelt wird. Bäume, die einen gewissen Umfang überschritten haben, könnten so als „alt“ klassifiziert werden. Auch wenn „groß“ nicht immer zwangsläufig gleich „alt“ ist, könnte so artabhängig eine annähernde Altersdefinition erreicht werden.

Ein zweites Problem ist die Verbreitung alter Bäume einer Art. Denn die tatsächliche Verbreitung unterscheidet sich oft von der theoretischen. Das kann verschiedene Gründe haben: Zum einen herrschen aktuell häufig andere Umweltbedingungen als zu der Zeit, als der jetzt alte Baum noch ein Keimling war und jüngere Exemplare der gleichen Art aufgrund inzwischen veränderten Bedingungen dort vielleicht nicht mehr vorkommen. An anderen Standorten wurden vielleicht viele alte Bäume gefällt oder fielen Naturkatastrophen zum Opfer, so dass an für diese Arten eigentlich günstigen Standorten heute keine Exemplare mehr zu finden sind. Dies ist nach Meinung der Forscher wichtig zu klären, um Rückzugsorte für die verschiedenen Baumarten zu identifizieren, in denen sie ein hohes Alter erreichen können.

Viele Bedrohungen

Und drittens geht es natürlich um die Bedrohungen, denen alte Bäume in unserer Welt ausgesetzt sind: Naturkatastrophen wie Stürme oder Waldbrände, Schädlinge und Krankheiten oder Rodungen für Landwirtschaft, Straßen- und Städtebau stellen Gefahren für sie dar. Dazu kommt, dass niemand die Auswirkungen des Klimawandels auf Bäume genau voraussagen kann. Durch mehr CO2 in der Luft könnte einerseits ein stärkeres Wachstum der Pflanzen einsetzen, da CO2 ein limitierender Faktor im Pflanzenwachstum ist. Gleichzeitig könnte die Wassernutzungseffizienz (WUE) verbessert werden, da die Pflanzen ihre Stomata weniger weit öffnen müssten, um CO2 aufzunehmen und somit Wasser sparen könnten. Andererseits könnten durch diese Veränderungen auch andere Pflanzen begünstigt werden, die den Bäumen das Leben schwermachen, wie zum Beispiel Kletterpflanzen. Zudem können Klimaschwankungen längere Trockenphasen oder mehr Stürme bewirken und den Bäumen auch dadurch zusetzen.

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Diese Abbildung zeigt die Höhe, den Umfang und Standorte von einigen der größten Baumarten der Welt.

Quelle: © Lindenmayer and Laurance/Trends in Ecology & Evolution 2016

Dazu kommen Bedrohungen, die speziell alte Bäume betreffen: Ihre Größe und ihre dadurch bestimmte, abnehmende Flexibilität machen sie anfälliger für den Windwurf. Wie schon erwähnt, können Klimaveränderungen, die sich möglicherweise stark von denen in der Jugend es betreffenden Baumes unterscheiden, diese im Alter zusätzlich schwächen.

Planung über Jahrhunderte hinweg

Um alte Bäume zu bewahren, muss es also verschiedene Ansätze geben, von der Bewahrung von Flächen mit intakten Ökosystemen, in denen alte Wälder über die Zeit bestehen können bis hin zum Schutz einzeln stehender Bäume in städtischen Bereichen. Die Herausforderung ist dabei, Pläne für Management und Monitoring zu erstellen, die möglichst über Jahrhunderte hinweg ihr Ziel erreichen und die betreffenden Bäume schützen. Zudem müssen möglicherweise neue Bereiche erschlossen werden, in denen die unterschiedlichen Arten auch in Zukunft verträgliche Umweltbedingungen finden, um alt werden zu können. Denn es geht ja nicht nur darum, Exemplare zu erhalten, die heute schon alt sind, sondern dafür zu sorgen, dass auch in Zukunft Bäume die Chance haben, überhaupt alt zu werden. Die dafür nötigen Pläne brauchen also einen gewissen „Weitblick“ für morgen, dessen Grundlagen die Forschung heute entwickeln muss.

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