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Globaler Fahrplan zur Insektenrettung

29.01.2020 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Abnahme der Artenvielfalt bei den Insekten nimmt bedrohliche Ausmaße an. (Bildquelle: © Nicole Köhler/Pixabay/CC0)
Die Abnahme der Artenvielfalt bei den Insekten nimmt bedrohliche Ausmaße an. (Bildquelle: © Nicole Köhler/Pixabay/CC0)

Forscher aus 21 Ländern haben einen Rettungsfahrplan für die Insekten erstellt. Er fordert radikale Maßnahmen – jetzt!

Klimawandel, Insektensterben, Verlust der Biodiversität – nahezu jede Woche gibt es neue Hiobsbotschaften. Aber es kommt etwas in Bewegung, denn das öffentliche Interesse an diesen Themen nimmt zu. Zwei neue Studien betonen noch einmal die Notwendigkeit zum sofortigen Handeln.

Schwund bei den Insekten

Die Abnahme der Artenvielfalt bei den Insekten nimmt bedrohliche Ausmaße an. Betroffen sind alle Gruppen: Von pflanzenfressenden und jagenden Arten über parasitisch lebende Spezies bis hin zu Detritivoren und Bestäubern.

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Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat einen Fahrplan zum Insektenschutz entwickelt. Er umfasst Sofortmaßnahmen sowie langfristige Finanzierungspartnerschaften und globale Monitoringprogramme, die dazu beitragen können, das Insektensterben aufzuhalten, indem sie deren Lebensräume schützen.

Quelle: © J. Westphal

Diese Artenvielfalt ist von enormer Bedeutung für das Funktionieren von Ökosystemen und ihren Dienstleistungen, von denen der Mensch insbesondere bei der Lebensmittelproduktion abhängig ist. So sind neben den Bestäubern auch jagende Arten wichtig, die Schädlinge dezimieren. Genauso Detritivoren, die durch Zersetzung organischer Substanz wichtige Nährstoffe für die Pflanzen zur Verfügung stellen.

Mittlerweile gibt es einen länderübergreifenden Konsens unter Forschern, dass dem Artenschwund so schnell wie möglich Einhalt geboten werden muss. Daher haben Wissenschaftler aus 21 Nationen einen Fahrplan zum globalen Insektenschutz erarbeitet. Dieser Plan unterteilt sich in Sofortmaßnahmen sowie mittel- und langfristige Maßnahmen gegen das Insektensterben.

Sofortiges Handeln nötig

Als Sofortmaßnahmen fordern die Wissenschaftler konsequente Schritte zur schnellen Verringerung der Treibhausgasemissionen und eine Abkehr von den bisherigen Praktiken der intensiven Landwirtschaft mit hohem Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Sie plädieren für Arten- und Naturschutzprogramme insbesondere für gefährdete Arten, für eine strukturreichere Landschaft und für die Schaffung von Mikrohabitaten als Zuflucht für Insekten. Gleichzeitige müsse die Kontrolle invasiver Arten verstärkt werden.

Ebenso seien Anstrengungen nötig, die zunehmende Luft-, Lärm- und Lichtverschmutzung zu reduzieren. Um Erzeugung und Handel nachhaltiger zu gestalten, schlagen sie geeignete Lenkungselemente wie Steuern und Subventionen vor. Letztlich seien auch Weiterbildungsmaßnahmen notwendig, um die Bevölkerung über die Lage aufzuklären und sie zu einem aktiven Beitrag zum Biodiversitätsschutz zu bewegen. Beispielsweise durch Mithilfe beim Sammeln von ökologischen Daten im Rahmen von „Citizen Science“-Projekten.

Erst mit einer besseren Datengrundlage könne man die Zusammenhänge zwischen Insektensterben und menschlichem Einfluss genauer analysieren und daraus zielgerichtet Lösungsstrategien entwickeln.

Globalen Biodiversitätsverlust stoppen

Das alles kostet viel Geld. Daher betonen die Forscher, dass zunächst die wohlhabenderen Nationen in die Pflicht genommen werden sollten.

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Elefanten und Stromleitungen: Eine wachsende Infrastruktur ist für die menschliche Entwicklung in weniger wohlhabenden Ländern unerlässlich. Allerdings müssen die Auswirkungen auf bereits erschöpfte natürliche Lebensräume begrenzt werden.

Quelle: © The University of Queensland

Ein ähnlicher Aufruf kommt von den Wissenschaftlern einer weiteren Studie. Sie befasst sich mit dem Ziel des globalen Stopps eines weiteren Verlustes von Ökosystemen (Global No Net Loss, GNNL) bis 2030. Gemeint ist, dass ab 2030 in der globalen Bilanz kein weiterer Verlust von Ökosystemen stattfinden soll. Dieses Ziel wird voraussichtlich bei der nächsten Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD) in diesem Jahr in Peking zur Abstimmung vorgelegt.

Ökologische Bilanzierung

Da die verschiedenen Länder über unterschiedliche Ökosystemtypen und vor allem über unterschiedlich belastete Ökosysteme verfügen, ist eine Bilanzierung des aktuellen Bestandes zunächst nötig. Länder mit überwiegend intakten Ökosystemen wie Kanada oder Surinam könnten daher einen weiteren maßvollen Verlust noch in Kauf nehmen. Länder mit stark geschädigten Ökosystemen müssten dagegen zeitnah effektive Renaturierungsmaßnahmen ergreifen.

Da dieses Vorhaben auch eine sozioökonomische Komponente hat, fordern die Forscher von reicheren Länder ein sofortiges Handeln zum Schutz ihrer Ökosysteme. Ärmeren Ländern mit unterdurchschnittlichem Wohlstandsniveau sollte es ermöglicht werden, zunächst noch an der Erreichung besserer wirtschaftlicher Lebensumstände zu arbeiten.

Beide Studien zielen letztlich in die gleiche Richtung: Es sollte jetzt gehandelt werden, um Ökosysteme und Artenvielfalt zu erhalten. Je länger gewartet wird, umso radikaler und schmerzlicher könnten später dann die notwendigen Maßnahmen ausfallen.

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