Stresskiller Kakao

Schokolade reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen

07.05.2014 | von Gastautorin: Dr. Liselotte Selter

Dunkle Schokolade kann die Ausschüttung von Stresshormonen signifikant senken. (Bildquelle: © photocrew - Fotolia.com)
Dunkle Schokolade kann die Ausschüttung von Stresshormonen signifikant senken. (Bildquelle: © photocrew - Fotolia.com)

Endlich ohne schlechtes Gewissen Schokolade essen. Diese reduziert nämlich nachweislich die Ausschüttung von Stresshormonen und verbessert die Funktion der Arterien. Aber nur die dunkle.

Die Osterzeit ist gerade vorbei, schon meldet sich das schlechte Gewissen den einen oder anderen Schokohasen zu viel vernascht zu haben. Doch gerade jetzt sollte man eigentlich noch zum letzten überlebenden schwarzen Schokoladenhasen greifen. Denn dunkle Schokolade kann die Ausschüttung von Stresshormonen signifikant senken und wirkt positiv auf das Herz-Kreislauf System. Ob das schlechte Gewissen dadurch auch verschwindet ist allerdings eine andere Frage.

In der heutigen Gesellschaft ist Stress allgegenwärtig - wer keinen hat, wird vermutlich ungläubig angeschaut. Dabei ist allgemein bekannt: Stress macht krank. Und führt im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt. Das beste Mittel um den Körper vor Stress-bedingten körperlichen Folgen wie z.B. Herz-Kreislauf Erkrankungen zu schützen, ist deshalb Stress zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.

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Stress macht krank. Um Stress abzubauen, helfen Sport und Entspannung. Aber auch ein Happen dunkler Schokolade reduziert Stress, indem weniger Stresshormone ausgeschüttet werden. 

Stress macht krank. Um Stress abzubauen, helfen Sport und Entspannung. Aber auch ein Happen dunkler Schokolade reduziert Stress, indem weniger Stresshormone ausgeschüttet werden. 

Bildquelle: © Petra Bork / pixelio.de

Wirkungsvolle Methoden um Stress abzubauen sind regelmässige Bewegung, Entspannung, und eine gesunde Ernährung. Aber auch einige Genussmittel können Stresssymptome reduzieren. Studien haben gezeigt dass beispielsweise Wein, Schokolade und grüner Tee Inhaltsstoffe besitzen, die wirksam gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können. Es handelt sich dabei um pflanzliche Sekundärmetabolite, sogenannte Flavonoide und Flavonole, welche positiv auf den Herz-Kreislauf wirken. Dunkle Schokolade mit hohem Kakao Anteil ist besonders reich an diesen schützenden chemischen Verbindungen. Weshalb diese so positiv für den Körper sind, haben nun zwei Forschergruppen aus der Schweiz und Deutschland genauer untersucht.

Weniger Stresshormone dank Flavonoiden

Die Forschergruppe um Prof. Dr. Petra Wirz vom Institut für Psychologie der Universität Bern beschäftigte sich mit der Frage, durch welche Mechanismen die positive Wirkung von Flavonoiden im Körper zu Stande kommt. In einer Placebo-kontrollierten Studie mit jungen Männern im Alter von 20-50 Jahren untersuchte das Team den Einfluss von dunkler Schokolade auf die Ausschüttung von Stresshormonen. Die Hälfte der Probanden erhielt zu diesem Zweck dunkle Schokolade mit hohem Flavonoid-Gehalt, währendem die andere Hälfte eine dunkel gefärbte weisse Schokolade ohne Flavonoide als Placebo erhielt. Zwei Stunden nach Verzehr der Schokolade wurden alle Probanden einer Stresssituation ausgesetzt: Sie mussten vor Publikum eine Rede halten und Kopfrechnungen durchführen. Vor und nach diesem Stresstest wurden die Probanden auf Stresshormon-Level, Flavonoid Gehalte im Blut und subjektive Einschätzung der erlebten Stresssituation untersucht. Einerseits wurden dabei die aus der Nebenniere freigesetzten Stresshormone Cortisol und Adrenalin gemessen, und andererseits Stresshormone, deren Ausschüttung durch das Gehirn reguliert wird.

Die Forscher kamen zu folgendem Schluss: Probanden, die echte dunkle Schokolade gegessen hatten, wiesen einen höheren Flavonoid-Gehalt im Blut auf als die Kontrollgruppe. Dieses Resultat korrelierte gleichzeitig mit einer geringeren Ausschüttung von Cortisol und Adrenalin. Im Gegensatz dazu war der Anstieg der vom Hirn freigesetzten Stresshormone, ebenso wie das subjektive Stressempfinden, bei beiden Test-Gruppen gleich. Flavonoide reduzieren also die Stresshormon-Ausschüttung auf Ebene der Nebennieren, eine Stressreduktion wird vom Gehirn jedoch noch nicht wahrgenommen. Fazit: Wer Schokolade isst vermindert sein Stressempfinden zwar nicht direkt, bewirkt aber eine geringere Ausschüttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin und dadurch einer geringeren physiologischen Stresswirkung. In Stresssituationen dürfte man also häufiger mal ohne schlechtes Gewissen zu einem Stück schwarzer Schokolade greifen.

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Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und sind auch in Kakao enthalten. Zu ihnen gehören z.B. Flavonole, die die Funktion der Arterien verbessern.

Flavonoide gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Sie haben eine gesundheitsfördernde Wirkung und sind auch in Kakao enthalten. Zu ihnen gehören z.B. Flavonole, die die Funktion der Arterien verbessern.

Bildquelle: © istock.com/ eefauscan

Flavonole halten die Blutgefässe fit

Die Gruppe um Dr. Heiss und Dr. Sansone aus Deutschland beschäftigten sich mit der Wirkung einer weiteren Klasse an Kakaoinhaltsstoffen, den Flavonolen, einer modifizierten Form der Flavonoide. In einer ähnlich konzipierten Placebo-kontrollierten Studie wurde Männern im Alter von >35 Jahren - 80 Jahre täglich ein Kakaoflavonol-reiches oder – der Kontrollgruppe entsprechend Kakaoflavonol-armes Getränk verabreicht. Nach zwei Wochen wurden die Herz-Kreislauf-Gefässe der Probanden untersucht. Die Forscher stellten fest: Männer, die das flavanolreiche Kakaogetränk konsumiert hatten, zeigten nach 2 Wochen bereits eine Verbesserung der Arterien-Elastizität und eine Reduktion des diastolischen Blutdruck im Vergleich zur Kontrollgruppe, unabhängig von deren Alter. Die Forscher gehen davon aus, dass die im Kakao enthaltenen Flavonole die Funktion der Arterien verbessert und dadurch altersabhängige Gefässveränderungen vorbeugt.

Schokolade verbindet: Forscher und Produzenten investieren in nachhaltige Kakaoproduktion

Die Kakaobohne und deren Endprodukte sind also nicht nur Genussmittel sondern wissenschaftlich erwiesen, auch gesundheitsfördernd - wenn diese in Maßen genossen werden. Der weltweite Schokoladenkonsum zeugt von einer grossen wirtschaftlichen Bedeutung dieser Bohne. Für viele Bauern tropischer Entwicklungsländer ist der Kakaobaum eine der wirtschaftlich wichtigsten Kulturpflanzen. Um die wirtschaftliche Existenz dieser Bauern und die zukünftige globale Kakaoversorgung gewährleisten zu können, gilt es die Kakaoproduktion nachhaltig zu gestalten. Verschiedene Initiativen wie z. B. „Cocoa Horizons“ oder der „Roundtable for a sustainable Cocoa Economy“ setzten sich deshalb mit Unterstützung der Industrie für mehr Investitionen in Kakaoforschung und eine nachhaltigere Kakaoproduktion ein.

Das Schweizer Schokoladen Unternehmen Barry Callebaut, Initiant des Programms „Cocoa Horizons“, geht wissenschaftlich noch einen Schritt weiter. In Zusammenarbeit mit der Jacobs Universität Bremen haben sie das Forschungsprojekt COMETA entwickelt, ein 6-jähriges Projekt dessen Akronym für COcoa METAbolomics steht. In einem ersten Schritt hat COMETA zum Ziel, die rund 10.000 chemischen Inhaltsstoffe der rohen Kakaobohne mittels Massenspektroskopie zu identifizieren und ein Inventar des Kakao-Metaboloms zu erstellen. In einem nächsten Schritt soll untersucht werden, inwiefern die Sorte, die Bodenbeschaffenheit, die Anbaumethode und der Ernteprozess die Zusammensetzung dieses Metaboloms beeinflussen. Am Ende des Projekts 2020, möchten die Forscher eine Datenbank entwickelt haben, die Züchtern, Kakaobauern und Produzenten erlaubt die chemische Zusammensetzung einer Kakaobohne genau vorherzusagen. Die Qualität der Bohnen und ein ressourcenschonender, nachhaltiger Anbau sollen dadurch unterstützt werden.

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