Tabakpflanzen als Produzent für Impfstoff gegen Non-Hodgkin-Lymphom

01.03.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

In den Blättern von Tabakpflanzen könnten bald Proteine für die Behandlung von Krebs produziert werden. (Quelle: © iStockphoto.com/ W Brian Watkins)
In den Blättern von Tabakpflanzen könnten bald Proteine für die Behandlung von Krebs produziert werden. (Quelle: © iStockphoto.com/ W Brian Watkins)

In Tabakpflanzen produzierte Antikörper könnten in Zukunft zu Behandlungserfolgen gegen die fünfhäufigste Todesursache bei Krebserkrankungen führen. Ziel ist es, jedem Patienten einen speziell auf seine Erkrankung zugeschnittenen Impfstoff zu geben.

Die Idee der sogenannten magnICON®-Technologie ist genial: Mithilfe von Agrobakterien wird der genetische Bauplan eines speziellen Proteins (Eiweiß) in die Tabakpflanze gebracht, der sich dann in den Zellen verteilt und für die millionenfache Vermehrung des Proteins sorgt. Später wird das in den Pflanzen hergestellte Protein aus den Blättern gewonnen. Auf diese Weise sollen Patientenspezifische Impfstoffe zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) - einer Krebserkrankung der Lymphozyten - hergestellt werden. Die Therapie richtet sich an NHL-Patienten, die erfolgreich durch Chemotherapie behandelt wurden. Das Ziel ist dabei, ein Wiederauftreten des Tumors zu verhindern. Mit dem Impfstoff soll das eigene Immunsystem aktiviert werden, so dass es die bösartigen Zellen erkennt und sie gezielt durch die körpereigenen Abwehrkräfte zerstören kann. 

Der neuartige Impfstoff der Bayer Innovation GmbH besteht aus einem Antikörper (Immunoglobulin), das ausschließlich auf den erkrankten Lymphozyten zu finden ist, nicht jedoch auf gesunden Lymphozyten und anderen Körperzellen. Dieses patientenspezifische Protein bezeichnet man als "Idiotyp". Der Bauplan dieses Idiotypen wird den erkrankten Lymphozyten entnommen, um für jeden Patienten ein individuelles Medikament herzustellen und als Impfung zu verabreichen. 

Wie Dr. John Edward Butler-Ransohoff, Leiter des Plantmade-Pharmaceuticals Projekts bei Bayer erklärt, sei das Ziel künftiger Tumorbekämpfung eine möglichst auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie. Bereits seit den Neunziger Jahren arbeiten Wissenschaftler an patientenspezifischen Antikörpern, die das Wiederauftreten des Tumors deutlich verzögern sollen. Ein Forschergruppe um Professor Maurizio Bendandi von der Universität von Navarra (Spanien) führte 2006 erstmals erfolgreich eine entsprechende Studie durch. 

Die Food & Drug Administration in den USA hat die Phase-I-Studie kürzlich genehmigt, sodass der maßgeschneiderte Impfstoff bereits in die klinische Phase gegangen ist. Zwanzig erkrankte Freiwillige werden innerhalb eines halben Jahres sechsmal geimpft. Durchgeführt wird die Phase I an der renommierten University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas (USA) in enger Zusammenarbeit mit Bendandi. Sollte die anschließende Auswertung der Laborwerte an der Universität von Navarra positiv und erfolgsversprechend ausfallen, ist eine Zulassungsstudie angestrebt.

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