Tierische Helfer auf der Plantage

Vögel und Fledermäuse sorgen für höhere Kakaoerträge

12.11.2013 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Wissenschaftlerin Bea Maas mit einem tierischen Helfer: Ohne Vögel und Fledermäuse lieferten die Kakaobäume im Experiment bis zu 31 Prozent weniger Ertrag. (Quelle: © Georg-August-Universität Göttingen/Agrarökologie)
Wissenschaftlerin Bea Maas mit einem tierischen Helfer: Ohne Vögel und Fledermäuse lieferten die Kakaobäume im Experiment bis zu 31 Prozent weniger Ertrag. (Quelle: © Georg-August-Universität Göttingen/Agrarökologie)

Kakaobäume liefern höhere Erträge, wenn Vögel und Fledermäuse um sie herumschwirren. Dies ist das Ergebnis eines Experiments, bei dem deutsche Wissenschaftler den Tieren den Zugang zu bestimmten Kakaobäumen verwehrten. Die abgeschirmten Bäume lieferten bis zu 31 Prozent weniger Ertrag. Denn die fliegenden Helfer ernähren sich von Insekten und vertilgen so auch Kakao-Schädlinge. Dies ist ein erfolgreiches Beispiel für natürliche Schädlingskontrolle und zeigt die wirtschaftlichen Vorzüge dieser Methode auf.

Kakaobäume (Theobroma cacao) haben hohe Ansprüche und brauchen es vor allem warm und feucht. Auf tropischen Plantagen wird die wichtige Nutzpflanze angebaut, aus der man u.a. die beliebte Schokolade herstellt. Allerdings sind sie auch sehr anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Da Kakao wirtschaftlich sehr bedeutend ist, sind die Bauern daran interessiert, ihre Erträge zu sichern und zu steigern. Dies kann man durch Pflanzenzüchtung (z. B. resistentere Sorten) erreichen, aber auch durch indirekte Maßnahmen, wie die Bekämpfung von Schadinsekten. Schädlinge können durch ihre Fressfeinde auf natürliche Weise eingedämmt werden. Deutsche Forscher der Universität Göttingen untersuchten nun in einem 15 Monate andauernden Experiment, wie es sich auswirkt, wenn man Vögel und Fledermäuse, die sich von Insekten und Co. ernähren, von Kakaobäumen fernhält.  

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Der Kakaobaum ist anspruchsvoll und sehr anfällig für Schädlinge. Durch gezielte Maßnahmen biologischer Schädlingsbekämpfung könnten die Erträge sogar gesteigert werden.

Der Kakaobaum ist anspruchsvoll und sehr anfällig für Schädlinge. Durch gezielte Maßnahmen biologischer Schädlingsbekämpfung könnten die Erträge sogar gesteigert werden.

Quelle: © iStockphoto.com/ daveamsler

Mehr Insekten, weniger Kakao

Die Forscher führten das Freilandexperiment auf der indonesischen Insel Sulawesi durch, einem der weltweit größten Kakaoanbaugebiete. Dafür wählten sie auf Plantagen bestimmte Bäume aus, die sie von den fliegenden Insektenfressern abschirmten. Sie stellten fest, dass sich ohne Vögel und Fledermäuse deutlich mehr Insekten (z. B. Käfer, Falter oder Blattläuse) und Spinnen auf den Bäumen tummelten.

Es vermehrten sich Insekten, die sich von Blättern und Blüten der Kakaobäume ernährten. Da sich jedoch die Schäden an den Blättern nicht erhöhten, vermuten die Forscher, dass vor allem die Schäden an den Blüten ausschlaggebend waren. Denn die abgeschirmten Kakaobäume warfen bis zu 31 Prozent weniger Ertrag ab. Dies sind wirtschaftlich relevante Größen, wie die beteiligte Göttinger Agrarökologin Bea Maas erklärt: „Die Anwesenheit von Vögeln und Fledermäusen erbrachte den Kleinbauern Ertragssteigerungen im Wert von 730 US-Dollar pro Jahr und Hektar Anbaufläche. Durch gezieltes Management ließe sich dieser Effekt sicher noch steigern“.

Natürliche Schädlingskontrolle sollte mehr berücksichtigt werden

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Möglichkeiten der biologischen Schädlingsbekämpfung vor allem in tropischen Regionen nur wenig verstanden seien. Daher auch die positive Wirkung von Vögeln und Fledermäusen keine Beachtung finde. Würde man gezielt Nistplätze und Nahrung für die Nützlinge bereitstellen, könnte sich dies auch positiv auf den Ertrag von beispielsweise Kakao auswirken. Doch die Rolle der fliegenden Helfer ist bisher noch nicht völlig verstanden. So sollte weiter untersucht werden, welche Auswirkungen Vögel und Fledermäuse auf andere Ökosystem-Dienstleistungen wie die Bestäubung der Kakaoblüten habe. Denn Kakaobäume werden von winzigen Mücken bestäubt, die jedoch auch auf dem Speiseplan der Vögel und Fledermäuse stehen.

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Freilandexperiment in einem der größten Kakao-Anbaugebiete der Welt: Die Göttinger Agrarökologin Bea Maas auf einer Kakaoplantage auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Freilandexperiment in einem der größten Kakao-Anbaugebiete der Welt: Die Göttinger Agrarökologin Bea Maas auf einer Kakaoplantage auf der indonesischen Insel Sulawesi.

Quelle: © Georg-August-Universität Göttingen/Agrarökologie

Schutz der Artenvielfalt mit wirtschaftlichem Nutzen

Würde beim Anbau die natürliche Schädlingskontrolle bedacht, würde dies auch dem Schutz der Artenvielfalt dienen, betonen die Forscher. Doch nicht nur die Erhaltung der Artenvielfalt ist bei der biologischen Schädlingsbekämpfung ein Antriebsgrund, sondern auch wirtschaftliche Erwägungen. Denn die Landwirte können Kosten einsparen, da sie weniger Pestizide versprühen und gleichzeitig hohe Erträge erzielen.

Bei uns zu Lande ist die biologische Schädlingsbekämpfung etabliert. Vor allem in Gewächshäusern kommen gezielt Fressfeinde zum Einsatz. Auf dem Feld ist dies deutlich schwieriger, da hier nicht alle Faktoren kontrolliert werden können. In der freien Natur gibt es viele Wechselwirkungen und auch komplexe Nahrungsnetzwerke, die noch nicht ausreichend verstanden sind. 

Die chemische Schädlingsbekämpfung ist auf dem Feld zwar einfacher, aber es können dabei auch Nützlinge geschädigt werden. Alternativ pflanzen Landwirte beispielsweise am Rand von Ackerflächen sogenannte Blühstreifen an. Auf der einen Seite geht dadurch Anbaufläche verloren auf der anderen Seite bieten diese Streifen Rückzugsorte und Lebensräume für andere Lebewesen. So sollen Nützlinge wie z.B. Bestäuber oder Fressfeinde gezielt angesiedelt und Schädlinge eingedämmt werden.

Allerdings ist die erforderliche Größe der Blühstreifen regional sehr unterschiedlich und von vielen Faktoren abhängig, um diese positive Wirkung zu entfalten. Regionale Einflussfaktoren können z. B. die Qualität des Bodens, geologische Parameter wie Höhenprofile oder die Landschaftzusammensetzung in der Umgebung sein. Schon dieses einfache Beispiel zeigt, dass auch hierzulande weitere Forschung notwendig ist, um besser abwägen zu können, wie Nützlinge im Feld standortabhängig sinnvoll gefördert und gezielt eingesetzt werden können.

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