Tomaten:

Geschmack versus Aussehen

02.07.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Färbung der reifen Früchte und deren Nährstoffgehalt werden durch den Chloroplastengehalt in unreifen Früchten, unter dem Einfluss des Transkriptionsfaktor SlGLK2, beeinflusst. (Quelle: © S. Zhong and J. Giovannoni).
Die Färbung der reifen Früchte und deren Nährstoffgehalt werden durch den Chloroplastengehalt in unreifen Früchten, unter dem Einfluss des Transkriptionsfaktor SlGLK2, beeinflusst. (Quelle: © S. Zhong and J. Giovannoni).

Wer kennt sie nicht, die schönen, aber teilweise leider geschmacksarmen Tomaten aus dem Supermarkt? Jahrelang konzentrierten sich die Züchter auf das Aussehen der Früchte. Diese sollen eine gleichmäßig rote Farbe haben. Forscher fanden nun heraus, dass dies ungewollte negative Auswirkungen hatte. Denn die so gezüchteten Tomaten haben einen reduzierten Zuckergehalt und dies beeinflusst das Aroma der Früchte.

Tomaten (Solanum lycopersicum) sollen nicht nur gut schmecken, sondern vor allem ansprechend aussehen. Denn das Aussehen beeinflusst die Kaufentscheidung. In den letzten 70 Jahren wurden daher Tomatensorten für die Züchtung ausgewählt, die vor der Reife gleichmäßig hellgrüne Früchte ausgebildet hatten. Diese Tomaten werden dann beim Reifen auch gleichmäßig, d.h. vollständig rot und sehen im Supermarkt gut aus. Forscher haben nun herausgefunden, dass genau dieses Merkmal der „einheitlichen Reifung“ vieler moderner Tomatensorten Auswirkungen auf den Geschmack der Früchte hat: Dieses äußere Erscheinungsbild (Phänotyp) ist auf eine Genmutation zurückzuführen, welche einen geringeren Zuckergehalt zur Folge hat.

Genmutation vermindert Photosyntheseleistung

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Leidet der Geschmack unter dem Aussehen? (Quelle: © Rita Thielen / pixelio.de)


Leidet der Geschmack unter dem Aussehen? (Quelle: © Rita Thielen / pixelio.de)

Ein internationales Forscherteam fand nun das Gen, welches für die gleichmäßig grüne Farbe der Tomaten verantwortlich ist. Sie entdeckten, dass dieser Phänotyp eine zufällige Mutation war. Denn normalerweise reifen Tomaten unterschiedlich schnell - oft bleiben am Stängelansatz grüne Stellen zurück. Dieser ästhetische Makel wurde durch das Einkreuzen der gleichmäßig grünen unreifen Früchte beseitigt.

Das dafür zuständige mutierte Gen kodiert einen Transkriptionsfaktor (SlGLK2). Transkriptionsfaktoren sind Proteine, welche an DNA anbinden und die Transkription einleiten. Normalerweise sorgt der Faktor dafür, dass dadurch u.a. wichtige Gene der Photosynthese aktiviert werden: Mehr Chlorophyll und Chloroplasten werden gebildet und erhöhen die Photosyntheseleistung der unreifen Früchte. Mehr Photosynthese bedeutet auch, dass die reifen Früchte mehr Zucker (Glucose) enthalten, da der ein primäres Produkt der Photosynthese ist. Die Mutation führt dazu, dass der Transkriptionsfaktor gestört wird. Und damit auch die Ausbildung von Chlorphyll und Chloroplasten vermindert wird. Folglich findet auch weniger Photosynthese in den unreifen Früchten statt. Diese Tomaten haben dadurch im reifen Zustand einen geringeren Zuckergehalt und dies macht sich im Geschmack bemerkbar.

Einerseits sehen die ebenmäßig roten Tomaten, die das Ergebnis des mutierten Gens sind, gut aus und erleichtern durch das einheitliche Reifen die Ernte der Früchte. Andererseits hat dies ungewollte negative Folgen für den Nährstoffgehalt und somit die Qualität der reifen Früchte. Der geringere Chloroplastenanteil in den unreifen Früchten vermindert die Bildung von Kohlenhydraten bei der Photosynthese. Auch der Anteil an Carotinoiden (Lycopin) ist reduziert.    

Die Zukunft der Tomate

Der molekulare Hintergrund bestätigt demnach: Das gute Aussehen hat seinen Preis. Vielleicht bedarf es eines Umdenkens bei den Käufern, nicht nur auf perfektes Aussehen bedacht zu sein, sondern auch den weniger hübschen Tomaten eine Chance zu geben. Züchter können mit diesem Wissen nun entscheiden, ob sie weiterhin das gute Aussehen präferieren, oder den Geschmack.

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