Umweltverträglicher Gartenbau und hohe Qualität dank Forschung in Brandenburg und Thüringen

03.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Biomanufacturing System (Bild: © IGZ)
Biomanufacturing System (Bild: © IGZ)

Als Verbraucher hätten wir am liebsten Gemüse und Zierpflanzen, die höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden, aus umweltverträglichem Anbau stammen und dabei noch im Preis bezahlbar sind. Die Bedeutung um gartenbau- und agrarwissenschaftliche Forschung ist dem Konsumenten dabei nur begrenzt bewusst. Einrichtungen wie das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) tragen im Hintergrund mit ihrer Arbeit dazu bei, dass Gartenbaubetriebe ökologisch und effektiv agieren können.

LEIBNIZ-GEMEINSCHAFT: Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ)  

Großbeeren/Erfurt/Berlin – Zunächst hört es sich einfach an: gesunde Nahrungsmittel sollen in umweltverträglichen Betrieben wachsen können. Dann wird es jedoch gleich komplizierter. Die Fortschritte im genetischen und ökologischen Verständnis von Lebenszusammenhängen sollen auf moderne Gartenbaubetriebe angewendet werden. Und die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sichergestellt werden. Die Ziele des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) sind nicht nur ehrgeizig, sie erfahren auch in der Öffentlichkeit noch nicht die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil werden sollte, wie Prof. Dr. Eckhard George, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts, bedauert. Die anwendungsorientierte Grundlagenforschung, die an den Standorten Großbeeren bei Berlin und Erfurt betrieben wird, sucht daher gezielt selbständig den Kontakt nach draußen.  

Die Zukunft des Gartenbaus 

Als aktive Teilnehmer am Geschehen, blicken die Wissenschaftler über den Tellerrand ihres Forscherdaseins hinaus und tragen die Thematiken, die sie am Institut beschäftigen in die Gesellschaft. Beim Zukunftskongress Gartenbau beispielsweise, der erstmals in Berlin stattfand. Hier wurden drängende Fragen zur Ressourcenknappheit, zum Klimawandel und veränderten Konsumentenbedürfnissen diskutiert. Gefördert vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, organisierte das IGZ zusammen mit der Deutschen Gartenbauwissenschaftlichen Gesellschaft (DGG) und der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) die Veranstaltung, die zukünftige Herausforderungen und Lösungen für den Gartenbau anzeigte. Der Kongress stand unter dem Motto „Gartenbau 2020 – Wandel gestalten“. Konkret geht es also um eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Gartenbaubetriebe. Heute kann das Institut über Zukunftsvisionen sprechen. Um zu seiner heutigen Form zu kommen, musste es jedoch einen langen Weg gehen.  

Großbeeren: traditionsreicher Standort für Gemüsebauforschung  

Der Ursprung des Instituts geht über 80 Jahre zurück. Im Jahr 1924 richtete die „Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau“ Berlin-Dahlem in Großbeeren erste Moorversuchsfelder ein. Auch ein Institut für gartenbauliche Forschung wurde ins Leben gerufen. Infolge der Gründung der DDR entwickelte sich in Großbeeren danach ein Institut für Gemüseproduktion. In Erfurt baute die „VEG Saatzucht-Zierpflanzen Erfurt“ 1970 eine Abteilung für Zierpflanzenforschung auf, die bis 1989 in der anwendungsorientierten Forschung tätig war. Aus diesen Vorgängern entstand 1992 das jetzige Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ). Die Einrichtung wurde neu gegründet und in die „Blaue Liste“ aufgenommen, ein 1977 ins Leben gerufener Verbund von damals 46 Einrichtungen, der schließlich den Namen „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz“ trägt. Bund und Länder fördern diese Institute finanziell. Unter dem Dach der Leibniz-Welt ist das Institut heute eine von 86 Einrichtungen und eines der größten, öffentlich finanzierten Institute für Gartenbauwissenschaft im Land. Es ist der Sektion Umweltwissenschaften zugeteilt. Derzeit arbeiten 110 Personen am IGZ. 38 Personen befinden sich in der Weiterbildung als Doktoranden und Diplomanden.   

Im Freiland und in Gewächshäusern gedeihen Ideen für die Zukunft 

Das IGZ besteht aus den fünf wissenschaftlichen Abteilungen „Modellierung und Wissenschaftstransfer“, „Pflanzenernährung“, „Pflanzengesundheit“, „Pflanzenvermehrung“ und „Qualität“. Eine Vielzahl von Themen zählen zu Schwerpunkten am Institut, darunter Qualität in der Lebensmittelversorgungskette, Gartenbaupraxis und moderne Produktion und Pflanzenwachstum und Mikroklima. Am erfolgreichsten agiert die Einrichtung nach eigenen Aussagen in den Bereichen Gemüseproduktion im Freiland und Gewächshaus sowie Pflanzenvermehrung und Samenbauforschung bei Zierpflanzen. Eine Spezialbibliothek für den Gemüse- und Zierpflanzenbau mit über 60 000 Titeln aus dem In- und Ausland ergänzt und unterstützt die Arbeit der Wissenschaftler.  

Mit Forschungsnetzwerken zu einer starken Lobby für Agrarwissenschaften 

Dem interdisziplinären Ansatz der Leibniz-Gemeinschaft treu, unterhält das IGZ auch zahlreiche Kooperationen mit anderen Forschungseinrichtungen. Derzeit laufen Projekte mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, der TU Berlin und der Charité Berlin. Dabei geht es darum, die Brassica-Pflanze Broccoli näher zu untersuchen und festzustellen, ob bestimmte Glucosinolate des Gemüses beim Menschen krebshemmend sein können. Zudem ist das IGZ Gründungsmitglied der Forschungsplattform Ländliche Räume Berlin-Brandenburg, wo das Institut mit 20 anderen agrarwissenschaftlichen Einrichtungen seit 2004 verzahnt ist. Das Netzwerk will die Öffentlichkeit besser über die Forschungsarbeiten aufklären, die Kommunikation zwischen den Einrichtungen verbessern und auch die Politik eingehender informieren und involvieren. Eine Lobby für Agrar- und Umweltwissenschaften eben. Auch geografisch gesehen begünstigt das Institut Wissenschaftstransfer, befindet es sich in Großbeeren doch in nächster Nähe zum Referat für Gartenbau des brandenburgischen Landesamts für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurordnung und zur Lehranstalt für Gartenbau und Floristik e. V. (LAGF).  

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