Vom wilden Süßgras zum modernen Weizen

Eine lange Züchtungsreise, die noch lange nicht zu Ende ist

20.08.2018 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Weizen ist in Deutschland das wichtigste Getreide. (Bildquelle: © Berty / Fotolia.com)
Weizen ist in Deutschland das wichtigste Getreide. (Bildquelle: © Berty / Fotolia.com)

Alles begann im vorderen Orient mit einem wilden Getreide, dem Wildeinkorn. Es waren jedoch viele Schritte nötig, um vom Wildgetreide zu unserem heutigen Weizen zu gelangen. Die Züchtungserfolge machte den Weizen letztendlich zum wichtigsten Getreide der Welt. Und ständig werden weitere Sorten entwickelt, um die Pflanze noch produktiver, resistenter und hochwertiger zu machen.

Weizen (Triticum spec.) ist nicht nur in Deutschland das wichtigste Getreide. Betrachtet man die Anbaufläche, so steht er weltweit an der Spitze. Doch Weizen ist nicht gleich Weizen. Es gibt verschiedene Weizenarten, die zu unterschiedlichen Zwecken angebaut werden. Die wichtigsten sind Weichweizen und Hartweizen. Hartweizen ist die Grundlage für Teigwaren wie Nudeln. Wirtschaftlich bedeutender ist jedoch der Weichweizen. Er wird aufgrund seiner guten Backeigenschaften unter anderem zum Brotbacken verwendet und daher auch „Brotweizen“ genannt.

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Video: Die Geschichte des Weizens erklärt Dennis Hehnen am Stand von Z-Saatgut bei den DLG Feldtagen 2018. (Quelle: Pflanzenforschung.de/ youtube.com)

Genetische Geschichte des Weizens

Bemerkenswert ist vor allem das Genom des Weichweizens, das extrem groß und komplex ist: Mit etwa 17 Milliarden Basenpaaren ist es über fünfmal so groß wie das des Menschen. Das Weizengenom besteht zudem aus drei diploiden Vorgängergenomen (A, B, D) und sechs Chromosomensätzen mit jeweils sieben Chromosomen (2n = 6x = 42 Chromosomen). Das machte auch seine Sequenzierung enorm schwierig. Nichtsdestotrotz gelang es dem International Wheat Genome Sequencing Consortium (IWGSC) nach 13 Jahre langer Arbeit, eine qualitativ hochwertige Referenz-Genomsequenz des Weizens vorzulegen, die vor wenigen Tagen erst im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht wurde (IWGSC, 2018; wir berichteten: „Weizengenom vollständig entschlüsselt“). Doch wie entstand das Riesengenom?

Weizen geht auf das diploide (zwei Chromosomensätze; Genom AA) Getreide Einkorn zurück – ein Süßgras, dass schon vor über 10.000 Jahren vom Menschen an gebaut wurde. Einkorn hat sich zufällig mit einem ebenfalls diploiden Wildgras (Aegilops speltoides; Genom BB) gekreuzt. Daraus entstand der tetraploide (vier Chromosomensätze; Genom AABB) Wildemmer. Durch Züchtung entwickelte sich daraus der tetraploide Hartweizen (Triticum durum), den wir für Pasta und Co. noch heute anbauen.

Der wilde Emmer kreuzte sich wiederum mit einem anderen diploiden Wildgras (Aegilops tauschii; Genom DD). Das Ergebnis dieser Kreuzung ist der hexaploide (sechs Chromosomensätze) Dinkel. Durch weitere Züchtung ist daraus dann der hexaploide Weichweizen (Triticum aestivum; Genom AABBDD) entstanden, den wir heute als Brotweizen kennen und schätzen.

Züchtungsgeschichte und wichtige Züchtungsziele

Zu Beginn waren die Kreuzungen der Pflanzen untereinander rein zufällig. Die frühen Züchter wählten (selektierten) Pflanzen mit wünschenswerten Eigenschaften und vermehrten sie. Die sogenannte Auslese- oder Selektionszüchtung wurde später abgelöst von der Kreuzungszüchtung, bei der man nun gezielt Pflanzen miteinander kreuzte. So entstanden Pflanzen, in denen positive Eigenschaften gleich mehrerer Einzelpflanzen vereint werden konnten. Dabei halfen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts neue Erkenntnisse, wie Einzelmerkmale vererbt werden: die berühmten Mendelschen Regeln.

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Video: Die Züchtungsziele für Weizen haben sich in den letzten Jahrzehnten verändert und werden das auch in Zukunft tun. Stefan Lütke Entrup erklärt am Stand von Z-Saatgut bei den DLG Feldtagen 2018 wie die Pflanzenzüchtung diese Ziele erreicht. (Quelle: Pflanzenforschung.de/ youtube.com)

Später war es dann auch noch möglich, direkt ins Erbgut zu schauen. Mit der Identifikation von molekularen Markern – bekannte Genabschnitte, auf denen die gewünschten Eigenschaften verortet sind – wurden noch gezieltere Züchtungsmethoden (markergestützte Selektion) möglich.

Neben den Methoden veränderten sich im Laufe der Zeit auch die Züchtungsziele. Zunächst standen beispielsweise Merkmale im Fokus, um das Getreide besser ernten zu können. Später ging es verstärkt darum, die Erträge zu erhöhen, die Mahl- und Backeigenschaften zu verbessern und die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber verschiedenen biotischen und abiotischen Umweltbedingungen zu machen.

Insbesondere Weizensorten, die resistent gegen Krankheiten und Schädlinge sind, nehmen immer mehr an Bedeutung zu. Auch langanhaltende Trockenheit und hohe Temperaturen, wie sie auch in Deutschland zunehmend gemessen werden, machen dem Weizen zunehmend zu schaffen. Auch hier muss die Züchtung Antworten finden.

Die Züchter müssen dabei vorrausschauend arbeiten. Bis eine neue Sorte auf den Markt kommt, können mitunter über 20 Jahre vergehen. Zur zeitintensiven Züchtungsarbeit – immer wieder Tausende von Pflanzen heranziehen, kreuzen und analysieren – kommen regulatorische Hürden hinzu. Denn es bedarf nochmals viel Zeit, um eine neue Sorte zu prüfen und zuzulassen. Die Pflanzenzüchtung muss also bereits jetzt die Pflanzen entwickeln, die wir in ein paar Jahrzehnten auf den Äckern brauchen werden.  

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