Von den Besonderheiten pflanzlicher Organellen

10.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Chemie-Vorlesung, HU Berlin. (Quelle: © Heike Bachmann)
Chemie-Vorlesung, HU Berlin. (Quelle: © Heike Bachmann)

Humboldt-Universität zu Berlin: Im Oktober wurde die die HU Berlin 200 Jahre alt und ist dennoch kein bisschen leise. Integrative Forschungsinstitute wie das Institute for Integrative Life Sciences (ILS) geben den Zukunftskurs der Universität vor.

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT zu Berlin (HU Berlin)

Exzellente Forschung betreiben die Humboldtianer auch in den Bereichen Pflanzen- und Agrarwissenschaften. Und wissen sich auch trotz Kosteneinsparungen zu helfen. Durch Verbundprojekte wie AgrosNet, einem innovativen Netzwerk der Agrarwissenschaften in Ostdeutschland.

Berlin – Ab Oktober begeht die Humboldt-Universität zu Berlin ihren 200.Geburtstag. Und das mit einer Reihe von Feierlichkeiten. Zu Ehren der ältesten Berliner Hochschule, die heute die zweitgrößte der Stadt ist, feiert sich die Hochschule aber nicht nur selbst. In einer Konferenz wird auch über die Zukunft der Universität nachgedacht. Als moderne Forschungsuniversität sieht sich die Lehrstätte selbst, als eine Hochschule die die Gedanken und Ideen ihres Namensgebers Wilhelm von Humboldt erfolgreich ins 21. Jahrhundert transportiert hat. Also eine humanistische Bildung durch die Einheit von Lehre und Forschung zu vermitteln. Die HU Berlin wurde 1809 gegründet und nahm ein Jahr später den Lehrbetrieb auf. Über 100 Jahre lang hieß die Hochschule Friedrich-Wilhelms-Universität zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Ab 1949 nahm die Universität den heutigen Namen an, um nun die Leistung Wilhelm von Humboldt anzuerkennen, der seinerzeit als Sektionschef für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern den Grundgedanken für die Uni gab. Nichts weniger als ein neues Bildungssystem wollte er in Preußen einführen. Die Hochschule besteht aktuell aus 11 Fakultäten, 242 Studiengängen, 17 Sonderforschungsbereichen, 18 Graduiertenkollegs, zwölf Interdisziplinären Zentren und fünf Zentraleinrichtungen. Insgesamt sind über 34 000 Studierende an der HU Berlin (inklusive Charité) eingeschrieben. Damit ist sie eine der größten Unis in Deutschland. 

200 Jahre Humboldt-Uni

200 Jahre nach Gründung steht die damalige Reformuniversität nun, wie fast alle Hochschulen in Deutschland ganz im Zeichen der Exzellenz. Und das Streben danach soll den zukünftigen Weg im neuen Jahrhundert bestimmen. Zum 2002 eingeführten Leitbild der Universität gehören 14 Punkte, darunter „Forschung als Lebensnerv der Universität“ und „Wissenschaft verpflichtet.“ Obwohl die Hochschule im Rahmen der letzten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern nicht mit ihrem Zukunftskonzept erfolgreich war, verpflichten sich die Humboldtianer weiter dazu – auch ohne staatliche Fördergelder. Mithilfe integrativer Forschungsinstitute wird die HU weiterhin in der ersten Liga exzellenter Spitzeneinrichtungen mitspielen. Im Mittelpunkt steht dabei das zusammen mit der Charité entworfene Institute for Integrative Life Sciences (ILS), das als das erste von vier geplanten Instituten ins Leben gerufen werden soll. Das ILS soll den bereits starken Bereich Lebenswissenschaften weiter profilieren. Dabei setzen die Berliner auf Interdisziplinarität. Und auf neue Kooperation zwischen den Geistes- und Naturwissenschaften. Dafür soll der Campus Nord der Hochschule, der derzeit das Institut für Biologie beherbergt zu einem Zentrum der Lebenswissenschaften ausgebaut werden. Bereits jetzt kann man am Institut einen Master in Molekulare Lebenswissenschaften absolvieren. Dieser Studiengang vermittelt Kenntnisse in den Disziplinen Mikrobiologie, Biochemie, Genetik, Pflanzenwissenschaften, Infektions- und Zellbiologie und Immunologie. 

Einzigartige Funktionen pflanzlicher Zellen   

Die Pflanzenwissenschaften an der Humboldt Universität sind am Institut für Biologie mit den Professuren für Pflanzenphysiologie, Genetik, Biochemie der Pflanzen, Angewandte Botanik, Molekulare Genetik, Zellbiologie und der Arbeitsgruppe Botanik und Arboretum vertreten und repräsentieren eine Vielfalt moderner genetischer und physiologischer Forschung innerhalb der Botanik. Ein wichtiges verbindendes Merkmal aller Arbeitsgruppen innerhalb der Pflanzenwissenschaften ist der Fokus auf molekulare Grundlagen des pflanzlichen Stoffwechsels, was zu einer starken Vernetzung der Pflanzenwissenschaften führte. Im Mittelpunkt der Forschungsaktivität stehen einzigartige Leistungen und Funktionen pflanzlicher Zellen, die so nicht in anderen Organismen beobachtet werden können. Besonderheiten pflanzlicher Organellen, insbesondere für die Photosynthese relevante Vorgänge in Chloroplasten, werden von mehreren Arbeitsgruppen gemeinsam durchleuchtet und sind innerhalb des Sonderforschungsbereiches 429 (Sprecher: Prof. Börner, Genetik) vernetzt, um die Regulation des pflanzlichen Primär- und Energiestoffwechsels zu untersuchen. Mit Arbeiten über Tetrapyrrol-vermittelte retrograde Signale ist die Pflanzenphysiologie an einer DFG-Forschergruppe beteiligt, die intrazelluläre pflanzliche Signalwege analysiert (Sprecher: Prof. Grimm, Pflanzenphysiologie). Pflanzliche Transportprozesse, u.a. die Physiologie der Eisenaufnahme oder des Langstreckentransports der Kohlenhydrate werden in der Angewandten Botanik, Prof. Buckhout, und der Pflanzenphysiologie, Dr. Kühn, untersucht. Cyanobakterien dienen als Modell der Untersuchung von Photosynthese und Stickstoffmetabolismus in der Biochemie der Pflanzen, Prof. Lockau, und Genetik, Prof. Börner. Weiterhin werden bedeutsame botanische Fragestellungen zur Systematik und Reproduktionsbiologie von Samenpflanzen mit anwendungsorientierten Zielstellungen verknüpft (Dr. Zoglauer). Strukturveränderungen an der Universität haben ab 2011 die Aufgabe der Zellbiologie zur Folge. Dennoch erlauben die unterschiedliche Ausrichtung der Arbeitsgruppen, wie auch deren Vernetzung für eine interessante und umfassende Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Pflanzenwissenschaften sind in die Lehre aller Studiengänge des Instituts für Biologie eingebunden (der Monobachelorstudiengang Biologie und die Masterstudiengänge Molekulare Lebenswissenschaften und Organismische Biologie und Evolution).

Agrarwissenschaften mit jahrhundertelanger Tradition

Auf eine langjährige Tradition können auch die Agrarwissenschaftler der HU zurückblicken. Die eigene Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät hat vier Institute und zwei An-Institute und besteht ebenfalls seit 200 Jahren. Dabei betreiben die Mitarbeiter Schwerpunktforschung in den Bereichen Strukturwandel im Agrarsektor, Qualitätssicherung in landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produktionssystemen im Dienste der Nahrungsmittelsicherheit und des Verbraucherschutzes, und Urbaner und periurbaner Land- und Gartenbau. Die Fakultät hält ein vielfältiges, auch international ausgerichtetes Angebot an Masterstudiengängen bereit: Agrarökonomik, Fishery Science and Aquaculture, Horticultural Science, Integrated Natural Resource Management, Prozess- und Qualitätsmanagement und Rural Development. Die ehemaligen Masterstudiengänge in Pflanzenbauwissenschaften, Nachhaltige Landnutzung, Nutztierwissenschaften, Gartenbauwissenschaften und Internationale Agrarwissenschaften werden künftig nicht mehr angeboten und laufen dieses Jahr aus oder sind bereits ausgelaufen.  

AgrosNet: mit gebündelten Kompetenzen gegen Kostenersparnisse für moderne Agrarwissenschaften

Seit zwei kooperiert die Fakultät mit den Unis Rostock und Halle im Verbundsprojekt AgrosNet, dem Netzwerk der Agrarwissenschaften Ostdeutschlands. Durch den Zusammenschluss zu diesem Projekt sollen gleichermaßen alle Beteiligten profitieren, v.a. die Studenten. Hier werden Ressourcen in Forschung und Lehre gebündelt und die Stärken der einzelnen Standpunkte herausgearbeitet. Studierenden können aus den Lehrangeboten der verschiedenen Unis aus einem Modul-Pool ihren Unterricht selbst zusammenstellen. Auch mehrere außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau Großbeeren Erfurt sind beteiligt. Der Austausch, der so entsteht, soll über Kosteneinsparungen im Bereich Agrarwissenschaft hinweghelfen und über diese Kooperationsarbeit AgrosNet einmal in ein internationales wissenschaftliches Kompetenzzentrum verwandeln. Um modernde agrarwissenschaftliche Arbeit für die Zukunft zu sichern.

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