Vorläufige Bewertung der EFSA zur GV-Mais und Herbizid-Studie

08.10.2012 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Ergebnisse der GV-Mais-Studie sind laut EFSA hinfällig. (Quelle: © pholidito / Fotolia.com)
Die Ergebnisse der GV-Mais-Studie sind laut EFSA hinfällig. (Quelle: © pholidito / Fotolia.com)

Die Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Sicherheit der Maissorte NK603 muss nicht neu bewertet werden. Hintergrund ist, dass die Langzeitstudie von Séralini, et al. zu GV-Mais methodische Schwächen aufweist. Die Aussagen der Studie sind damit hinfällig.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hatte in Reaktion auf ein dringendes Ersuchen der Europäischen Kommission eine multidisziplinäre Taskforce eingesetzt, um den Artikel zur Studie zu bewerten. Die Bewertung sollte klären, ob das frühere Gutachten der EFSA zu Mais NK603 aufgrund der beschriebenen Befunde revidiert werden müsse.

Die zweijährige Studie von Séralini, et al. untersuchte sowohl die Wirkung des Transgens als auch die Wirkung des Unkrautbekämpfungsmittels gegen welches die Maissorte eine Resistenz  aufweist. Eine Wirkung  der Chemikalie könnte durch den Wirkstoff aber auch durch dessen Formulierung im Spritzmittel verursacht werden. In Fütterungsexperimenten erkrankten Untersuchungstiere (Ratten), die mit der transgenen Maissorte oder dem Herbizid gefüttert wurden und starben früher.

Die EFSA kritisierte in ihrer Bewertung die Methodik und das Design der Studie. International geltende Richtlinien wurden nicht beachtet. Diese fordern eine Stichprobe von mindestens 100 Tieren (50 je Geschlecht) pro Behandlung, um statistisch abgesicherte Aussagen treffen zu können. Auch die Auswahl der Versuchstiere wurde kritisiert. Der verwendete Rattenstamm neigt zu einer verstärkten Tumorbildung. Je nach Fragestellung und Dauer des Experiments, z.B. in der Krebsforschung kann ein solcher Stamm sinnvoll sein. In diesem Fall, so die EFSA, können Tumore durch den verwendeten Stamm zufällig aufgetreten sein. Neben den statistisch nicht abgesicherten Daten kann dies zu weiteren Fehlinterpretationen der Ergebnisse führen.

Ein weiterer Kritikpunkt waren fehlende Daten in der Publikation. So liegen weder nähere Angaben über die Zusammensetzung der den Ratten verabreichten Lebensmittel, noch über deren Lagerung oder mögliche Schadstoffe – wie Mykotoxine –, die darin enthalten gewesen sein könnten vor, so die EFSA. Auch war es nicht möglich, die Exposition der Ratten gegenüber dem Herbizid korrekt zu bewerten. Über dessen Aufnahme wurden keine eindeutigen Angaben gemacht. Die Autoren berichten lediglich über die zum Besprühen der Maispflanzen verwendete Herbizid-Dosis sowie die Konzentration, die dem Trinkwasser der Ratten zugesetzt wurde, machen aber keine näheren Angaben über die aufgenommene Futter- bzw. Wassermenge. Damit fehlen der Publikation die für Fütterungsstudien üblichen Angaben.

Daraus, schlussfolgert die EFSA, lassen sich die Hauptaussagen der Studie nicht belegen. Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kam die in Deutschland zuständige Behörde, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.

Ende Oktober will die EFSA eine weitere Bewertung abgeben. „Um sich ein umfassendes Verständnis der Studie zu verschaffen, bat die EFSA die Autoren Séralini et al., wichtige zusätzliche Informationen zur Verfügung zu stellen.“

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