Weihnachtsspezial: Zum Nikolaustag

08.12.2011 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Ist der Nikolausstiefel reich gefüllt? (Quelle: © Claudia Hautumm / pixelio.de)
Ist der Nikolausstiefel reich gefüllt? (Quelle: © Claudia Hautumm / pixelio.de)

Apfel, Nuss und Mandelkern – oder doch nur eine Rute? Zum Nikolaustag zeigen die Geschenke, wer brav war und wer von Knecht Ruprecht gerügt wird. Das dritte Weihnachtsspezial erklärt die Symbolik hinter der bitter-süßen Tradition.

Zahlreiche Legenden ranken sich um Nikolaus von Myra, der zum Nikolaustag geehrt wird. Eine erzählt, dass Nikolaus heimlich im Schutz der Nacht das Haus eines mittellosen Vaters aufsuchte. Der arme Mann hatte drei junge Töchter, er konnte sie aber nicht verheiraten, weil ihm das Geld für die Mitgift fehlte. Nikolaus warf drei Goldklumpen ins Haus und rettete so die drei Jungfrauen vor ihrem unglücklichen Schicksal. In Europa gilt der Apfel als Liebes- und Hochzeitssymbol. Wer also heute Äpfel verschenkt hat, erinnert an die Legende.

Gebrannte Mandeln und Marzipan stecken am Nikolausmorgen in vielen blank geputzten Stiefeln. Die Herkunft der Mandel weist in den nahen Osten. Vor ca. 4000 Jahren wurden dort die ersten Mandelbäume kultiviert. Die Forschung nutzte detaillierte Genomvergleiche verschiedner heute angebauter Mandelsorten, um den Ursprung der Pflanze zu lokalisieren. Mit dem Vergleich von repetitiven Einheiten (Mikrosatelliten) im Mandelgenom, gelang es, die Geschichte der Kultivierung 4000 Jahre zurückzuverfolgen.

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Mandelplätzchen sind beliebte Weihnachtsleckereien.

Mandelplätzchen sind beliebte Weihnachtsleckereien.

Quelle: © iStockphoto.com/hlphoto

Nach nord- und mitteldeutschem Brauchtum wird Nikolaus von seinem Schrecken verbreitendem Gehilfen Knecht Ruprecht begleitet. Dieser trägt einen Korb voller Äpfel, Nüsse, Mandeln und Rosinen. Mit seiner Rute aus Weiden- oder Birkenzweigen bestraft er unartige Kinder. Von der Antike bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Rute ein weitverbreitetes Instrument zur Bestrafung. Sie gilt als Vorläufer des Rohstocks. Mit der  Rute wurden jedoch nicht nur Kinder, sondern auch  Verbrecher bestraft. Seit dem 20. Jahrhundert kennen die meisten Menschen die Rute nur noch aus Erzählungen vom Nikolaus, Knecht Ruprecht oder dem Weihnachtsmann. 1980 verbot der Freistaat Bayern als erstes Bundesland die Züchtigung an Schulen. Seit 2000 steht auch die körperliche Bestrafung durch die Eltern unter Strafe.

Heute werden Weiden und Birken wegen ihrer wertvollen Inhaltsstoffe vor allem stofflich genutzt. Die Sandbirke wird als blutreinigendes, harntreibendes und anregendes Mittel noch heute in der Pflanzenheilkunde verwendet. Aus der Silberweide kann der Stoff Salicin, ein Ausgangsstoff für Aspirin, gewonnen werden. Birken werden vor allem in der Kosmetik verwendet. Durch das Anschneiden des Stammes oder von Ästen wird in wenigen Wochen im Frühjahr Birkensaft gewonnen. Dieser soll gegen Haarausfall helfen. Auch reinigte man mit Birkensaft schlecht heilende Wunden und verwendete ihn gegen Ausschläge und Schuppen. Da der Saft zuckerhaltig ist, lässt er sich in vergorener Form als Birkenwein genießen - ein heute noch in Russland beliebtes bäuerliches Rauschgetränk. In Finnland wird aus Birken der Zuckeraustauschstoff Xylitol gewonnen. Birken lieferten zudem den ersten Kunststoff der Menschheitsgeschichte. Das aus Birkenrinde durch Trockendestillation gewonnene Birkenpech diente bereits den Neandertalern als Klebstoff bei der Herstellung von Werkzeugen. In der finnischen und russischen Sauna werden frische Birkenruten genutzt, um sich selbst oder sich gegenseitig zu schlagen, um die Blutzirkulation anzuregen.

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