Wo Hämoglobin und DNA entdeckt wurden

05.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen. (Bild: © Metz, Universität Tübingen)
Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen. (Bild: © Metz, Universität Tübingen)

Eberhard Karls Universität Tübingen: Diese Universität ist eine Pionierin. Felix Hoppe-Seyler entdeckte hier den Blutfarbstoff, das Hämoglobin, und gilt als Begründer der modernen Biochemie und Molekularbiologie. Sein Schüler Friedrich Miescher fand die Kernsäure, die bald unter dem Namen Desoxyribonukleinsäure (DNA) bekannt werden sollte.

EBERHARD KARLS UNIVERSITÄT TÜBINGEN 

An der 1477 gegründeten Hochschule ist Tradition ebenso verwurzelt wie Innovation. Wer in der Wissenschaftslandschaft mithalten will, muss sich jedoch ständig neu erfinden. So schreitet die Universität heute mit großen Schritten der Zukunft entgegen. Denn die Helden von damals brauchen Nachfolger.

Tübingen/Berlin – „Tübingen hat keine Universität, Tübingen ist eine Universität.“ So lautet ein bundesweit bekanntes Bonmot. Kein Wunder. Von den knapp 85 000 Einwohnern sind über ein Viertel Studenten. Seit weit mehr als 500 Jahren „ist“ die Stadt am Neckar nun schon Universität. Und hat damit eine der ältesten Hochschulen in Deutschland überhaupt. 1477 wurde die Hochschule offiziell von Graf Eberhard im Bart mit zunächst vier Fakultäten gegründet. Das Motto des Gründers, das lateinische „Attempto!“ (Ich wag´s!) hat bis heute Bestand und wird von der Bildungseinrichtung immer noch getragen. 1767 kam Herzog Karl Eugen als Rektor an die Hochschule und drückte der Lehranstalt zwei Jahre später namentlich seinen Stempel auf. Er fügte seinen Vornamen dem des Gründers hinzu, so dass die Universität fortan Eberhard Karls Universität hieß. Knapp hundert Jahre später, im Jahr 1863 entstand in Tübingen die erste naturwissenschaftliche Fakultät, die gleichzeitig die erste überhaupt im Lande war. 

Tradition und Innovation – ich wag´s!

Heute verfügt die Eberhard Karls Universität über 14 Fakultäten und bietet über 150 Studiengänge an. Im Winter 2009 waren rund 23 000 Studierende eingeschrieben, mehr als die Hälfte davon Frauen. Für die Zukunft setzt die Hochschule auf Veränderung und eine neue Positionierung in der Hochschullandschaft. Ein Streben in Richtung Eliteuni? Zunächst einmal will die Universität eine richtige Campus-Uni werden. Pläne um das Projekt „Campus der Zukunft“ wurden bereits vorgelegt. Aber auch auf Forschungs- und Lehrebene soll einiges geschehen. „Veränderungen erfordern, dass Traditionelles überdacht wird und auch Bewährtes auf den Prüfstand kommt.“, so Rektor Professor Dr. Engler im letzten Jahresbericht der Bildungsstätte. So werden auf dem Weg zur Spitzenuni neue Kooperationen geschlossen und Netzwerke mit außeruniversitären Einrichtungen noch weiter gestärkt. Außerdem sollen eine Fakultätsreform und schnellere Entscheidungswege dabei helfen, die Uni moderner und innovativer zu machen. Immerhin sollen die besten Wissenschaftler an den Neckar kommen. Erfolge können die Tübinger doch jetzt schon verbuchen. Zwei Forschungsneubauten werden vom Bund finanziert. So werden neue Gebäude für das „Werner-Reichardt-Centrum für integrative Neurowissenschaften“ (CIN) und das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) errichtet. Das Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) erhält ebenfalls ein neues Gebäude. 

Neubauten für moderne Pflanzenforschung

Für das ZMBP verspricht der moderne Neubau „wichtige neue Entwicklungen in der Pflanzenforschung.“ Im Jahr 2011 soll der 36-Millionen-Bau bezugsbereit sein. Das 1999 ins Leben gerufene fächerübergreifende ZMBP hat sich in den letzten Jahren um Wissenschaft und Nachwuchs bereits einen Namen gemacht. Das neue Gebäude wird die 16 unabhängigen Forschergruppen dann unter einem Dach vereinen. Und die Bedingungen für die Forscher noch besser machen. Die Fachdisziplinen Genetik, Molekularbiologie, Biochemie, Zellbiologie, Physiologie und Entwicklungsbiologie der Pflanzen, aus denen das ZMBP besteht, pflegen enge Beziehungen zu anderen Einrichtungen. Beispielhaft ist dabei ein internationales Projekt, das Deutsche und Amerikaner zusammenbringt. Als Verbund forschen sie innerhalb des Projekts „Arabidopsis Functional Genomics Network“ (AFGN) an der Ackerschmalwand und ihren pflanzlichen Prozessen. 

Interdisziplinär: Graduiertenkollegs und Promotionsverbünde

Auch außerhalb des ZMBP tut sich einiges bei den Pflanzenforschern. In den Jahren 2007 und 2008 gab es neun Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Bis März 2010 bzw. September 2011 läuft u.a. noch das Thema „Infektionsbiologie: human- und pflanzenpathogene Bakterien und Pilze“ von  Prof. Dr. Friedrich Götz am  Mikrobiologischen Institut und „Zellbiologische Mechanismen immunassoziierter Prozesse“ unter  Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee des Interfakultären Instituts für Zellbiologie. Interdisziplinarität ist überhaupt ein wichtiges Thema, das die Hochschule in Zukunft begleiten wird. Promotionsverbünde, in denen mehrere Professoren verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten, sollen für regen Wissenschaftsaustausch sorgen und die Vernetzung vorantreiben. Auch unter den Doktoranden. Vom Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen läuft derzeit das Projekt „Pflanzliche Sensorhistidinkinasen: Struktur, intrazelluläre Dynamik und Funktion“.

Der Weg in die Top 100

Unter den 100 besten Forschungsunis weltweit will sich die Hochschule einmal positionieren. In der letzten Ausgabe der World University Rankings reichte es für Platz 149. Gegenüber dem Vorjahr eine Verschlechterung um 13 Plätze. Doch die Eberhard Karls Universität weiß, wie sie sich verbessern kann. Durch noch intensivere Forschung im grundlagenorientierten Wissen sowie an den anwendungsorientierten Ergebnissen. In Deutschland steht es zumindest jetzt schon gut um die Tübinger Einrichtung. Gerade die Biologen gelten als besonders forschungsstark. Im deutschen CHE-Forschungsranking gingen die Biologen aus Tübingen als Sieger hervor. Sie erreichten als Einzige sieben von sieben möglichen Spitzenplätzen und verwiesen u.a. München und Heidelberg auf die Plätze. In den Einzelwertungen erreichten sie im Bereich der Publikationen den ersten Platz. Zwei zweite Plätze gab es für die Anzahl der Promotionen und Erfindungen pro Jahr. Keine schlechte Ausgangslage für das globale Projekt Uni Tübingen. 

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