Im PLANT 2030-Projekt "erforscht CRISPR" zeigen Pflanzenforscher und -forscherinnen Ihren Arbeitsalltag rund um Genomeditierung in eigenständig und unabhängig produzierten Videos und Podcasts. Mehr unter: www.erforschtcrispr.de

YouTube im Dienste der Forschung

Interview mit den Vloggern von CRISPRGate

26.10.2018 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

"Menschen erforschen Pflanzen." So lautet das Motto des YouTube-Kanals "erforschtCRISPR". (Bildquelle: © erforschtCRISPR/ PLANT 2030)

Auf dem YouTube-Kanal „erforschtCRISPR“ nehmen Pflanzenforscherinnen und -forscher neuerdings die Kamera mit ins Labor. Im Rampenlicht des neuen Projekts von PLANT 2030 steht die Arbeit mit der „Genschere“ CRISPR/Cas. Mit dabei sind auch Forschende des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben.

Pflanzenforschung.de: Sie nehmen am Projekt „erforschtCRISPR“ teil. Worum geht es hier?

Iris Koeppel: Einfach gesagt wollen wir den Menschen unsere Forschung näher bringen und zeigen, was CRISPR/Cas9 eigentlich ist und wie diese Methode praktisch angewendet wird. Dafür drehen wir selbst Videos, die dann auf dem YouTube-Kanal „erforschtCRISPR“ hochgeladen werden.

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Das Team von CRISPR Gate (von links oben nach rechts unten): Robert Hoffie, Iris Koeppel, Julie-Sophie Himpe und Christian Hertig.

Bildquelle: © V.l.o.n.r.u.: Iris Köppel/Robert Hoffie/Dorothea Blankenhagen/Robert Hoffie

Pflanzenforschung.de: Was war Ihre Motivation, an diesem Projekt teilzunehmen?

Robert Hoffie: Die Debatte zu dem Thema läuft ja schon eine Weile und geht auch nach dem EuGH-Urteil im Sommer kräftig weiter. Das Gericht bewertete neue Züchtungsmethoden wie CRISPR/Cas ja als Gentechnik.  Mit dem Projekt hoffen wir, auch unsere Perspektive in die Diskussion einbringen zu können. Das Videoformat macht das noch „persönlicher“.

Pflanzenforschung.de: Was wollen Sie denn erreichen?

Iris Koeppel: Es ist uns wichtig auch zu zeigen, wer die Menschen hinter der Forschung sind. Was sie  motiviert, warum sie in solchen Projekten mitarbeiten, was sie damit erreichen wollen. Viele Menschen haben ein großes Interesse an der Gentechnik-Debatte, jedoch ist das vorhandene Wissen aus unserer Sicht nicht ausreichend und zum Teil auch schlicht falsch. Wir wollen mit fundierten Informationen die öffentliche Debatte ergänzen.

Julie-Sophie Himpe: Ich bin selbst keine Pflanzenforscherin, sondern Designerin und arbeite in der Öffentlichkeitsarbeit der Geschäftsstelle am IPK. Mich interessiert an diesem Projekt vor allem der Aspekt der Wissenschaftskommunikation auf Augenhöhe. „Auf Augenhöhe“ ist mir dabei sehr wichtig. Ohne es zu wollen, verlieren sich viele Wissenschaftler schon mal gerne in Details und verwenden kompliziertes Fachvokabular. Durch meine etwas größere Distanz zum praktischen Forschungsalltag sehe ich meine Aufgabe im Team als eine Art Qualitäts-Check: Verstehe ich, was wir in unseren Videos zeigen, verstehen es auch andere Menschen.

Pflanzenforschung.de: Was antworten Sie Leuten, die der Meinung sind, dass Videoblogging und Wissenschaft nicht zusammengehören?

Iris Koeppel: In den sozialen Netzwerken wie Twitter und YouTube wird heute viel über die großen Themen unserer Gesellschaft diskutiert. Jeder kann mitmachen und das ist gut so. Aber ich sehe auch, dass die Argumente dort oft einseitig sind. Und die Diskussionen teilweise stark verkürzt ist. Daher müssen sich hier auch die Wissenschaftler mehr einbringen. Schließlich haben wir ja auch etwas dazu zu sagen, wo wir uns doch tagtäglich mit dem Thema beschäftigen. Das Videoblogging ist aus unserer Sicht eine sehr gute Möglichkeit, Inhalte einem breiteren Publikum zu vermitteln.

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"erforscht CRISPR" ist eine Initiative des BMBF. In kurzen Videotagebüchern (Vlogs) berichten junge Pflanzenforscherinnen und -forscher von der Arbeit im Labor.

Bildquelle: © Robert Hoffie

Robert Hoffie: Die Debatte wird oft geprägt von Akteuren, die schneller, besser und emotionaler kommunizieren als wir Wissenschaftler. Davon haben wir uns in der Vergangenheit scheinbar zu sehr entmutigen lassen. Die Diskussion fand dann lange fast ohne uns statt.

Doch gerade die neuen Medien bieten nun sehr einfache Möglichkeiten, sich aktiv zu beteiligen. Klar, Videos sind schon etwas aufwendiger. Aber ein Twitter- oder YouTube-Account ist schnell angelegt, um sich dort in Diskussionen einzuschalten.

Mit einer klaren, freundlichen Sprache habe ich dort gute Erfahrungen gemacht. Und man sollte auch selbst offen für andere Argumente und Sichtweisen sein. Das hilft zumindest, andere besser zu verstehen, auch wenn man ihre Meinungen nicht unbedingt teilt.

Pflanzenforschung.de: Das Projekt ist gerade gestartet, gab es schon erste Aktivitäten und was sind die nächsten Schritte?

Iris Koeppel: Zunächst haben wir in einem einwöchigen Workshop gelernt, wie wir an die Sache herangehen. Was und wie wir etwas im Video darstellen wollen. Wie wir die Theorie dann auch in die Praxis umsetzen können. Zudem haben wir in der Zeit auch sehr viel über Kamera- und Schnitttechniken gelernt. Die ersten Videos haben wir schon gedreht und sie sind auch bereits auf unserem YouTube-Kanal „erforschtCRISPR“ zu finden.

Pflanzenforschung.de: Wie kann man sich die Arbeit im Projekt vorstellen, z. B. das Erstellen und Entwickeln von Filmen? Was sind die wesentlichen Schritte von der Planung bis zur Veröffentlichung eines Videos?

Iris Koeppel: Wir sind in unserem Team vier Leute und da wird natürlich, bevor es zum eigentlichen Dreh kommt, sehr viel besprochen. Da wir auch noch am Anfang unserer Videodrehkarriere sind, nimmt die ganze Vorbereitung noch recht viel Zeit in Anspruch.

Zunächst wird ein grobes Skript erstellt mit den Personen und Inhalten, die vorkommen. Drehorte und Kameraeinstellungen werden auch im Skript festgehalten. Der Dreh läuft dann eigentlich recht schnell und unkompliziert bei guter Vorbereitung. Der aufwendigste Schritt ist auf jeden Fall der Schnitt. Hier zeigt sich dann auch wie gut die einzelnen Aufnahmen wirklich geworden sind und ob sie sich sinnvoll zusammenschneiden lassen. Wenn am Ende alle zufrieden sind, wird das Video unter unserem Namen „CRISPRGate“ veröffentlicht.

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CRISPRGate öffnet Türen und gibt Einblicke in Labore. Was macht die Pflanzenforschung mit CRISPR und vor allem: Wer crispert da eigentlich und warum?

Bildquelle: CRISPR Gate

Pflanzenforschung.de: An welchen Projekten arbeiten Sie gerade, bei denen die CRISPR/Cas-Technologie eine Rolle spielt?

Christian Hertig: Bei mir geht es um die Veränderung der Ährenstruktur von Gerste und Weizen. Wir wollen durch die Anlagerung von mehr Körnern den Ertrag der Pflanzen steigern. Ich verwende CRISPR/Cas, um unterschiedliche Gene auszuschalten oder so gezielt zu verändern, dass die Ähre sich stärker verzweigt.

Iris Koeppel: Ich arbeite daran, mit Hilfe dieser Methode eine pilzresistente Weizensorte zu entwickeln.

Robert Hoffie: In meinem Projekt geht es darum, Gerste resistent gegen eine Viruserkrankung zu machen. Es wurden vorab Gene identifiziert, in denen kleine Sequenzveränderungen genau diesen Effekt haben. Und deshalb ist CRISPR die richtige Methode dafür. 

Pflanzenforschung.de: Welche persönlichen Konsequenzen sehen Sie eigentlich durch das EUGH-Urteil?

Christian Hertig: Es wird die reine Grundlagenforschung nicht so stark betreffen. Aber sobald es um angewandte Forschung im Bereich der Kulturpflanzen geht, befürchten wir, dass die Förderung deutlich eingeschränkt wird. Auch die Chancen auf Nachfolgeprojekte werden deutlich kleiner. Aus meiner Sicht muss dringend der rechtliche Rahmen überdacht werden, damit Europa nicht auf dem Abstellgleis mit dieser Technologie landet.

Robert Hoffie: Wir wollen ja praktische Lösungen für die Züchtung entwickeln. Und hier schränkt das Urteil die Möglichkeiten ein, unser neues Wissen auch praktisch einzusetzen. Das finde ich persönlich sehr schade und auch schon mal frustrierend.

Pflanzenforschung.de: Brauchen wir diese neuen Züchtungstechniken denn wirklich?

Robert Hoffie: Klimawandel, Pflanzenschutz, Nachhaltigkeit, man könnte die Reihe von Stichworten lange fortsetzen. Kurz: Die Herausforderungen für die Pflanzenzüchtung und die Landwirtschaft sind groß genug, dass wir alle Werkzeuge nutzen sollten, die uns zur Verfügung stehen. Genome Editing ersetzt nicht klassische Züchtung und erst recht nicht andere Maßnahmen in der Landwirtschaft, aber es kann sie sehr sinnvoll ergänzen.

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"Tobiology" ist ebenfalls Teil des Projekts. In diesem Video wird erklärt, wie Pappeln sich durch Forschung an den Klimawandel anpassen könnten.

Bildquelle: © Tobiology

Christian Hertig: Mit der klassischen Züchtung dauert es bis zur Zulassung einer Sorte viele Jahre. Mit der CRISPR/Cas-Technologie ist es möglich, binnen zwei Jahren Pflanzenlinien mit einer gezielten Veränderung und transgenfrei zu erzeugen, die dann in die Felderprobung und Sortenzulassung gehen könnten. Klassisch musst man erst tausende von Mutationen durch Strahlung oder Chemikalien erzeugen und dann über viele Generationen kreuzen, um zu diesem Schritt zu gelangen.

Pflanzenforschung.de: Was sagen Ihre Kollegen und Vorgesetzten eigentlich zu Ihrer neuen „nebenberuflichen“ Tätigkeit?

Iris Koeppel: Es wird gut aufgenommen und alle sind gespannt auf unsere Videos. Auch haben sich schon viele bereit erklärt, bei Videos mitzumachen.

Robert Hoffie: Unser Chef hat zum Beispiel nach einer Komparsenrolle gefragt.

Christian Hertig: Mittlerweile erreichen uns auch schon viele Anfragen aus anderen Gruppen am Institut. Es besteht bei vielen ein großes Interesse, die eigene Arbeit vorzustellen.

Julie-Sophie Himpe: Ich hoffe, dass sich das CRISPRGate-Format dann noch auf andere Themen ausweiten lässt. Schließlich haben wir hier am IPK noch sehr viel mehr Forschung und es gibt viele spannende Geschichten zu erzählen!

Pflanzenforschung.de: Vielen Dank für das Gespräch!

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