In zehn Jahren in die Spitzengruppe der deutschen Unis

05.11.2009 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Gewächshaus der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät. (Quelle: © Universität Rostock)
Gewächshaus der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät. (Quelle: © Universität Rostock)

Universität Rostock: In Norddeutschland gibt es nur wenige Hochschulen, die im internationalen Vergleich mithalten können. Die Universität Rostock gehört bisher nicht dazu. Auch im nationalen „Wettbewerb“ ist die Ostseeperle bislang nicht weiter auffällig gewesen. Das soll sich jetzt ändern.

Die Uni arbeitet konsequent an ihrer Reputation. Mithilfe der 2007 gegründeten Interdisziplinären Fakultät, eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Uni, soll ein Aushängeschild für die Lehrstätte geschaffen werden. Und bis 2019 der Weg in die Gruppe der Spitzenhochschulen Deutschlands geebnet werden.

Rostock/Berlin – „Tradition und Innovation“ ist der Leitspruch der Universität Rostock, die 1419 durch die Herzöge Johann IV und Albrecht V von Mecklenburg ins Leben gerufen wurde. Damit verknüpft die Universität heute ihren Status als eine der ältesten Lehrstätten in Deutschland mit einer Positionierung, die in Lehre und Forschung für Innovationen stehen will. 

Das Gründungvorhaben der Hochschule fußte auf einem ambitionierten Vorhaben: als Leuchtturm der Wissenschaft und des christlichen Glaubens wollte die Universitas Rostochiensis damals die Länder des Nordens erhellen. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung war die Universität Rostock die erste Hochschule im Ostseeraum und die zweitälteste in Nordeuropa (die schottische University of St. Andrews nimmt den Platz als Älteste ein).

Zunächst bestand sie aus den drei Fakultäten für Medizin, Jura und Philosophie. Relativ schnell kam eine Fakultät für Theologie dazu. Während des 15. Jahrhunderts studierten jährlich zwischen 400 und 500 Personen aus Deutschland, Skandinavien, Holland und den anliegenden Ostseestaaten in Rostock. Für damalige Verhältnisse eine hohe Zahl. 

Technologiestandort Mecklenburg-Vorpommern stärken

Heutzutage ist die Universität im Mittelbereich angesiedelt, was ihre Studentenzahl betrifft. Im Wintersemester 2008/2009 waren 14.470 Personen in den 70 Studiengängen der Hochschule eingeschrieben. Gegenwärtig besteht die Universität aus neun Fakultäten. Hinzu kommt die seit 2007 bestehende Interdisziplinäre Fakultät (INF), die durch derzeit drei Linien („Leben und Materie“, „Maritime Systeme“, „Erfolgreich Altern“) Studierende und Forschende fächerübergreifend verknüpfen und als Schnittstelle für alle Disziplinen stehen will. 

Die Fakultät fungiert als zentrale wissenschaftliche Einrichtung und soll das Profil der Hochschule entscheidend prägen. Sie gehört zur Strategie der Uni, einen Spitzenplatz in der deutschen Hochschullandschaft zu erlangen. Das Ziel der Interdisziplinären Fakultät ist klar definiert. Mithilfe ihrer Forschungsarbeit soll sich die Universität Rostock innerhalb von zehn Jahren unter den deutschen Spitzenhochschulen platzieren. Spätestens zum 600jährigen Bestehen der Uni im Jahr 2019 soll das Ziel erreicht werden. Zusätzlich soll der Technologiestandort Mecklenburg-Vorpommern durch die in der Fakultät erreichten Erkenntnisse in der Forschung etabliert werden. Dazu sieht die Universität Rostock intensive Kooperationen mit der ansässigen Wirtschaft vor. 

Liebeserklärung an das Meer: Masterstudiengang Aquakultur

Der Bereich „Leben und Materie“ eint die Ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fakultäten mit der Medizin. „Maritime Systeme“ sollen von Studenten der Agrar- und Umweltwissenschaften sowie der Natur- und Ingenieurwissenschaften behandelt werden. Die Linie „Erfolgreich Altern“ verbindet schließlich geisteswissenschaftliche Aspekte mit denen der Biologie und Medizin. Zum Erreichen des Vorhabens gehören noch mehr Novitäten, wie der neu eingerichtete viersemestrige Masterstudiengang Aquakultur, der unter dem Dach der INF starten wird.

Für das Land Mecklenburg-Vorpommern ist die Aquakultur ohnehin eine Herzensangelegenheit. "Unser Projekt ist eine Liebeserklärung an die Meere", stellte Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz vor dem Hintergrund des Innovationsforums AQUALLIANCE fest, das dieses Jahr stattfand. So ist der Startschuss für das Studium der Aquakultur nicht verwunderlich, sondern eher eine konsequente Portfolio-Erweiterung für die meernahe Hochschule. Im Winter 2009 geht es mit 20 Studienplätzen los. Voraussetzung für die Zulassung ist ein Bachelor in Biologie, Agrarwissenschaften oder Ingenieurwissenschaften. Der interdisziplinäre Studiengang kombiniert marine Fischaquakultur, Sea-ranching sowie Aquakultur aquatischer Algen. Grundlagen in Umwelt- und Seerecht stehen ebenso auf dem Curriculum wie das nötige Know-how zum Betrieb von Aquakulturanlagen. 

Förderungsgelder für die Fotorespiration

Im Bereich der naturwissenschaftlichen Studiengänge ist die Hochschule auch gegenwärtig schon erfolgreich. Die deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert für die nächsten zwei Jahre die Forschergruppe "Photorespiration: Origins and Metabolic Integration in Interacting Compartments (Promics)" mit zwei Millionen Euro. An diesem Projekt sind als Vertreter der Uni Rostock Arbeitsgruppen der Abteilung Pflanzenphysiologie und der Lehrstuhl für Systembiologie und Bioinformatik beteiligt. Zwei neue Ansätze wollen die Wissenschaftler innerhalb der Gruppe ausprobieren. Zum einen soll die Systembiologie helfen, Interaktionen verständlich zu machen, die innerhalb der Komponenten der Fotorespiration stattfinden. Ein Ansatz der integrierten, synthetischen Biologie will Pflanzenzüchtung in Bezug auf nachhaltige Energieproduktion untersuchen.  

Agrarwissenschaft mit langer Tradition

Bekannt ist die Universität Rostock auch für ihre Lehre und Forschung im Bereich Agrarwissenschaften. Bereits im 18. Jahrhundert wurden an der Hochschule landwirtschaftliche Fragestellungen bearbeitet. Im Jahr 1942 wurde schließlich die erste Landwirtschaftliche Fakultät gegründet. 40 Jahre später nahm der Bereich den Namen Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät an, um den komplexen Disziplinen und Herausforderungen besser gerecht werden zu können.

Derzeit studieren an der Fakultät ca. 900 Studenten. 66 Wissenschaftlerstellen sind auf die vier Institute für Nutztierwissenschaften und Technologie, für Landnutzung, für Management ländlicher Räume, und für Umweltingenieurwesen aufgeteilt. Für Pflanzenforscher sind besonders die Fachgebiete des Instituts für Landnutzung interessant: Acker- und Pflanzenbau, Angewandte Pflanzenernährung, Agrobiotechnologie, Bodenkunde, Phytomedizin und Ressourcenschutz und Bodenphysik.

Die Forscher der Fakultät arbeiten schwerpunktmäßig an umweltgerechter Nutzung und nachhaltiger Entwicklung ländlicher Räume. Ebenso wichtig ist im Bereich Agrobiotechnologie die biologische Sicherheit. Am Institut für Biowissenschaften der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät warten außerdem die drei Lehr- und Forschungsschwerpunkte Aquatische Ökologie, Funktionelle Pflanzenbiologie und Zelluläre Biosystemtechnik auf Pflanzeninteressierte. Darüber hinaus forscht die Uni Rostock im Rahmen von Wissenschaftszentren und Kompetenzzentren in diesem Gebiet. Im International Research Center of Functional Life Science kooperiert die Hochschule mit der Universität Greifswald. Die beiden Universitäten verknüpfen hier Technologien der Zell- und Molekularbiologie mit den neuesten Erkenntnissen des Life Science Engineering und der Bioinformatik. 

Agrobiotechnologie: mit Forschung zur Grünen Gentechnik an die deutsche Spitze

Weitergeführt und angewendet werden agrobiotechnologische Projekte zum Beispiel auch in dem 2004 gegründeten AgroBioTechnikum, einem Zentrum für nachhaltige Landwirtschaft in Groß Lüsewitz bei Rostock. In Zusammenarbeit mit der Universität Rostock, Forschungsinstituten und kleinen bis mittelständischen Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern leistet das AgroBioTechnikum Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Bereich Pflanzenzüchtung. Inzwischen nimmt es mit seinen Freilandflächen und Versuchen in Deutschland eine Top-Position für den Bereich Agrobiotechnologie ein.

Prof. Dr. Inge Broer von der Fakultät Agrobiotechnologie der Uni Rostock führt dort z.B. Versuche an genveränderten Pflanzen durch die Impfstoffe oder Biopolymere erzeugen, parallel werden Methoden analysiert um ungewollte Auskreuzungen zu vermindern. Durch den vom BMBF geförderte innovativen regionalen Wachstumskern BioOK, dessen wissenschaftliche Leitung die Hochschule innehat, erwarb die Region eine führenden Position bei der Durchführung von Zulassungs- und Überwachungsverfahren der Sicherheit von gentechnisch veränderten Pflanzen. Bis 2014 will BioOK der Marktführer als Dienstleister auf diesem Gebiet werden. Für Rostock und das Land Mecklenburg-Vorpommern ein weiterer Schritt in Sachen Agrobiotechnologie-Forschung ganz an der Spitze mitzuspielen.

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