Grüne Lernorte: Botanischer Garten Düsseldorf
Die „Feuerpflanzen“ im Wissenschaftsgarten
Das markante Kuppelgewächshaus des Botanischen Gartens Düsseldorf beherbergt Pflanzen aus aller Welt – darunter auch feuerangepasste Arten wie Banksien aus Australien. (Bildquelle: © CherryX / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)
Der Botanische Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) ist nicht nur ein Ort zum Staunen, sondern auch ein Ort des Lernens. Als „grüner Lernort“ verbindet er Forschung, Bildung und Naturerlebnis – vom Schulunterricht im Grünen über die Kinder-Uni und Ferienaktionen bis hin zu thematischen Führungen, Workshops und Sonderausstellungen. Hier können Besucherinnen und Besucher Pflanzen in ihren ökologischen Zusammenhängen entdecken und erfahren, wie eng Biodiversität, Anpassung und Klimawandel miteinander verknüpft sind.
Ein besonders spannendes Beispiel für pflanzliche Überlebenskunst ist die Sammlung der sogenannten Pyrophyten – Pflanzen, die sich an Feuer angepasst haben oder es sogar für ihre Fortpflanzung benötigen. Diese außergewöhnlichen Arten lassen sich derzeit im herbstlich leuchtenden Garten bestaunen.
Banksien wie hier Banksia oreophila wachsen im Kuppelgewächshaus, sie gehören zu den Pyrophyten: (v.l.): Blüten- und Fruchtstände; Fruchtstand mit sichtbaren Samenkapseln; erst durch Feuer – hier mit einem Gasbrenner – öffnen sich die Früchte; die Samen können dann aus den geöffneten Kapseln herausfallen und landen in fruchtbarer Erde.
Bildquelle: © HHU / Arne Claussen; HHU / Lara Müller
Wenn Feuer Leben schenkt
Im Kuppelgewächshaus begegnet man australischen Banksien (Banksia oreophila, Banksia ornata), deren Samen erst durch Hitze freigesetzt werden. Ihre Früchte öffnen sich nur nach einem Brand – ein ausgeklügelter Schutzmechanismus, der sicherstellt, dass die Samen in nährstoffreichen, unbeschatteten Boden fallen. „Wir haben dies mit einem Gasbrenner simuliert. Erst nach einiger Zeit öffnen sich die Früchte, so dass die Samen zunächst vor dem vorüberziehenden Feuer geschützt sind“, erklärt Dr. Sabine Etges, wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens.
So wird das Feuer vom Feind zum Verbündeten: Es räumt Platz, zerstört Konkurrenz und schafft ein ideales Keimbett – und genau darauf warten die Samen.
Eine Kanarische Kiefer kurz nach einem Waldbrand – Neue Triebe verweisen auf ihre Anpassung an die vulkanische Brandgefahr.
Bildquelle: © Markoz / Wikipedia, gemeinfrei
Dicke Borke als Schutzschild
Auch auf dem Campus der HHU sind Pyrophyten zu finden. Zwischen der Universitäts- und Landesbibliothek und dem 25er-Gebäudekomplex wachsen mehrere Mammutbäume, darunter der Bergmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) und der asiatische Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides). Ihre dicke, faserige Borke wirkt wie ein Hitzeschild und schützt die empfindlichen Leitungsbahnen vor Grundfeuern. Ältere Exemplare tragen keine Äste im unteren Bereich – so bleiben die Kronen von den Flammen verschont.
Ähnlich clever ist die Strategie der Kanaren-Kiefer (Pinus canariensis): Ihre Borke isoliert den Stamm, und aus schlafenden Knospen kann sie nach einem Feuer erneut austreiben. „Kritisch wird es für diese Bäume, wenn die Feuer die Krone erreichen und die Äste, Zweige und Nadeln angreifen“, sagt Etges.
Überleben durch Regeneration
Der Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) auf den Konifereninseln. Besonders beeindruckend ist der Blick in die Krone des vier Stämme umfassenden Exemplars.
Bildquelle: © HHU / Arne Claussen
Andere Pyrophyten setzen nicht auf Schutz, sondern auf Wiedergeburt. Die Korkeiche (Quercus suber) etwa treibt selbst aus verkohlten Stammteilen wieder aus. Beim Eukalyptus sichern unterirdische Lignotuber das Überleben: Sie enthalten Nährstoffe und Knospen, aus denen die Pflanze nach einem Brand neu austreibt. Und der australische Grasbaum (Xanthorrhoea) trägt eine „Strohtunika“ aus abgestorbenen Blättern – ein Hitzeschutz, der die lebenden Gewebe im Inneren bewahrt.
Bildung, Forschung und Naturerlebnis
Der rund acht Hektar große Botanische Garten wurde 1979 eröffnet und ist heute ein bedeutender Lern- und Forschungsort in Düsseldorf. Neben seinem wertvollen Pflanzenbestand bietet er ein umfangreiches Vermittlungsprogramm: Die Grüne Schule vermittelt Wissen für Schulklassen und Kindergruppen, die Kinder-Uni führt junge Forschende in die Welt der Pflanzen ein, und regelmäßige Führungen und Ausstellungen laden die Öffentlichkeit ein, aktuelle Themen der Botanik zu entdecken – von Klimaanpassung bis Biodiversität.
Jährlich besuchen rund 100 000 Menschen den Garten. Wer möchte, kann mithilfe eines kostenlosen Audioguides auf Deutsch oder Englisch mehr über die Pflanzen erfahren oder sich im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts selbst an der Dokumentation der Artenvielfalt beteiligen. So wird der Botanische Garten zu einem Ort, an dem Wissenschaft, Bildung und Engagement ineinandergreifen.
Weitere Informationen: www.botanischergarten.hhu.de
Quelle: Pressemitteilung „Pyrophyten – Pflanzen, die Feuer benötigen“, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Botanischer Garten, Oktober 2025
Zum Weiterlesen auf Pflanzenforschung.de:
- Das Grüne Labor Gatersleben: So geht Pflanzenforschung
- Der Botanische Garten Ulm: „Bioblitz“, Rallyes und Aktionen für die Mittagspause
- experimenta in Heilbronn: Faszinierende Reise in die Welt der Pflanzen
Titelbild: Das markante Kuppelgewächshaus des Botanischen Gartens Düsseldorf beherbergt Pflanzen aus aller Welt – darunter auch feuerangepasste Arten wie Banksien aus Australien. (Bildquelle: © CherryX / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)