Nachhaltiger Pflanzenschutz weltweit – lohnt sich das?

Studie: Umstellung bringt langfristige Vorteile für Mensch und Umwelt

05.12.2025 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Bestäuber wie diese Biene profitieren von weniger Pestiziden und mehr Biodiversität auf dem Acker – genau in solchen Umwelt- und Gesundheitseffekten sehen laut der internationalen Studie die meisten Fachleute die stärksten Vorteile einer globalen Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz. (Bildquelle: © unbekannt270 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Bestäuber wie diese Biene profitieren von weniger Pestiziden und mehr Biodiversität auf dem Acker – genau in solchen Umwelt- und Gesundheitseffekten sehen laut der internationalen Studie die meisten Fachleute die stärksten Vorteile einer globalen Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz. (Bildquelle: © unbekannt270 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Was passiert, wenn die Landwirtschaft rund um den Globus weniger chemische Spritzmittel einsetzt und stattdessen auf nachhaltigere Methoden setzt? Eine internationale Studie unter Leitung der Universität Bonn und der ETH Zürich liefert erstmals ein globales Meinungsbild – und sieht überwiegend positive Effekte. Doch die Umstellung hat ihren Preis.

Ohne Pflanzenschutzmittel wäre die weltweite Ernährungssicherheit massiv gefährdet: Über ein Drittel aller Ernten würde jedes Jahr durch Schädlinge und Krankheiten verloren gehen. Chemische Mittel sichern also Erträge – können aber gleichzeitig Mensch und Umwelt schädigen und die Artenvielfalt verringern. Deshalb suchen Forschende nach Lösungen, die beides ermöglichen: Ernten schützen und Ökosysteme erhalten. Beispiele sind der Anbau resistenter Sorten, vielfältigere Fruchtfolgen, der gezielte Einsatz natürlicher Nützlinge oder Präzisionsmethoden, die den Wirkstoffeinsatz reduzieren.

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Die Erwartungen der 517 Befragten in den Bereichen Umwelt (grün), Ernährungssicherheit (blaugrün), Gesundheit (blau), Gleichheit (gelb) und Ökonomie (lila) fallen etwa in Europa geringer aus (Balken nach innen) und in Südamerika höher (Balken nach außen).

Die Erwartungen der 517 Befragten in den Bereichen Umwelt (grün), Ernährungssicherheit (blaugrün), Gesundheit (blau), Gleichheit (gelb) und Ökonomie (lila) fallen etwa in Europa geringer aus (Balken nach innen) und in Südamerika höher (Balken nach außen).

Bildquelle: © AG Möhring / Uni Bonn

Doch nicht alle nachhaltigen Ansätze sind ausreichend erforscht, und Ergebnisse lassen sich selten einfach von einer Region auf die andere übertragen. In Kenia gelten andere Bedingungen als in Dänemark, in den Philippinen andere als in Deutschland. Deshalb ist vielerorts unklar, ob eine Umstellung funktioniert, wie sie sich auf Erträge auswirkt – und ob sie wirtschaftlich tragfähig ist.

Weltweites Meinungsbild: 517 Fachleute befragt

Um diese Wissenslücke zu verkleinern, hat ein Forschungsteam 517 Expertinnen und Experten aus allen Kontinenten befragt – aus Ökologie, Agronomie, Gesundheitswissenschaften, Ökonomie und weiteren Bereichen. Sie bewerteten mögliche Folgen einer globalen Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz in fünf Dimensionen: Umwelt, Gesundheit, Ernährungssicherheit, ökonomische Situation der landwirtschaftlichen Betriebe sowie soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen und Sicherheit. Das Ziel der transdisziplinären Analyse: ein ausgewogenes Bild darüber, welche Chancen und Risiken vor Ort gesehen werden.

Umwelt und Gesundheit sind die klaren Gewinner

Die Einschätzungen zeigen ein deutlich positives Gesamtbild. Nahezu einhellig rechneten die Befragten mit starken Vorteilen für die Umwelt: weniger Pestizideinträge in Gewässer, mehr Biodiversität in Agrarlandschaften und langfristig gesündere Böden. Ebenso wird ein positiver Effekt für die menschliche Gesundheit erwartet, da Landwirte und Anwohner weniger mit gefährlichen Substanzen in Kontakt kommen würden.

Diese Einschätzungen waren bemerkenswert unabhängig von Weltregion und beruflicher Expertise – ein starkes Signal für die ökologische und gesundheitliche Bedeutung nachhaltigerer Verfahren.

Ökonomische Folgen: weltweit unterschiedlich

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Beim Ausbringen von Pestiziden sind Feldarbeiter oft stark exponiert – besonders in Ländern des Globalen Südens. Die befragten Expertinnen und Experten erwarten deshalb bei nachhaltigem Pflanzenschutz auch deutliche Vorteile für Gesundheit und Arbeitssicherheit.

Beim Ausbringen von Pestiziden sind Feldarbeiter oft stark exponiert – besonders in Ländern des Globalen Südens. Die befragten Expertinnen und Experten erwarten deshalb bei nachhaltigem Pflanzenschutz auch deutliche Vorteile für Gesundheit und Arbeitssicherheit.

Bildquelle: © PJeganathan, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Anders sah das Meinungsbild beim Einkommen der Landwirte aus – hier gab es starke regionale Unterschiede. In Nordamerika, Europa und Australien rechnen Fachleute kurzfristig etwa gleichermaßen mit positiven wie mit negativen Effekten. In Asien, Afrika und Südamerika hingegen dominiert die Erwartung, dass nachhaltiger Pflanzenschutz ökonomische Chancen eröffnet: etwa durch höhere Wertschöpfung, bessere Marktpositionen oder verbesserten Zugang zu sicheren Lebensmitteln.

Gerade für Regionen des Globalen Südens wird eine Umstellung daher als Hebel gesehen, um Ernährungssicherheit langfristig zu stärken.

Transformation braucht Unterstützung

Trotz vieler positiver Erwartungen betonen die Forschenden: Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Neue Methoden erfordern Investitionen, Beratung, Forschung und politische Unterstützung. Kurzfristig können Kosten steigen oder Erträge schwanken – ähnlich wie beim Klimaschutz.

Doch langfristig kann sich die Umstellung wirtschaftlich auszahlen: stabilere Agrarökosysteme, weniger Schäden durch Resistenzen, gesündere Lebensräume und ein geringerer Bedarf an teuren chemischen Mitteln.

Damit der Wandel gelingt, müssen Politik und Forschung Landwirte bei der Umstellung gezielt begleiten – etwa mit wirksamen Förderinstrumenten und regional angepassten Strategien.

Fazit: Große Chancen – aber kein Selbstläufer

Die Studie zeigt erstmals im globalen Maßstab: Nachhaltiger Pflanzenschutz kann weltweit zu einem Gewinn für Natur, Menschen und Wirtschaft werden. Allerdings handelt es sich um ein Meinungsbild der Fachwelt. Welche Prognosen eintreffen, muss durch mehr lokale Feldstudien in unterschiedlichen Agrarsystemen überprüft werden.

Die Botschaft ist dennoch klar: Eine nachhaltigere Landwirtschaft ist möglich – wenn wir sie auf wissenschaftlicher Basis vorantreiben und Landwirtinnen und Landwirten den Rücken stärken.


Quelle:
Möhring N. et al. (2025): Expected Effects of a Global Transformation of Agricultural Pest Management. In: Nature Communications (8. Dezember 2025). doi: 10.1038/s41467-025-66982-4

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Titelbild: Bestäuber wie diese Biene profitieren von weniger Pestiziden und mehr Biodiversität auf dem Acker – genau in solchen Umwelt- und Gesundheitseffekten sehen laut der internationalen Studie die meisten Fachleute die stärksten Vorteile einer globalen Umstellung auf nachhaltigen Pflanzenschutz. (Bildquelle: © unbekannt270 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)