Schon gewusst? Amazonas am Kipppunkt

Bis zum Ende des Jahrhunderts: - 38 Prozent Waldfläche

22.12.2025 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Amazonas-Regenwald am Juruá: Der mächtige Fluss durchzieht eines der artenreichsten Waldgebiete der Erde – doch Landnutzungsänderungen und Klimawandel könnten große Teile dieses Ökosystems an einen gefährlichen Kipppunkt bringen. (Bildquelle: © Alexander Gerst / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Amazonas-Regenwald am Juruá: Der mächtige Fluss durchzieht eines der artenreichsten Waldgebiete der Erde – doch Landnutzungsänderungen und Klimawandel könnten große Teile dieses Ökosystems an einen gefährlichen Kipppunkt bringen. (Bildquelle: © Alexander Gerst / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)

Der Amazonas-Regenwald reguliert Klima und Wasserhaushalt weit über Südamerika hinaus. Eine neue Studie zeigt nun, wie stark Landnutzung und Klimawandel gemeinsam an diesem Ökosystem rütteln – und dass ein gefährlicher Kipppunkt näher rücken könnte als gedacht.

Der Amazonas ist der größte Regenwald der Erde und eine der wichtigsten Klimaschaltstellen des Planeten. Durch seine enorme Verdunstungsleistung zieht der Wald Feuchtigkeit vom Atlantik ins Landesinnere. Der Regen speist wiederum den Wald selbst – ein fein abgestimmter Kreislauf, der das Ökosystem stabil hält. Gleichzeitig speichert der Amazonas riesige Mengen Kohlenstoff in Biomasse und Böden und ist Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten.

Wenn zwei Stressfaktoren zusammenkommen

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Feuer im Amazonasgebiet: Satellitenaufnahmen machen sichtbar, wie Brände – oft im Zusammenhang mit Entwaldung und Landnutzungsänderungen – den Regenwald zusätzlich unter Druck setzen und seine Rolle als Klimaregulator gefährden.

Feuer im Amazonasgebiet: Satellitenaufnahmen machen sichtbar, wie Brände – oft im Zusammenhang mit Entwaldung und Landnutzungsänderungen – den Regenwald zusätzlich unter Druck setzen und seine Rolle als Klimaregulator gefährden.

Bildquelle: © NASA Earth Observatory, Joshua Stevens / Wikimedia Commons, gemeinfrei

Doch genau dieser Kreislauf macht den Regenwald verwundbar. Werden große Waldflächen für Ackerbau und Viehzucht gerodet oder nehmen Dürren und Hitzewellen durch die globale Erwärmung zu, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Bislang war jedoch unklar, wie Landnutzungsänderungen und Klimawandel gemeinsam wirken – und wie sich die Waldfläche langfristig entwickeln könnte.

Ein Forschungsteam um die LMU-Geographin Selma Bultan hat diese Faktoren nun erstmals systematisch zusammen analysiert. Mithilfe von Erdsystemmodellen mit dynamischer Vegetation rekonstruierten die Forschenden den Waldrückgang seit 1950 und berechneten mögliche Zukunftsszenarien.

Bis zu 38 Prozent weniger Wald

Das Ergebnis ist alarmierend. „Unsere Analyse zeigt, dass Ende des Jahrhunderts bis zu 38 Prozent der 1950 vorhandenen Waldfläche verloren gehen könnten. Dabei sind 25 Prozent dieses Verlustes auf Landnutzungsänderungen und 13 Prozent auf steigende Temperaturen zurückzuführen.“ erklärt Selma Bultan. Damit rückt ein kritischer Schwellenwert in Reichweite: Frühere Studien warnen, dass bereits ein Verlust von 20 bis 25 Prozent einen Kipppunkt markieren könnte, an dem sich der Regenwald großflächig in eine savannenähnliche Landschaft verwandelt.

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Abholzung für Landwirtschaft und Viehzucht zerstört großflächig den Regenwald und schwächt den regionalen Wasserhaushalt.

Abholzung für Landwirtschaft und Viehzucht zerstört großflächig den Regenwald und schwächt den regionalen Wasserhaushalt.

Bildquelle: © Ibama / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Besonders kritisch wird es bei stärkerer Erwärmung. Die Analysen zeigen, dass das Risiko eines abrupten statt allmählichen Waldverlusts deutlich steigt, sobald die globale Temperatur um mehr als 2,3 Grad Celsius zunimmt.

Warum Klimaschutz entscheidend bleibt

„Mit den derzeitigen Politikmaßnahmen und gesicherten Klimaschutzversprechungen steuern wir auf eine Erderwärmung von mindestens 2,5 °C zu”, erklärt Koautorin Julia Pongratz, Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der LMU. “Positive Entwicklungen wie der auf der Klimakonferenz im Belém beschlossene verstärkte Regenwaldschutz müssen ausgebaut werden, während wir das Tempo beim Kampf gegen die Erderwärmung beschleunigen. Der Wert des Amazonaswaldes ist viel zu hoch, als dass wir seine Existenz aufs Spiel setzen könnten.”

Der Amazonas zeigt damit eindrücklich: Landnutzung und Klimawandel lassen sich nicht getrennt betrachten. Nur wenn beides gemeinsam angegangen wird, lässt sich verhindern, dass eines der wichtigsten Ökosysteme der Erde einen unumkehrbaren Kipppunkt überschreitet.


Quelle:
climate change and land-use change. In: Proceedings of the National Academy of Sciences (8. Dezember 2025). doi: 10.1073/pnas.2418813122

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Titelbild: Amazonas-Regenwald am Juruá: Der mächtige Fluss durchzieht eines der artenreichsten Waldgebiete der Erde – doch Landnutzungsänderungen und Klimawandel könnten große Teile dieses Ökosystems an einen gefährlichen Kipppunkt bringen. (Bildquelle: © Alexander Gerst / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)