Schon gewusst? KI macht Quinoa stark
So entstehen robuste Sorten fürs Hochland
Quinoapflanzen auf 3.800 Metern Höhe in der Region Apurímac: Der Klimawandel macht den Anbau in den Hochlagen der Anden zunehmend unberechenbar. (Bildquelle: © Maurice Chédel / Wikipedia, gemeinfrei)
Drei neue Quinoa-Sorten sollen das Überleben tausender Bauernfamilien im peruanischen Hochland sichern. Ein internationales Team aus Forschung und Pflanzenzucht setzt dabei auf Deep Learning, lokale Sorten und enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung.
Das peruanische Hochland ist ein rauer Ort: frostige Nächte, intensive Sonneneinstrahlung – und in den letzten Jahren immer weniger Verlass auf Regen. Wo früher klare Jahreszeiten die Aussaat bestimmten, kämpfen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern heute mit Wetterkapriolen. Besonders betroffen: Quinoa, das eiweißreiche „Inka-Korn“, das seit Jahrtausenden auf den Feldern rund um den Titicacasee wächst. Doch was tun, wenn die Pflanzen nicht mehr reifen, weil die Regenzeit zu spät kommt – oder zu früh endet?
Quinoa-Felder am Titicacasee: Die kleinbäuerlichen Gemeinschaften der Region sind besonders vom Klimawandel betroffen – neue Sorten sollen hier helfen, ihre Ernten zu sichern.
Bildquelle: © Karl Schmid / Universität Hohenheim
Internationale Kooperation erfolgreich
Ein deutsch-peruanisches Forschungsprojekt hat jetzt drei neue Quinoa-Sorten vorgestellt, die genau für diese Bedingungen gemacht sind: Sie wachsen schneller, bringen stabile Erträge und kommen besser mit Trockenheit und Frost klar. Ihr Name: Anmusa Kancharani, Anmusa Taquile und Anmusa Athoja – benannt nach traditionellen Begriffen und Orten der Region.
Hinter dem Erfolg steht ein internationales Team: die Universidad Nacional del Altiplano (UNAP) in Puno, die Universität Hohenheim in Stuttgart und das Züchtungsunternehmen KWS. Über zehn Jahre lang wurden lokale Quinoa-Landsorten miteinander gekreuzt, die Nachkommen getestet – und das mit moderner Technik unterstützt.
Pflanzen züchten mit dem Blick der Maschine
Schulung über Quinoa-Anbau in Peru.
Bildquelle: © Crops for the Future, eigenes Werk / Wikipedia, CC BY-SA 3.0
Besonders clever: Statt nur per Hand die Eigenschaften der Pflanzen zu messen, kam künstliche Intelligenz zum Einsatz. Hunderttausende Fotos von Quinoa-Pflanzen wurden mit Deep-Learning-Algorithmen ausgewertet. Die Form und Dichte der Blütenstände – wichtige Hinweise auf den späteren Ertrag – ließen sich so präzise vorhersagen. Die KI entdeckte Zusammenhänge, die dem menschlichen Auge entgehen. Ein Beispiel dafür, wie Hightech auch in entlegenen Regionen helfen kann – wenn sie sinnvoll eingesetzt wird.
Forschung, die ankommt
Doch die neuen Sorten allein reichen nicht. Das Saatgut wird Kleinbauern kostenlos zur Verfügung gestellt. Zudem unterstützt die UNAP dabei, lokale Saatgutunternehmen aufzubauen. So bleibt nicht nur das Wissen vor Ort, sondern es entstehen auch neue Einkommensquellen.
Und das Projekt hat noch einen weiteren Effekt: Es bildet junge peruanische Wissenschaftler aus. Studierende der UNAP lernten im Projekt modernste Züchtungsmethoden kennen – ein Doktorand promoviert demnächst an der Universität Hohenheim.
Das Quinoa-Projekt zeigt: Mit internationaler Zusammenarbeit, Respekt für lokale Strukturen – und etwas künstlicher Intelligenz – lassen sich ganz reale Probleme lösen.
Quelle:
Quinoa trifft KI: Neue klimaresiliente Sorten für das peruanische Hochland (Pressemitteilung, Universität Hohenheim, 27. Juni 2025).
Zum Weiterlesen auf Pflanzenforschung.de:
- Superfood Quinoa: Das Geheimnis der Bläschen - Bollwerk gegen Krankheiten und Schadinsekten
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- Schon gewusst? Orphan Crops - Diese „Waisenpflanzen“ haben enormes Potenzial
Titelbild: Quinoapflanzen auf 3.800 Metern Höhe in der Region Apurímac: Der Klimawandel macht den Anbau in den Hochlagen der Anden zunehmend unberechenbar. (Bildquelle: © Maurice Chédel / Wikipedia, gemeinfrei)