BEF-China-Versuch
Der BEF-China-Versuch (Biodiversity–Ecosystem Functioning Experiment China) ist eines der weltweit größten und umfassendsten Experimente zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und Ökosystemfunktionen in Wäldern. Das Langzeitprojekt wurde 2008 initiiert und ist das Ergebnis einer internationalen Kooperation zwischen Forschungsinstituten aus China, Deutschland und der Schweiz. Es wird in der subtropischen Region der Provinz Jiangxi in Südostchina durchgeführt, einem Gebiet mit hoher natürlicher Artenvielfalt und bedeutenden ökologischen Funktionen.
Ziel des Projekts ist es, systematisch zu untersuchen, wie die Anzahl und Kombination von Baum- und Straucharten die Leistungen eines Waldökosystems beeinflussen – insbesondere in Bezug auf Biomasseproduktion, Kohlenstoff- und Stickstoffkreisläufe, Bodenbildung, Erosionsschutz und Resilienz gegenüber Umwelteinflüssen. Das Experiment ist in zwei benachbarte Standorte unterteilt (Site A und Site B), auf denen insgesamt mehrere Hundert Versuchsparzellen angelegt wurden.
Auf diesen Parzellen wurden zwischen null und 24 verschiedene Baumarten sowie zusätzlich bis zu acht Straucharten gepflanzt. Jeder Parzelle misst etwa 667 Quadratmeter und enthält rund 400 Bäume, die im regelmäßigen Raster gepflanzt wurden, wobei die Arten innerhalb der Parzelle zufällig verteilt sind. Die Auswahl der Arten orientierte sich an der regionalen Flora, wobei sowohl häufige als auch seltene, schnell und langsam wachsende Arten berücksichtigt wurden.
Das Besondere am BEF-China-Versuch ist die Kombination experimenteller Vielfalt mit systematischer, langfristiger Datenerhebung. In jährlichen Messkampagnen werden zahlreiche Parameter erfasst, darunter Baumwachstum (Höhe, Stammdurchmesser), Blatt- und Streuproduktion, Zersetzungsraten, Bodenchemie, Wasserhaushalt und biologische Aktivität im Boden. Zusätzlich werden auch Wechselwirkungen mit anderen trophischen Ebenen wie Mykorrhizapilzen, Insekten oder Bodenorganismen untersucht.
Der Versuch hat bereits zahlreiche wichtige Erkenntnisse geliefert. So wurde unter anderem gezeigt, dass artenreichere Waldbestände eine deutlich höhere Produktivität aufweisen, stabiler gegenüber Umweltschwankungen sind und die Effizienz der Ressourcennutzung – etwa von Licht, Wasser und Nährstoffen – steigern. Darüber hinaus beeinflussen die räumliche Anordnung und die funktionellen Eigenschaften der Arten maßgeblich die Prozesse im Ökosystem.
BEF-China gilt heute als Vorzeigemodell für experimentelle Biodiversitätsforschung im Waldkontext. Die Ergebnisse fließen nicht nur in die Grundlagenforschung ein, sondern dienen auch als wissenschaftliche Basis für Empfehlungen zur nachhaltigen Forstwirtschaft und Wiederaufforstung – sowohl in China als auch weltweit.