Crop Wild Relatives (CWR)
Crop Wild Relatives (CWR) sind wildlebende Pflanzenarten, die genetisch eng mit domestizierten Kulturpflanzen verwandt sind. Sie gehören in der Regel derselben Gattung oder Art wie die jeweilige Kulturpflanze an und sind mit dieser kreuzbar. Der Begriff umfasst sowohl direkte Vorfahren als auch Seitenlinien der Züchtungsgeschichte.
CWR gelten als wertvolle genetische Ressourcen für die Pflanzenzüchtung, da sie oft Merkmale tragen, die in Kulturpflanzen verloren gegangen oder bisher ungenutzt sind. Dazu zählen etwa Resistenzen gegenüber Krankheiten und Schädlingen, Toleranzen gegenüber abiotischem Stress (z. B. Trockenheit, Hitze, Salinität), sowie Eigenschaften zur Verbesserung der Nährstoffeffizienz, Wurzelarchitektur oder Symbiosefähigkeit mit Mikroorganismen.
Technisch wird die Verwandtschaft meist nach dem Genepool-Konzept (Harlan & de Wet) oder anhand taxonomischer Kriterien (Maxted et al.) eingeteilt:
- Primärer Genpool (GP1): Umfasst die Kulturpflanze selbst und interfertile Wildformen (z. B. Wildweizen mit Kulturweizen).
- Sekundärer Genpool (GP2): Beinhaltet Arten, die zwar kreuzbar sind, aber ggf. Kreuzungsbarrieren aufweisen.
- Tertiärer Genpool (GP3): Umfasst entfernt verwandte Arten, bei denen Kreuzungen nur mit biotechnologischen Methoden (z. B. Embryorescue) möglich sind.
CWR werden zunehmend auch hinsichtlich ihrer assoziierten Mikrobiome untersucht, da sie oft mit spezifischen Bodenorganismen ko-evolviert sind, die zur Resilienz und Nährstoffversorgung beitragen. Ihr Potenzial geht daher über genetische Merkmale hinaus und umfasst auch pflanzenökologische und mikrobiologische Aspekte.
Die Erhaltung von CWR erfolgt in situ (am Naturstandort, z. B. in Schutzgebieten) sowie ex situ (in Genbanken, Botanischen Gärten oder durch Kryokonservierung). Internationale Programme wie das Global Crop Diversity Trust, FAO-Strategien zur pflanzengenetischen Ressourcensicherung und Projekte wie IsWEL in Deutschland zielen darauf ab, diese genetische Vielfalt systematisch zu erfassen, zu schützen und für Forschung und Züchtung verfügbar zu machen.