Klinostat
Klinostaten sind rotierende Vorrichtungen, die in der Pflanzenforschung eingesetzt werden, um den Einfluss der Schwerkraft auf das Wachstum von Pflanzen künstlich zu minimieren oder auszuschalten. Sie dienen dazu, gravitropische Reaktionen zu unterbinden, um andere Umweltreize – wie etwa Licht, Feuchtigkeit oder chemische Gradienten – isoliert untersuchen zu können.
Das Prinzip des Klinostaten basiert auf einer kontinuierlichen Rotation von Pflanzenproben (z. B. in Petrischalen) um eine oder mehrere Achsen. Durch die ständige Veränderung der Ausrichtung zur Schwerkraft kann die Pflanze keinen stabilen Gravitationsvektor wahrnehmen. Die Wahrnehmung der Schwerkraft in Pflanzenzellen erfolgt durch sogenannte Statolithen (z. B. Amyloplasten), die sich bei fester Orientierung in Richtung der Erdanziehung absetzen. Diese Orientierung wird durch die Rotation des Klinostaten verhindert – die Statolithen „wissen“ gewissermaßen nicht mehr, wo unten ist. Dadurch wird die gravitropische Reaktion ausgeschaltet oder stark abgeschwächt.
Klinostate werden häufig in Kombination mit anderen Experimentalanordnungen genutzt, etwa mit Gradienten von Wasser, Zucker oder Hormonen, um andere Tropismen wie den Hydrotropismus zu untersuchen. So lässt sich feststellen, wie stark Wurzeln auf Feuchtigkeit reagieren, wenn der Gravitationsreiz wegfällt.
Ursprünglich wurden Klinostate für botanische Studien auf der Erde entwickelt, inzwischen dienen sie auch als simulierte Mikrogravitationsexperimente, etwa zur Vorbereitung von Pflanzenexperimenten in der Raumfahrt. In der Pflanzenbiologie gelten Klinostate daher als wichtige Hilfsmittel, um die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Wachstumsreizen zu entkoppeln und molekulare Mechanismen, wie z. B. hormonelle Signalwege oder Transportprozesse, gezielt zu analysieren.