Nacktgerste ist eine Form der Kulturgerste (Hordeum vulgare), deren Körner nach der Reife ohne fest verwachsene Spelzen vorliegen. Sie lässt sich dadurch leichter verarbeiten und wurde unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt domestiziert.

Im Gegensatz zur gewöhnlichen „Bedecktkorn“-Gerste, bei der die Spelzen beim Dreschen fest mit dem Korn verbunden bleiben, besitzen Nacktgersten eine genetische Mutation im NUD-Gen, die dazu führt, dass die Hüllspelzen sich nach der Reife leicht lösen. Diese Eigenschaft macht sie besonders interessant für die Nahrungsmittelproduktion, da die Körner ohne aufwändiges Schälen verwendet werden können.

Nacktgerste gilt als eine der ältesten Kulturformen des Getreides und wurde bereits vor rund 16.000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond domestiziert. Sie spielt bis heute in Hochlandregionen wie Tibet oder Äthiopien eine wichtige Rolle als Grundnahrungsmittel. Für die moderne Forschung ist Nacktgerste ein Modell, um genetische Mechanismen der Domestikation und Kornentwicklung zu verstehen – und eine wertvolle Ressource für die Züchtung nährstoffreicher, klimaresilienter Sorten.

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