Phosphoproteomik
Die Phosphoproteomik ist ein Teilbereich der Proteomforschung, der sich gezielt mit der Analyse phosphorylierter Proteine in einer Zelle oder einem Gewebe beschäftigt. Phosphorylierung ist eine der häufigsten und wichtigsten posttranslationalen Modifikationen von Proteinen: Dabei wird eine Phosphatgruppe – meist an die Aminosäuren Serin, Threonin oder Tyrosin – angehängt oder entfernt. Dieser chemische „Schalter“ kann die Aktivität eines Proteins aktivieren oder hemmen, seine Stabilität beeinflussen oder seine Interaktion mit anderen Molekülen steuern.
In der Pflanzenforschung spielt die Phosphoproteomik eine zentrale Rolle beim Verständnis von Signalwegen. Viele Abwehr- oder Entwicklungsreaktionen beruhen auf schnellen Änderungen im Phosphorylierungsstatus von Enzymen oder Rezeptoren, oft innerhalb weniger Sekunden bis Minuten nach einem Reiz. Durch den Vergleich phosphorylierter Proteine vor und nach einem Stimulus – zum Beispiel der Zugabe von Systemin oder flg22 – lässt sich erkennen, welche Signalproteine unmittelbar reagieren und wie sich Signalwege voneinander unterscheiden.
Technisch wird die Phosphoproteomik meist mit Massenspektrometrie (MS) durchgeführt. Zunächst werden die Proteine aus den Zellen extrahiert und in kleine Peptide zerlegt. Phosphorylierte Peptide werden anschließend angereichert, zum Beispiel durch Metallionen-Affinitätschromatographie (IMAC) oder TiO₂-Säulen. Die Massenspektrometrie bestimmt dann das genaue Molekulargewicht und ermöglicht es, die Position der Phosphatgruppe im Protein zu identifizieren.
Die Ergebnisse der Phosphoproteomik liefern oft einen „Schnappschuss“ der Signalnetzwerke in einer Zelle und sind damit besonders wertvoll, um molekulare Unterschiede zwischen ähnlichen Signalwegen zu erkennen – so wie in der Studie zum Systemin-Signalweg, in der PLL2 als spezifischer Schalter entdeckt wurde.