Reaktive Sauerstoffspezies (ROS)
Reaktive Sauerstoffspezies (englisch reactive oxygen species, ROS) sind hochreaktive Sauerstoffverbindungen, die in Pflanzen sowohl als Nebenprodukte des Stoffwechsels entstehen als auch gezielt als Signalmoleküle produziert werden. Zu den wichtigsten ROS zählen Wasserstoffperoxid (H₂O₂), Superoxid-Anionen (O₂⁻) und Hydroxyl-Radikale (•OH).
Unter normalen Bedingungen entstehen ROS in Chloroplasten, Mitochondrien und Peroxisomen als Folge der Energieumwandlung, zum Beispiel während der Photosynthese oder der Atmung. In geringen Mengen wirken sie als wichtige Signalmoleküle, die Entwicklungsprozesse steuern oder auf Umweltreize reagieren. Bei zu hoher Konzentration können ROS jedoch Zellbestandteile wie Lipide, Proteine und DNA schädigen, weshalb Pflanzen über ein ausgefeiltes antioxidatives Schutzsystem verfügen.
Eine besonders wichtige Rolle spielen ROS in der pflanzlichen Abwehr: Nach der Erkennung von Gefahrensignalen – etwa durch Pathogen-assoziierte molekulare Muster (PAMPs) wie flg22 oder durch Fraßsignale wie Systemin – kommt es oft zu einem schnellen und kurzzeitigen Anstieg der ROS-Produktion. Diese sogenannte „oxidative Burst“-Reaktion erfolgt meist an der Plasmamembran und wird durch Enzyme wie NADPH-Oxidasen vermittelt. ROS wirken dabei in mehrfacher Hinsicht: Sie können Krankheitserreger direkt schädigen, als Signale die Aktivierung von Abwehrgenen fördern, die Zellwand versteifen und in benachbarten Zellen eine Abwehrbereitschaft auslösen.
In hohen Konzentrationen sind ROS für Pflanzenzellen gefährlich. Deshalb werden sie durch antioxidative Enzyme wie Superoxiddismutase (SOD), Katalase und Peroxidasen sowie durch nicht-enzymatische Antioxidantien wie Ascorbinsäure (Vitamin C) und Glutathion schnell abgebaut oder umgewandelt. Das feine Gleichgewicht zwischen ROS-Produktion und ROS-Abbau ist entscheidend dafür, ob ROS als nützliche Signalstoffe oder als schädliche Moleküle wirken.
ROS sind damit ein zentrales Element der pflanzlichen Stressreaktionen – nicht nur bei biotischen Stressfaktoren wie Insekten- oder Pathogenbefall, sondern auch bei abiotischem Stress durch Hitze, Kälte, Trockenheit oder hohe Lichtintensität.