Sonnenbrand (bei Früchten)
Als Sonnenbrand bezeichnet man im Obst- und Weinbau die Schädigung von Früchten, insbesondere Trauben, Äpfeln, Beeren und Gemüsesorten wie Paprika oder Tomaten, durch intensive Sonneneinstrahlung und extreme Hitze. Anders als beim Menschen, bei dem Sonnenbrand durch ultraviolette Strahlung verursacht wird, entsteht der Sonnenbrand bei Früchten überwiegend durch direkte Wärmeeinwirkung und die dadurch verursachten physiologischen Schäden an der Zellstruktur der Fruchtschale und des darunterliegenden Gewebes.
Sonnenbrand tritt besonders bei Temperaturen über 30 bis 35 Grad Celsius auf, vor allem in Kombination mit starker Sonneneinstrahlung, fehlender Bewölkung und hoher UV-Strahlung. Früchte, die direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, können sich dabei stark erhitzen. Bei Weintrauben zum Beispiel können Temperaturen der Beerenoberfläche bis auf 40 bis 45 Grad Celsius oder sogar höher steigen. Diese extreme Hitzeeinwirkung führt zu Schäden an Zellmembranen und Zellwänden. Dadurch verliert das Fruchtgewebe seine Integrität, was wiederum den Eintritt von Sauerstoff und anderen schädlichen Stoffen ermöglicht und zu schnellen oxidativen Prozessen führt.
Typische Symptome des Sonnenbrands sind braune bis schwarzbraune Flecken oder Verfärbungen an den Früchten. Diese Flecken erscheinen oft auf der zur Sonne hin gerichteten Seite und können sich schnell ausdehnen. In schweren Fällen trocknet das Gewebe ein, die Fruchtschale reißt auf, und es entstehen nekrotische, ungenießbare Stellen. Bei Weintrauben sind betroffene Beeren oft vertrocknet, verfärbt und geschmacklich beeinträchtigt. Stark betroffene Früchte sind nicht mehr vermarktungsfähig und führen somit zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten durch Ernteausfälle von bis zu 50% gerade in sonnenexponierten Steillagen.
Verschiedene Faktoren begünstigen das Auftreten von Sonnenbrand bei Früchten: insbesondere eine starke Entblätterung der Traubenzone kurz vor der Hitzewelle, geringe Wasserversorgung, extrem sonnige Standorte sowie plötzliche Hitzeperioden nach kühleren Wetterphasen. Klimatische Veränderungen und zunehmende Extremwetterlagen haben dazu geführt, dass Sonnenbrand bei Früchten in vielen Regionen Europas und weltweit immer häufiger auftritt und mittlerweile ein ernstzunehmendes Problem für Landwirtschaft, Obstbau und Weinbau darstellt.
Zur Vorbeugung von Sonnenbrand gibt es verschiedene Strategien. Besonders wichtig ist eine gezielte Laubwandgestaltung bei Weinreben oder Obstgehölzen: Indem man für eine ausreichende Beschattung der Früchte durch Blätter sorgt, kann der direkte Sonneneinfall reduziert werden. Ebenso hilft eine frühzeitige Abhärtung der Trauben nach der Blüte durch eine moderate Entblätterung. In einigen Kulturen wird zusätzlich die Ausbringung von sogenannten Sonnenschutzmitteln getestet, etwa mineralische Beschichtungen durch Kalk- oder Kaolinsuspensionen sowie beschattende oder reflektierende Folien, um die Fruchttemperatur zu senken.
In der Züchtung wird zunehmend versucht, genetische Marker zu identifizieren, die Pflanzen und Früchte mit erhöhter Resistenz oder Toleranz gegenüber Sonnenbrand auszeichnen. Solche Sorten könnten künftig gezielt angebaut werden, um Ertragsverluste zu minimieren.