Heritabilität

Die Heritabilität beschreibt, welche Anteile innerhalb der phänotypischen Ausprägung einer Population durch genetische Faktoren bestimmt wurde. Sie wird genutzt, um den Einfluss der genetischen sowie der Umwelteinflüsse auf eine Population zu bestimmen, wobei sie dem Anteil der genetischen Variabilität an der Gesamtvariabilität entspricht. Somit kann man unterscheiden, wie groß der Einfluss der Gene bei einem Erbgang war und im Umkehrschluss welche Unterschiede durch Umwelteinflüsse entstanden sind.

Desweiteren hat sie auch einen wichtigen Stellenwert innerhalb der Zucht, weil man mit ihr die Vererbbarkeit eines gewünschten Merkmals (z B. Ertrag, Milchleistung bei Kühen) berechnen kann. In der Zucht wird stark auf bestimmte Eigenschaften selektioniert, die bei den ausgewählten Individuen im oberen Bereich der Leistungskurve angesiedelt sind.

Heritabilität wird wie folgt definiert: Aus einer stabilen Population, in der die Eigenschaften normal verteilt sind (entsprechend der Gauß’schen Normalverteilung) kann man durch künstliche Selektion eine zweite Population isolieren, mit Mitgliedern, die besonders auf die gewünschten Merkmale hin ausgewählt wurden. Diese weisen dann ebenfalls eine Normalverteilung der Merkmale dieser Population auf.

Die Differenz der Mittelwerte beider Verteilungen wird als Selektionsdifferenz bezeichnet und beschreibt die Unterschiede in den Merkmalsausprägungen beider Populationen sowie die durch künstliche Selektion hervorgerufene Verschiebung (Gendrift) des Genpools der zweiten Population.

Züchtet man jetzt mit dieser zweiten Population, so wird die Tochtergeneration wiederum einen leicht verschobenen Mittelwert gegenüber dem der Ausgangspopulation aufweisen. Dies wird als Selektionserfolg bezeichnet, weil ein durch künstliche Selektion und Rekombination veränderter, neuer Genpool entstanden ist, der besonders die gewünschten Eigenschaften hervorbringt. Teilt man jetzt den Selektionserfolg durch die Selektionsdifferenz, erhält man die Heterabilität, also die Vererbbarkeit von bestimmten Merkmalen. Aus dem sich ergebenden Wert kann man vom Phänotyp (z. B. Milchmenge) auf den Wert für die Zucht (Weitergabe des Merkmals) schließen. Wichtig ist, dass solche Berechnungen nur bei komplexen Erbgängen voll zum Tragen kommen.
 

Siehe auch: Genotyp.
 

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