Stellen Sie sich vor, ihr Nachbar stirbt, weil er nicht genug zu essen hat...

So unterschiedlich sind Kenia und Deutschland

Moses Mahugu Muraya / Kenia

21.04.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Nairobi, Kenia. Kleinbauern bei der Arbeit. (Bildquelle: © iStock.com/ SimplyCreativePhotography)
Nairobi, Kenia. Kleinbauern bei der Arbeit. (Bildquelle: © iStock.com/ SimplyCreativePhotography)

Gespräch

Moses Mahugu Muraya / Kenia

Viele Landwirte in Kenia sind Selbstversorger. Sie ernähren sich nur von dem, was sie selbst angebaut haben. Das Land, das sie bewirtschaften, gehört ihnen meist nicht und die Unsicherheit ist groß. Schon morgen könnte ihnen ein Investor den Boden unter den Füßen wegkaufen und damit die Lebensgrundlage entziehen.

„Stellen Sie sich vor ihr Nachbar stirbt, weil er nicht genug zu essen hat. Das liegt nicht daran, dass keine Nahrungsmittel produziert werden. Vieles verkommt einfach, weil man es nicht verkaufen kann.“

Moses Mahugu Muraya lebt und forscht in Gatersleben. Ursprünglich stammt er aus Kenia, das im Osten an Somalia und den indischen Ozean grenzt und sich im Westen bis zum riesigen Victoria-See erstreckt. Moses Heimatdorf liegt nahe der Hauptstadt Nairobi in der Region Central, die von der zweithöchsten Gebirgskette Afrikas dominiert wird, dem Mount-Kenya-Massiv.

Moses‘ Familie besitzt eine Teeplantage. Das ist nichts ungewöhnliches, denn Tee und Kaffee sind die Cash Crops Kenias. Kein anderes landwirtschaftliches Produkt bringt durch den Export so viel Geld ins Land wie die grünen Blätter und die schwarzen Bohnen. Auch Schnittblumen werden massenweise ins Ausland, hauptsächlich nach Europa, verkauft.

Neben Kaffee, Tee und Blumen wachsen vor allem Mais, Sorghum und Bohnen auf den Feldern der Kleinbauern. „Es kommt aber stark darauf an, aus welcher Region man stammt und welcher Gemeinschaft man angehört“, erklärt Moses. „Einige Landwirte sind reine Ackerbauern, andere haben auch Nutztiere.“  

Kulinarische Unterschiede zwischen Kenia und Deutschland

Dass das Essen in Deutschland ziemlich anders ist als in seiner Heimat, kam für Moses überraschend: „Der Unterschied war ein Schock und die Umgewöhnung anfangs schwierig. In Deutschland werden viele Weizenprodukte und Käse gegessen, während in Kenia die Speisen aus Mais oder Bohnen bestehen.“ Ein typisches Beispiel ist das weit verbreitete Gericht Ugali, ein dicker Brei aus Maismehl und Wasser. Eine weitere sehr beliebte Spezialität ist Mukimo, eine Art Kartoffelpüree mit Mais und Bohnen, das durch Spinat oder traditionell durch Kürbisblätter eine satte grüne Farbe bekommt. Mukimo ist eine Delikatesse der Kikuyu, der größten Volksgruppe in Kenia.

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Mais ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in Afrika.

Mais ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in Afrika.

Quelle: © Karina Baumgart - Fotolia.com

Mais, Mais, Mais

Auch wenn Mais ursprünglich aus Mexiko stammt, ist die Pflanze in vielen afrikanischen Ländern inzwischen eine sehr wichtige Nahrungspflanze. Für Moses ist sie gleichzeitig das Bindeglied zwischen seiner Heimat und dem neuen Wohnsitz, denn Mais begegnet ihm jeden Tag auf Arbeit. Moses forscht am Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzen (IPK Gatersleben) im PLANT 2030-Projekt OPTIMAL an einer schnelleren und effizienteren Maiszucht.

Denn Mais spielt nicht nur in unserer Ernährung und als Futtermittel eine große Rolle. Er dient auch der Industrie und der Energiebranche als Rohstoff. Der Bedarf steigt stetig. Daher sucht man nach noch produktiveren Sorten, um künftig höhere Erträge zu erzielen. Doch die Zucht ist kosten- und zeitintensiv. Moses entwickelt neue Selektionsverfahren, um die geeignetsten Pflanzen für die Zucht bereits im Keimlingsstadium zu identifizieren. 

Forschung und Pflanzenzüchtung sind auch in Kenia nötig

„Die Landwirtschaft in Kenia ist stark durch das Klima beschränkt. Rund 80 Prozent des Landes sind Trockengebiete und können nicht oder nur sehr schlecht landwirtschaftlich genutzt werden“, betont Moses. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich. Man benötige daher dringend Forschung, um neue, widerstandfähigere Sorten zu entwickeln. Doch dafür ist kein Geld da. Viele Forschungseinrichtungen sind zu reinen Lehrzentren verkommen, da ihnen die finanziellen Mittel für eigene Experimente fehlen. 

„Alles muss bei der Politik beginnen!“

Armut ist eines der größten Probleme des ostafrikanischen Landes. „Stellen Sie sich vor ihr Nachbar stirbt, weil er nicht genug zu essen hat. Das liegt nicht daran, dass keine Nahrungsmittel produziert werden. Vieles verkommt einfach, weil man es nicht verkaufen kann“, erklärt Moses. Einige Menschen sind schlicht zu arm um auf dem Markt einkaufen zu gehen.

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Neben Armut, stellen Korruption, fehlende Infrastruktur und auch Trockenheit Herausforderungen für das Land dar.

Neben Armut, stellen Korruption, fehlende Infrastruktur und auch Trockenheit Herausforderungen für das Land dar.

Quelle: © cronopio - Fotolia.com

Noch dazu kommt ein beträchtlicher Teil der Ernte nie beim Verbraucher an. Auf dem Weg vom Feld zum Käufer entstehen durch unsachgemäße Lagerung oder Transport große Nachernteverluste. Es fehlt an gut ausgebauten Straßen, geeigneten Fahrzeugen und Kühlhäusern. „Viele Kleinbauern haben auch einfach nicht das nötige Fachwissen“, erklärt Moses. „Sie wissen nicht, was sie verbessern könnten.“

Er macht fehlende politische Rahmenbedingungen und Korruption für den desolaten Zustand des Landes verantwortlich. Dass das nicht nur eine persönliche Meinung ist, zeigt ein Blick auf den Korruptions-Index der Nichtregierungsorganisation Transparency International. Kenia rangierte im Jahr 2013 in der 178 Länder umfassenden Liste auf dem traurigen Platz 136.

Kenia, ein Land mit unsicheren Landrechten

Darüber hinaus führen unsichere Landrechte und unterschiedliche Landnutzungsinteressen oft zu teils gewalttätigen Konflikten. „Es kommt vor, dass selbst Politiker große Landflächen aufkaufen, diese jedoch nicht bestellen, sondern warten bis die Preise steigen, damit sie das Land für mehr Geld weiter verkaufen können“, sagt Moses. „In der Zwischenzeit liegt das Land liegt brach und kann von niemandem genutzt werden. Manchmal wird das Land nicht einmal gekauft, sondern einfach genommen.“ Landraub, der die Ärmsten der Bevölkerung trifft.

Auch die Aneignungen von Land durch ausländische Investoren (Land Grabbing) ist zu beobachten, denn die Wirtschaft hat den Kontinent für sich entdeckt. Zwar braucht Kenia Investitionen, allerdings bedarf es zuerst klarer Landrechte.

Rezept

Mukimo

Mukimo ist eine Delikatesse der Kikuyu, der größten Volksgruppe in Kenia. Traditionell wird es als Hauptgang gegessen, doch inzwischen ist es auch zu einer beliebten Beilage von Fleischgerichten avanciert.

Das hier gezeigte Rezept ist mit Tassenmaß angegeben (eine Tasse entspricht 250 ml).

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Zutaten

  • 10-12 Kartoffeln (2-3 Kartoffeln pro Person), geschält und gewürfelt
  • ½ - 1 Tasse Mais 
  • ½ - 1 Tasse grüne Bohnen 
  • 1 Bund (Baby) Spinat (oder anderes grünes Gemüse - Traditionell werden Kürbisblätter verwendet);
  • 1 große Zwiebel, gehackt 
  • 2-3 Esslöffel Pflanzenöl
  • Salz

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Mukimo gibt es vielen Variationen. Traditionell werden beispielsweise statt Spinat, Kürbisblätter verwendet.

Quelle: © Redaktion Pflanzenforschung

Zubereitung

  1. 1
    Mais und die Bohnen zusammen in einem Topf kochen. Beim Abgießen ein wenig des Kochwassers auffangen.
  2. 2
    Die gehackte Zwiebel mit etwas Öl in einem weiteren großen Topf goldbraun dünsten. Die Kartoffeln zu der Zwiebel hinzufügen und für drei bis fünf Minuten mit dünsten. Mit Wasser ablöschen und Spinat und Salz hinzufügen. Anschließend kochen bis die Kartoffeln gar sind. 
  3. 3
    Wenn die Kartoffel weich genug sind, Topf vom Ofen nehmen und das Wasser abschütten, einen Teil des Kochwassers auch hier auffangen. 
  4. 4
    Kartoffelmischung nun stampfen und dabei das zuvor abgeschüttete Kochwasser der beiden Töpfe teilweise zufügen, um eine cremige Masse zu erzeugen. Durch den Spinat erhält der Brei eine grüne Farbe.  
  5. Fertig!
    Mais und die Bohnen untermengen. Bei Bedarf mit Salz abschmecken. 
  6. Gut zu wissen: 
    Dazu kann ein Fleisch- oder Fischeintopf serviert werden, traditionell wird es jedoch ohne Fleisch gegessen.

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