Blattformen (Aufbau)

Beim Blattaufbau unterscheidet man vier verschiedene Formen:

  • bifaziale (dorsiventrale) Blätter (Blätter der meisten Angiospermen)

Bifaziale Blätter weisen den klassischen Aufbau eines Blattes auf. Als oberstes Abschlussgewebe befindet sich die Epidermis. Sie besteht aus einer einzigen Zellschicht ohne Chloroplasten. Um eine Verdunstung durch starke Sonneneinstrahlung zu vermeiden, liegt auf der Epidermis eine Wachsschicht, die Cuticula. Unter der Epidermis liegt das sogenannte Palisadenparenchym. Hier befinden sich die meisten Chloroplasten (zuständig für die Photosynthese), daher ist das Palisadenparenchym der Hauptort der Photosynthese.

Die Zellen des Palisadenparenchyms haben die für sie typische längliche Form und erinnern an einen Palisadenzaun. Unter dem Palisadenparenchym befindet sich das Schwammparenchym. Dessen Zellen sind unregelmäßig geformt und weisen viele Zwischenräume oder Atemhöhlen (Interzellularen) auf. Hier sind  nur noch wenige Chloroplasten. Die Hauptaufgabe des Schwammparenchyms besteht im Gaswechsel, also im Austausch von Wasserdampf (diffundiert nach draußen) und CO2 (diffundiert nach innen, wichtig für die Photosynthese). Schwammparenchym und Palisadenparenchym werden als Mesophyll zusammengefasst.

Unter dem Schwammparenchym kommt wieder eine einzellige Epidermisschicht ohne Chloroplasten. Sie hat im Gegensatz zur oberen Epidermis viele Spaltöffnungnen (Stomata), die mit den Interzellularen im Schwammparenchym in Verbindung stehen. Die Stomata können von der Pflanze aktiv in Reaktion auf Umweltreize (zum Beispiel Trockenstress) geschlossen oder geöffnet werden. Sie besitzen ebenfalls Chloroplasten.

Im Gegensatz dazu befinden sich auf der oberen Epidermis bei vielen Pflanzen keine Spaltöffnungen, weil hier durch die Sonneneinstrahlung eine starke Transpiration bewirkt würde und die Stomata die meiste Zeit geschlossen blieben. Sie wären somit zum Gasaustausch für die Photosynthese ungeeignet. 

Blätter mit Spaltöffnungen an der Unterseite des Blattes werden als hypostomatisch bezeichnet. Pflanzen, die alle Spaltöffnungen auf der Blattoberseite haben, werden epistomatisch genannt, zum Beispiel die Seerose (Nuphar lutea) und andere Pflanzen mit Schwimmblättern. Dazu gibt es noch Pflanzen, die auf beiden Seiten Stomata besitzen, sogenannte amphistomatische Pflanzen wie Nadelbäume, Seggen (Carex spec.). 

  • invers bifaziale Blätter (Bärlauch)

Invers bifaziale Blätter weisen den umgekehrten Blattaufbau der bifazialen Blätter auf. Bei ihnen liegt das Schwammparenchym oben. Schattenpflanzen wie der Bärlauch (Allium ursinum) haben diese Blattform.

  • unifaziale Blätter (Binsen)

Unifaziale Blätter sind ursprünglich aus invers bifazialen Blättern hervorgegangen. Bei ihnen wurde die Blattoberseite soweit reduziert, dass die Blattunterseite jetzt das gesamte Blatt umschließt. Das zeigt sich auch in den Leitbündeln. Bei den meisten Blättern liegt das Xylem außen, bei unifazialen Blättern liegt jetzt das Phloem außen. Die Anpassung ist auch hier auf die Reduzierung der Oberfläche zurückzuführen, daher haben auch viele Blattstiele in der Anordnung ihrer Leitbündel einen unifazialen Aufbau.

  • äquifaziale Blätter (Nadeln der Nadelbäume)

Bei äquifalzialen Blättern befindet sich das Palisadenparenchym „außen“ und das Schwammparenchym „innen“. Hier hat sich das Blatt so entwickelt, dass es eine runde Form bekommt und das Palisadenparenchym auf allen Seiten das meiste Licht bekommt. Grund für diese Verringerung der Oberfläche ist eine geringere Verdunstung (Anpassung an Trockenstress) und eine höhere Resistenz gegenüber Frost. Daher liegt das Schwammparenchym, das für den Wasseraustausch zuständig ist, auch innen, wo es vor starker Einstrahlung geschützt ist. Nadelbäume können dadurch auch trockenere Gebiete besiedeln, etwa solche, in denen eine lange Zeit im Jahr Frost herrscht, was für die Pflanze einen nicht unerheblichen Trockenstress verursacht. Außerdem ermöglicht diese Anpassung den Nadelbäumen, ihre Blätter auch im Winter zu behalten.

Siehe auch: Blatt, Blatt (Aufbau), Blattmetamorphosen, Blattstellungen

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