Äpfel statt Tabletten

Äpfel können Cholesterinwerte fast so gut senken wie Medikamente

08.01.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Knackig, saftig, süß: Frische Äpfel gehören zu den gesündesten und beliebtesten Obstsorten. (Quelle: © Rainer Sturm/pixelio.de)
Knackig, saftig, süß: Frische Äpfel gehören zu den gesündesten und beliebtesten Obstsorten. (Quelle: © Rainer Sturm/pixelio.de)

Britische Forscher fanden heraus, dass der berühmte Apfel am Tag fast so gut vor Herzinfarkt schützt wie medizinische Cholesterin-Senker.

Der klassische gute Vorsatz für das neue Jahr: Mehr Obst und Gemüse essen. Fünf Portionen am Tag empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Auch wenn viele diese Vorgaben nicht einhalten: Ein Apfel pro Tag sollte dennoch drin sein. Denn britische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Äpfel fast so gut vor Herzinfarkt  schützen können wie Medikamente, da sie den Cholesterinspiegel effektiv senken. Einzige Bedingung: Man muss wirklich täglich einen essen.

„Gutes“ und „böses“ Cholesterin

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Naturstoff im menschlichen Körper. Er ist Bestandteil der Zellmembranen, hilft beim Transport von Stoffen und ist selbst Ausgangsstoff für verschiedene Hormone. Der Körper produziert Cholesterin hauptsächlich in der Leber und im Darm, von dort wird es über das Blut zu den Zellen transportiert. Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, muss es beim Transport an spezielle Lipoproteine gebunden werden. Diese werden als „Lipoproteine hoher Dichte“ oder HDL (High Density Lipoproteins) und als „Lipoproteine niedriger Dichte“ oder LDL (Low Density Lipoproteins) bezeichnet.

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Der tägliche Apfel auf dem Speiseplan senkt das schädliche LDL-Cholesterin und beugt so Herzinfarkten vor.

Der tägliche Apfel auf dem Speiseplan senkt das schädliche LDL-Cholesterin und beugt so Herzinfarkten vor.

Bildquelle: © knipseline / pixelio.de

Um einen möglichst ausgeglichenen Cholesterinspiegel zu erhalten, transportiert der Körper überschüssiges Cholesterin als HDL-Cholesterin zurück zur Leber, wo es zu Gallensäure umgebaut und ausgeschieden wird. Mit LDL bestücktes Cholesterin geht den umgekehrten Weg von der Leber in die Körperzellen. Dieses LDL-Cholesterin wird allgemein dafür verantwortlich gemacht, dass sich Ablagerungen in den Blutgefäßen, die sogenannte Arteriosklerose, bilden. Daraus ergibt sich, dass ein hoher Wert des HDL- oder „guten“ Cholesterins und ein niedriger Wert des LDL- oder „bösen“ Cholesterins im Blut als gesund gilt, weil unter dem Strich mehr Cholesterin in die Leber zum Abbau transportiert wird und sich so weniger Ablagerungen in den Gefäßen bilden können.

Statine als Cholesterinsenker

Viele Menschen haben heutzutage auf Grund einer veränderten Lebensweise einen „ungünstigen“ Cholesterinspiegel und werden daher als gefährdet eingestuft, irgendwann einmal möglicherweise an einem Herzinfarkt zu sterben. Herz-Kreislauferkrankungen gelten in den westlichen Industrieländern als die Todesursache Nummer Eins. Sie verursachen aber auch enorme Kosten für unser Gesundheitssystem. Daher suchen die Regierungen vieler Industrienationen nach Möglichkeiten, diese Risikogruppe in Zukunft möglichst klein zu halten. In Großbritannien werden beispielsweise Überlegungen angestellt, allen Menschen über 50 vorbeugend spezielle Medikamente zu geben, die den LDL-Cholesterinspiegel senken sollen. Die hierfür vorgesehenen Statine greifen in den Fettstoffwechsel ein und senken die Cholesterinproduktion. Der dadurch entstehende Mangel bewirkt die verstärkte Produktion von LDL-Rezeptoren in den Zellen, die das LDL-Cholesterin aus dem Blut fischen – der LDL-Cholesterinwert sinkt. Leider haben diese Medikamente auch sehr unangenehme Nebenwirkungen wie die Entstehung von Diabetes mellitus und schweren Muskelerkrankungen.

Apfel gegen Medikament

Demgegenüber steht die Erkenntnis, dass eine Ernährung, die weitgehend aus naturbelassenen Lebensmitteln besteht, die Körperfunktionen der meisten Menschen im Gleichgewicht hält. Besonders Äpfel sind seit längerem dafür bekannt, dass die in ihnen enthaltenen Pektine das LDL-Cholesterin im Darm binden und so den Cholesterinspiegel senken. Ihre gesunde Wirkung spiegelt sich auch in dem Satz „An apple a day keeps the doctor away“ wider, mit dem bereits vor 150 Jahren die Menschen in Großbritannien zu einer gesünderen Ernährung aufgerufen wurden. Diesen Spruch nahmen die Wissenschaftler jetzt zum Anlass, die Auswirkungen von Statinen und Äpfeln auf den Cholesterinspiegel zu modellieren. Dazu werteten sie mehrere Studien aus und berechneten die voraussichtlichen Folgen der täglichen Einnahme von Äpfeln und Cholesterinsenkern. Dabei zeigte sich, dass von den 17,6 Millionen über 50-Jährigen in Großbritannien durchschnittlich 9.400 Todesfälle pro Jahr durch die Einnahme von Statinen verhindert werden könnten, durch den täglichen Apfel wären es 8.500. Bei regelmäßiger Einnahme von Statinen kämen allerdings statistisch auch etwa 1.200 Fälle von Muskelerkrankungen und 12.300 Fälle von Diabetes als Nebenwirkungen hinzu.

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Tablette oder Apfel?

Tablette oder Apfel?

Bildquelle: © Doruk Sikman - Fotolia.com

Der Apfel als Doktor

Die Forscher weisen darauf hin, dass Äpfel statistisch gesehen eine geringfügig niedrigere Schutzwirkung haben, aber dass sie für gesunde Menschen, die nicht unter einer Allergie oder Fruktoseintoleranz leiden, nahezu nebenwirkungsfrei sind - es sei denn man erwischt einen faulen Apfel oder verspeist aus Versehen einen mit Wurm. Mehr noch: Der Apfel senkt nicht nur effektiv das Cholesterin, er hat auch noch andere positive Seiten. So gelten regelmäßig genossene Äpfel als krebsvorbeugend, sie regulieren den Blutzuckerspiegel und sollen sogar vor Demenz schützen. Warum Äpfel eine so positive Wirkung auf die Gesundheit haben, ist bis heute nicht genau geklärt. Man vermutet, dass es am Zusammenspiel der verschiedenen Wirkstoffe liegt, darunter insbesondere die verdauungsfördernden Pektine, Polyphenole, Vitamin C und Mineralstoffe.

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Statine als auch Äpfel dabei helfen können, die Herz-Kreislauf-Erkrankungsrate zu senken. Die Forscher betonen, dass die Äpfel ihre etwas niedrigere Erfolgsquote durch ihre fehlenden Nebenwirkungen und die weiteren positiven Effekte auf die Gesundheit wieder wettmachen. Gleichzeitig werden andere Krankheiten, die als Nebenwirkungen der Statin-Einnahme entstehen könnten, vermieden. Wichtig sei aber, dass Menschen, die Statine vom Arzt verschrieben bekommen, auf keinen Fall einfach damit aufhören sollten. Der Apfel könne aber auch bei diesen Personen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben. Grund genug, möglichst täglich tief in die Obstkiste zu greifen.

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