Sind wir auf dem Weg zu einer biobasierten Wirtschaft?

Politikstrategie zur Bioökonomie verabschiedet

18.07.2013 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Die Bundesministerinnen Ilse Aigner (rechts) und Prof. Dr. Johanna Wanka (mitte) stellen in Berlin die neue Bioökonomie-Strategie vor. Prof. Dr. Christine Lang (links) war als Vertreterin des Bioökonomierats anwesend. (Quelle: © Pflanzenforschung.de)
Die Bundesministerinnen Ilse Aigner (rechts) und Prof. Dr. Johanna Wanka (mitte) stellen in Berlin die neue Bioökonomie-Strategie vor. Prof. Dr. Christine Lang (links) war als Vertreterin des Bioökonomierats anwesend. (Quelle: © Pflanzenforschung.de)

Die Endlichkeit fossiler Ressourcen zwingt uns umzudenken: weg vom Öl und hin zu einer nachhaltigen und effizienten Nutzung von biologischen Ressourcen wie Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen. In diesem Zuge beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch, den 17.7.2013, eine neue „Politikstrategie Bioökonomie“.

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und der Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka vorgestellte „Politikstrategie Bioökonomie - Nachwachsende Ressourcen und biotechnologische Verfahren als Basis für Ernährung, Industrie und Energie“ soll die Umsetzung der Bioökonomie weiter vorantreiben.  

Die Strategie ist eng mit der 2010 verabschiedeten „Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030“ verknüpft. Mit ihr fördert die Bundesregierung noch bis 2016 Forschung zur Umsetzung einer wissensbasierten Bioökonomie mit einem Fördervolumen von 2,4 Mrd. Euro. Während die Forschungsstrategie ein langfristiger Fahrplan für die Forschungsförderung sein soll, zielt die jetzt beschlossene Strategie stärker auf die konkrete Umsetzung, den Aufbau einer biobasierten Wirtschaft.

Was bedeutet Bioökonomie?

Letztlich geht es darum, unabhängig von endlichen, fossilen Rohstoffen zu werden und biologische Ressourcen zu nutzen. Dies betrifft alle Bereiche, die biogene Ressourcen erzeugen, be- und verarbeiten, nutzen oder damit handeln. Somit soll eine nachhaltige und biobasierte Wirtschaft entstehen. Um dies besser begreifbar zu machen und die Leute für den Wandel zu begeistern, bedarf es jedoch greifbarer Produkte. Die Bioökonomie bietet nicht nur die Möglichkeit konventionell hergestellte Produkte zu ersetzen, sondern soll auch neue innovative Produkte auf Basis nachwachsender Rohstoffe herstellen sowie neue Rohstoffquellen erschließen. Hierbei soll auch das Potential von Reststoffen erkannt und genutzt werden.

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Bioplastik in der Autoindustrie. Die Bundesministerinnen Ilse Aigner (rechts) und Prof. Dr. Johanna Wanka (links) präsentieren mit Prof. Dr. Christine Lang, Vorsitzende des Bioökonomierats (mitte), eine Motorabdeckung aus Biopolyamid.

Bioplastik in der Autoindustrie. Die Bundesministerinnen Ilse Aigner (rechts) und Prof. Dr. Johanna Wanka (links) präsentieren mit Prof. Dr. Christine Lang, Vorsitzende des Bioökonomierats (mitte), eine Motorabdeckung aus Biopolyamid.

Bildquelle: © Pflanzenforschung.de

Wachstumsmarkt Bioökonomie

Bereits heute haben viele Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen in unseren Alltag Einzug gehalten. Aber eben immer noch zu wenig, um unabhängiger von fossilen Rohstoffen wie Erdöl zu werden. Die Notwenigkeit macht die Bioökonomie jedoch zu einem Wachstumsmarkt. Biokunststoffe werden bereits in der Getränkeindustrie für Flaschen oder in der Autoindustrie für Motorabdeckungen genutzt. Aber auch außergewöhnliche Produkte, wie Kleider bzw. Fasern, die aus Milch hergestellt werden, bieten einen ersten Eindruck davon, was künftig alles mit nachwachsenden Rohstoffen möglich ist. Ministerin Aigner betonte jedoch, dass trotz all dieser Möglichkeiten aus ihrer Sicht die Ernährung an erster Stelle stehen muss. 

Mit der neuen Strategie will die Bundesregierung auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sichern. Denn auch andere Länder haben bereits nationale Bioökonomie-Strategien vorgelegt.

Die gesamte Welt steht vor den Herausforderungen eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ihren Energiehunger zu stillen und dabei verstärkt auf Umwelt und Klima zu achten. Neben den nationalen Vernetzungen wird daher auch verstärkt eine internationale Zusammenarbeit notwendig sein. Erst kürzlich wurde in Brüssel eine öffentlich-private Partnerschaft (Bridge 2020) ins Leben gerufen, die auf europäischer Ebene die Entwicklung neuer biobasierter Produkte bis 2020 vorantreiben soll.

Pflanzen rücken in den Fokus

Pflanzen sind die Basis dieses Wandels. Die Landwirtschaft (Primärproduktion) rückt daher als Rohstofflieferant in den Mittelpunkt. Pflanzenforschung und Pflanzenzüchtung können hier ihren Beitrag zum Aufbau der Bioökonomie leisten.

In diesem Zuge der Vorstellung der „Politikstrategie Bioökonomie“ gab Frau Ministerin Wanka eine neue Förderinitiative zur nachhaltigen Nutzung von landwirtschaftlichen Böden - „BonaRes - Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie - bekannt. Bis zum 31. Januar 2014 können hierfür Projektvorschläge eingereicht werden.

Forschung und praktische Umsetzung sind nötig

Zur Umsetzung der Vision „Bioökonomie“ ist es jedoch noch ein langer Weg, betonte Landwirtschaftsministerin Aigner. Durch die nun vorliegende politische Strategie, die die Fördermaßnahmen der Bundesregierung unterstützt, ist der politische Rahmen gesteckt.

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Kleidung aus Milchprotein. Ilse Aigner (rechts) und Prof. Dr. Johanna Wanka (links) begutachten mit Prof. Dr. Christine Lang (mitte) innovative Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Fasern für das Kleid wurden aus Milch hergestellt, die nicht mehr verkauft werden darf und somit sonst entsorgt werden würde.

Kleidung aus Milchprotein. Ilse Aigner (rechts) und Prof. Dr. Johanna Wanka (links) begutachten mit Prof. Dr. Christine Lang (mitte) innovative Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Fasern für das Kleid wurden aus Milch hergestellt, die nicht mehr verkauft werden darf und somit sonst entsorgt werden würde.

Bildquelle: © Pflanzenforschung.de

Begrüßt wurde die neue Strategie vom Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) und der Wirtschaftsverbund PflanzenInnovation e. V. (WPI). „Von dem Ressort übergreifenden Konzept geht ein wichtiges politisches Signal aus, schnellstmöglich eine funktionierende Bioökonomie aufzubauen“, sagte BDP-Geschäftsführer Dr. Carl-Stephan Schäfer. Allerdings betonte er zugleich: „Das Bioökonomiekonzept darf nicht bei der Forschung stehen bleiben. Die daraus resultierenden Technologien und Produkte müssen auch in Deutschland im Markt ankommen“. Der Transfer von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte soll daher mit der Strategie unterstützt werden.

Konstruktive Kritik kam z.B. vom Deutschen Bauernverband (DBV). Bereits bestehende Initiativen müssten durch die Strategie der Bundesregierung verstärkt und in diese integriert werden.  Als Beispiel nannte der DBV die „Forschungsstrategie Nutztiere“ der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA). Auch, dass die „Politikstrategie Bioökonomie“ nicht über eine grobe Aufzählung von Handlungsfeldern hinauskommt und es versäumt wurde, klare Prioritäten zu setzen, wurde kritisch reflektiert. Zudem kommt die notwendige Grundlagenforschung in dem Regierungspapier viel zu kurz, so der DBV.

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