Weitgereiste Pflanze

Der amerikanische Flaschenkürbis stammt aus Afrika

18.02.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Der Flaschenkürbis ist nahezu überall auf der Welt zu finden. An der Kletterpflanze wachsen Früchte, die ganz unterschiedliche Größe, Farbe und Form haben können. (Quelle: © iStockphoto.com/ teptong)
Der Flaschenkürbis ist nahezu überall auf der Welt zu finden. An der Kletterpflanze wachsen Früchte, die ganz unterschiedliche Größe, Farbe und Form haben können. (Quelle: © iStockphoto.com/ teptong)

Forscher haben herausgefunden, woher die Kletterpflanze ursprünglich kommt und wie sie ihren Weg auf den amerikanischen Kontinent fand.

Nahezu überall auf der Welt findet man den Flaschenkürbis (Lagenaria siceraria). An den langen Sprossen der einjährigen Kletterpflanze wachsen Früchte, die ganz unterschiedliche Größe, Farbe und Form haben können. Das Fruchtfleisch findet sich in den Küchen vieler Kulturen wieder und vor allem seine stabile Hülle wird als Gefäß, Instrument oder sogar als Tabakpfeife genutzt.

Eine der älteste Zuchtpflanzen der Welt

Der Flaschenkürbis gilt als eine der ersten Zuchtpflanzen und Forscher haben ihn in Mexico, Peru, Ägypten, Japan, USA und sogar auf den Osterinseln nachweisen können. Die erste menschliche Verwendung liegt nach Forschermeinung in Ostasien vor ungefähr 11.000 Jahren und auf dem amerikanischen Kontinent vor circa 10.000 Jahre. Aber wo kommt der Flaschenkürbis ursprünglich her und wie hat er sich auf der ganzen Welt ausgebreitet?

#####1#####
Aus den Früchten der Flaschenkürbisse werden Gefäße hergestellt, sogenannte Kalebassen. Aber auch Musikinstrumente wie die Sitar, eine indische Langhalslaute, werden daraus gebaut.

Aus den Früchten der Flaschenkürbisse werden Gefäße hergestellt, sogenannte Kalebassen. Aber auch Musikinstrumente wie die Sitar, eine indische Langhalslaute, werden daraus gebaut.

Bildquelle: © Jan Kraus/wikimedia.org; gemeinfrei

Dieser Frage ist jetzt ein Team von Forschern nachgegangen. Dabei fanden sie Erstaunliches: Zumindest der auf dem amerikanischen Kontinent gefundene Flaschenkürbis stammt wohl aus Afrika.

Ungeklärt war lange, wie der Flaschenkürbis nach Südamerika kam. Im Jahr 2005 hatten US-amerikanische Forscher vermutet, dass Paläoindianer im Pleistozän bereits domestizierte Flaschenkürbisse aus Sibirien über die Beringbrücke auf den amerikanischen Kontinent gebracht haben. Das sei allerdings unwahrscheinlich, meinten jetzt die Forscher um den Anthropologen Logan Kistler. Die klimatischen Gegebenheiten in der Beringia-Region seien während des Jungpleistozäns zu kalt gewesen, um überlebensfähige Flaschenkürbisse zu transportieren. Außerdem gebe es keinerlei archäologische Funde, die diesen Ansatz stützen würden.

DNA-Analyse bringt neue Erkenntnisse

Um ihre These mit wissenschaftlichen Fakten zu unterfüttern, hatten Kistler und seine Kollegen zunächst die Genome von neun archäologischen Proben untersucht und diese mit 36 heute vorkommenden Arten des Kürbisses aus allen Kontinenten abgeglichen. Die phylogenetische Analyse habe gezeigt, so die Wissenschaftler, dass die archäologischen Funde auf dem amerikanischen Kontinent eine sehr hohe Ähnlichkeit zu dem Referenzmaterial aus Afrika aufweisen würden. Deshalb schlussfolgerten sie: „Afrika ist die eindeutige Herkunftsregion des amerikanischen Flaschenkürbisses.“ Damit ist die Frage nach dessen Herkunft gelöst.

Meeresströmungen brachten Flaschenkürbis nach Amerika

Offen war allerdings noch, wie die Vorfahren des heutigen Flaschenkürbis den langen Weg zurückgelegt haben. Eine These des Forscherteams war es, dass der Kürbis auf dem Wasserweg in die Neue Welt kam. Damit meinten die Forscher nicht per Schiff, vielmehr gingen sie davon aus, dass die Kürbisfrüchte mit ihren Samen durch die natürliche Strömung des Ozeans an die Küste des amerikanischen Kontinents getrieben wurden.

Um diese These zu überprüfen, simulierten sie den möglichen Strömungsweg der Kürbisse auf der Grundlage von Winddaten. Die Samen der Flaschenkürbisse sind in der Regel ein Jahr keimfähig, länger durften sie also nicht auf dem Atlantik treiben. Zusätzlich modellierten die Forscher verschiedene Parameter wie Windgeschwindigkeit oder Strömungsänderungen und konnten schließlich dadurch belegen, dass die Flaschenkürbisse durchaus als Treibgut an die amerikanischen Küsten gelangt sein können.

Den Wissenschaftler erscheint es als sehr wahrscheinlich, dass sich so die ersten Flaschenkürbispflanzen in der als Neotropis bezeichneten Region in Mittel- und Südamerika angesiedelt haben. Für die weitere Verbreitung der Samen auf dem amerikanischen Kontinent hätten dann in der Folge große Säugetiere gesorgt, so die Erklärung der Wissenschaftler.

Damit steht fest, dass der Flaschenkürbis lange vor Christoph Kolumbus den beschwerlichen Weg gen Westen erfolgreich gemeistert hat und so auf dem amerikanischen Kontinent heimisch wurde.

62 Bewertungen

Bewertung

3681 angesehen

Kommentare

Kommentiere diesen Beitrag

Bitte geben Sie die Zeichen im Bild unten ein. (Dies dient ausschließlich dem Schutz vor Spam.)


Captcha Code

Click the image to see another captcha.