Berlin

Man könnte meinen, eine Metropole wie Berlin hätte eher betonierte als grüne Lernorte zu bieten. Trotz seiner hohen Bevölkerungsdichte gibt es in Berlin jedoch zahlreiche Gärten, Parks, Wälder und Seen, die zum Lernen im Grünen einladen. Eine umfassende und ständig aktualisierte Broschüre und Online-Datenbank der Stiftung Naturschutz Berlin stellt traditionelle Standorte der Umweltbildung wie den Botanischen Garten sowie kleine, innovative umweltpädagogische Projekte vor. Alle Lernorte sind nach Kategorien geordnet und mit ausführlichen Informationen sowie Kontaktdaten verzeichnet. Die Stiftung Naturschutz Berlin gibt zudem einen Umweltkalender heraus, in dem aktuelle Veranstaltungen themen- und zielgruppenspezifisch gesucht werden können. Eine weiteres Dachportal mit Nachrichten, Unterrichtsmaterialien zu verschiedenen Themen, Informationen über Fortbildungen und Projekte betreut die Beratungsstelle für Umweltbildung der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung beim Naturschutzzentrum Ökowerk Berlin.

Das Naturschutzzentrum Ökowerk selbst ist im Grunewald gelegen und eine zentrale Landmarke der Berliner Umweltbildungslandschaft. Fast jeden Tag finden hier Projekttage statt, an denen Kinder Tuchfühlung mit der Natur aufnehmen und beispielsweise aus Baumstämmen Vogelbadewannen beiteln. Für Schulklassen liegt der Fokus auf selbstständiger Tier- und Pflanzenbeobachtung in natürlicher Umgebung. Unter dem Motto „Nur was man kennen und schätzen gelernt hat, kann man auch für zukünftige Generationen erhalten“ suchen die Schüler Mal essbare Wildpflanzen wie Pimpinelle, Schafgarbe, Knoblauchsrauke oder Gundermann und bereiten einen Salat daraus zu, Mal gehen sie auf Spurensuche im Wald, experimentieren oder erkunden Biotope wie den Steingarten, die Streuobstwiese und den Barfußgarten rund um das Ökozentrum. Das Ökowerk stellt auch Oberstufenklassen anspruchvolle Aufgaben, denn ökologische Analysen des Teufelssees fordern praktisches Geschick und ein gutes theoretisches Verständnis der Biologie und Chemie des Gewässers.

Der Interessensgemeinschaft der Berliner Gartenarbeitsschulen geht es mehr um den praktischen Pflanzenbau als die Theorie. Sie unterstützt Schulgartengründungen und pflegt einen Schulgartenatlas, in dem Schulen mit Garten und Gartenarbeitsschulen eingetragen sind. So können sich Schulgärten vernetzen und gegenseitig Tipps geben. Das Schulgartenforum dient der internationalen Vernetzung, so wurden z.B. Pflanzaktionen mit Schülern in Grönland koordiniert. Andere Projekte wie „Kids an die Kartoffeln“ ermöglichen den Bezug von kostenlosem Pflanzenmaterial für Schulklassen.

Oft liegen die Grünen Lernorte am Stadtrand wie das Freilandlabor Britz, das zu Naturerkundungsstreifzügen einlädt. Je nach Jahreszeit spüren die Schüler Frühblüher auf oder beobachten Überwinterungsstrategien bei Tieren und Pflanzen. Weitere Freilandlabore in anderen Stadtbezirken befinden sich beispielsweise in Mahrzahn, Malchow und Zehlendorf. Auch das Naturschutzzentrum Berliner Nordrand veranstaltet Projekttage und Führungen durch Moor und Heide. Es ist in einem ehemaligen Grenzturm der deutsch-deutschen Grenze untergebracht und kombiniert so biologische und historische Lernanlässe.

Aber nicht für jeden Grünen Lernort muss man weite Wege in Kauf nehmen: Das Schul-Umwelt-Zentrum Mitte liegt sehr zentral. Es ist nicht nur eine Gartenarbeitsschule mit allen dazugehörigen Angeboten, sondern auch Materialfundgrube für viele Naturerkundungen mit Schulklassen sowie Fortbildungsstätte für Lehrer und Erzieher.

Vom Garten in den Wald führen die Berliner Forsten. In den Berliner Waldschulen lauschen Schüler an einem Waldschultag auf die Stimmen des Waldes, fühlen Moos, bauen Weidenhütten und lernen von Förstern, Naturwissenschaftlern, Landschaftsplanern und Pädagogen. Ein Waldmuseum der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zeigt Stadtkindern aller Altersstufen Tierschädel, Gewölle, Vogelnester, unterschiedlichste Zapfen, viele Holzarten und Felle von Wildschwein und Hirsch. Ein Zapfen-, Rinden-, Samen-, Baum-, Schüttel-, Riech- und Vogelstimmenquiz vermittelt Wissen über die heimische Flora und Fauna.

Sogar Bauernhöfe gibt es mitten in der Stadt. Der Moritzhof in Kreuzberg bietet neben offener Jugendarbeit auch Landwirtschaftskurse für Schulklassen an. Auch auf dem Kinderbauernhof Pinke-Panke in Pankow lernen die Kinder, was eine Harke ist und wie aus Körnern Brot wird.

Und schließlich wäre Berlin nicht Berlin, wenn es nicht auch interkulturelle Umweltbildungsangebote gäbe: Das türkisch-deutsche Umweltzentrum kombiniert Umweltbildung mit Völkerverständigung und zeigt Schulklassen in seiner Öko-Station, wie ein Bio-Garten funktioniert. Dass sich in Berlin auch Exoten wohlfühlen, zeigen die Gärten der Welt in Marzahn.