Anbau von Bt-Baumwolle führt in China zu neuer Schädlingsplage

20.05.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Das Objekt der Begierde der Weichwanzen (Quelle: © M.E. / www.pixelio.de)
Das Objekt der Begierde der Weichwanzen (Quelle: © M.E. / www.pixelio.de)

Seit über 10 Jahren wird gentechnisch veränderte Baumwolle in China großflächig angebaut. Für die Landwirte sind die Vorteile offensichtlich: stabilere Erträge bei geringerem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Im gleichen Zeitraum haben sich bisher unbedeutende Weichwanzen so ausgebreitet, dass sie zunehmend zu hohen Ernteverlusten führen.

Bacillus thuringiensis (Bt) ist ein Bodenbakterium, das ein für Fraßinsekten giftiges Kristallprotein bildet und seit langem im konventionellen wie auch im biologischen Anbau als Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt wird. Mithilfe gentechnischer Verfahren haben Wissenschaftler die für die Produktion der Giftstoffe verantwortlichen Gene der Bt-Bakterien auf Nutzpflanzen, wie Baumwolle oder Mais übertragen.

So wirkt der Genuss von Bt-Baumwolle für die Larven der Baumwolleule, die in China in den frühen 1990er Jahren für große Ernteausfälle verantwortlich waren,  tödlich. Für den Menschen und andere Tiere ist dieses Eiweiß jedoch nicht giftig. Mittlerweile werden mehr als 4 Millionen Hektar Bt-Baumwolle in China angebaut. Kongming Wu, Insektenkundler an der Chinese Academy of Agricultural Sciences in Peking hat mit seinem Team seit der Zulassung an 38 Standorten Baumwollfelder im Norden Chinas regelmäßig auf ihren Schädlingsbefall untersucht.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Menge der Weichwanzen seit 1997 verzwölffacht hat. Damit stellen die Weichwanzen, welche früher als Schaderreger im Vergleich zu anderen Schädlingen wie dem Baumwollkapseleule eher unbedeutend waren, in der Region nun eine der bedeutendsten Schädlinge dar. Ähnlich der Baumwolleule können bis zu 50 Prozent der Ernte durch die Wanzen vernichtet werden.

Zudem können Weichwanzen auch auf weitere Kulturpflanzen, wie Bohnen, Getreide, Obst oder Gemüse, übergreifen. Ursache für diese Massenvermehrung der Wanzen ist, dass seit dem verstärkten Anbau von Bt-Baumwolle weniger Breitband-Pestizide eingesetzt wurden. Weichwanzen reagieren nicht auf das Toxin der Bt-Baumwolle und konnten sich quasi im Windschatten dieser entwickeln. Ohne Bekämpfung durch Pestizide können sich die Schädlinge ungehindert ausbreiten.

Aktuell setzen chinesische Bauern wieder zwei Drittel der Pestizidmenge ein, die sie vor Einführung der Bt-Baumwolle verwendet haben. Aufgrund von Resistenzen, die die Weichwanzen möglicherweise entwickeln, könnte der Einsatz bald das alte Niveau erreichen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass der Einsatz gentechnisch veränderter (gv-) Pflanzen nur ein Teil von Pestizid-Management-Systemen sein kann.

Der Anbau der Bt-Baumwolle bringt viele Vorteile wie Ertragssicherheit, vereinfachtes Management, Einsparung von Energie und damit auch von Treibhausgasen. Diese Vorteile können jedoch nach einigen Jahren verloren gehen, wenn die Technologie nicht in traditionell etablierte Managementkonzepte, wozu beim Baumwollanbau auch die Applikation von Pestiziden gehört, integriert wird. 

Wu betont, dass bei der Bekämpfung von Schädlingen das gesamte Ökosystem mit entsprechenden regionalen Besonderheiten beachtet werden muss. Mit seinem Team versucht er, den Schaden durch Weichwanzen zu reduzieren, indem in der Nähe der Bt-Baumwollfelder von den Schädlingen bevorzugte Pflanzen angebaut werden. Chinesische Wissenschaftler arbeiten derweil an der Entwicklung von transgenen Baumwollpflanzen, die die Larven der Baumpflanze ebenso abtöten wie Weichwanzen. Ob dadurch andere „Trittbrettfahrer“ zum Zug kommen können, muss, so die jetzigen Erfahrungen getestet werden.

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