Dem Lupinenblattrandkäfer auf der Spur

Ohne Bekämpfung geht es nicht

20.12.2016 | von Gastautorin: Nina Weiler

Beim Anbau von Lupinen kann der Lupinenschädling Sitona gressorius große Schäden anrichten. (Bildquelle: © gbohne/flickr, CC BY-SA 2.0)
Beim Anbau von Lupinen kann der Lupinenschädling Sitona gressorius große Schäden anrichten. (Bildquelle: © gbohne/flickr, CC BY-SA 2.0)

Mehr Wissen rund um den Lupinenblattrandkäfer ist dringend gefragt. Erste Forschungsergebnisse der Universität Rostock bestätigen ihr immenses Schadpotential und zeigen mögliche Bekämpfungswege auf.

Wer Lupinen anbaut, fürchtet nichts mehr als den Lupinenblattrandkäfer. Tatsächlich drohen bei einem Befall mit einem der beiden spezifischen Lupinenschädlinge Sitona gressorius oder Sitona griseus je nach Region Ertragsausfälle von bis zu 40 Prozent. Für Biobauern gibt es bisher keinerlei Möglichkeiten, den Lupinenkäfer in Schach zu halten. Und für die konventionelle Landwirtschaft ist derzeit nur eine insektizide Behandlung pro Jahr zugelassen.

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Lupinen sind eiweißreiche Pflanzen, die als Alternative zu Sojabohnen angebaut werden.

Lupinen sind eiweißreiche Pflanzen, die als Alternative zu Sojabohnen angebaut werden.

Bildquelle: © Antje Priepke, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern

Umso wichtiger ist es, effiziente Bekämpfungsmaßnahmen zu finden, die sowohl für den integrierten als auch für den ökologischen Landbau umsetzbar sind. „Denn nur wenn es gelingt, die Lupinenschädlinge in den Griff zu bekommen, ist es für Landwirte interessant, in den Lupinenanbau einzusteigen“, erläutert Dr. Annett Gefrom, Koordinatorin des Lupinen-Netzwerkes an der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern.

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Aus der Forschung kommen nun erste erfolgsversprechende Ansätze: Im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie entwickeln Wissenschaftler der Universität Rostock in Kooperation mit der Saatzucht Steinach GmbH & Co KG ein praxisnahes Gesamtkonzept zur Regulierung der Lupinenschädlinge. Zentrales Element ist ein Entscheidungshilfesystem, das den Lupinenanbauern dabei helfen soll, zum richtigen Zeitpunkt die Bekämpfung der gefürchteten Käfer in Angriff zu nehmen.

An verschiedenen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg erfassten die Pflanzenschutzexperten mithilfe von Boden- und Fensterfallen das Auftreten der beiden Käferarten sowie das Ausmaß der durch sie verursachten Schäden. Diese Untersuchungen sind ein erster Schritt, um Erkenntnisse zum Käferzuflug aus dem Winterlager und der Aktivität der Blattrandkäfer zu gewinnen.

Fraßschäden an Blättern und Wurzeln

Die Ergebnisse der Universität Rostock bestätigen einmal mehr, welchen immensen Schaden der Lupinenblattrandkäfer anrichten kann. Auf allen untersuchten Lupinenschlägen stellten die Wissenschaftler einen Befall mit den Lupinenschädlingen fest. Schon vor dem Drillen der Lupinen zeigten sich die ersten Käfer auf den Feldern. Und bereits nach dem Auflaufen waren Fraßstellen an den Keimblättern sichtbar. Bei bis zu 90 Prozent der Pflanzen verursachten die adulten Käfer im Frühjahr den typischen Buchtenfraß an den Lupinenblättern.

Hinzu kamen die für den Lupinenblattrandkäfer typischen Fraßschäden an den Wurzeln. Diese entstehen dadurch, dass die Käferlarven an den Wurzelknöllchen der Lupinenwurzeln fressen und diese von innen aushöhlen. Dadurch können pflanzenpathogene Bodenpilze (Fusarium spp., Sclerotinia spp. und Rhizoctonia spp.) problemlos in das Wurzelgewebe der Lupinenpflanze eindringen und diese zusätzlich schwächen. All das zusammen führt zu einer verminderten Wasser- und Nährstoffausnahme – und letztlich zu Ertragsausfällen von bis zu 40 Prozent.

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Die offizielle Bezeichnung des Forschungsprojektes lautet „Entwicklung von Strategien zur Kontrolle von Lupinenblattrandkäfern (Sitona spp.) im integrierten und ökologischen Lupinenanbau (SILU-Blattrandkäfer)“. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie. Die Wissenschaftler kooperieren eng mit dem Kompetenznetzwerk „Modellhaftes Demonstrationsnetzwerk zur Ausweitung und Verbesserung des Anbaus und der Verwertung von Lupinen“ (Lupinen-Netzwerk), das durch die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern koordiniert wird. Weitere Infos: orgprints.org, lupinen-netzwerk.de

Wie wirksam ist Neem?

Auf der Suche nach ökologisch vertretbaren Maßnahmen zum Schutz gegen Befall und Fraßschäden prüften die Wissenschaftler die Wirksamkeit des biologischen Insektizids Azadirachtin, gewonnen aus den Kernen des Neem-Baumes. In Gewächshausversuchen zeigte sich keine Beeinträchtigung der Pflanzenentwicklung, also kein phytotoxischer Effekt von Neem auf die Lupinen.

In Futterwahlversuchen wurden die mit Neem behandelten Blätter von den Käfern nicht verschmäht. Somit ist nach Aussage der Forscher gewährleistet, dass die Lupinenschädlinge beim Blattfraß genügend Wirkstoff aufnehmen, damit dieser seine toxische Wirkung entfalten kann. „Denn eine allein abschreckende Wirkung auf die Käfer ist erfahrungsgemäß nur von sehr kurzer Dauer und hält nur einige Stunden bis wenige Tage an und trägt daher nicht zu einer effizienten Kontrolle bei“, erläutert Dr. Christine Struck von der Universität Rostock. Ob Neem auf die Käfer selbst toxisch wirkt und deren Fertilität beeinträchtigt, müssen anschließende Untersuchungen noch zeigen.

Bis zur Praxisreife bleibt also noch einiges zu tun. Dass Lupinenblattrandkäfer in früheren Versuchen Fraßpräferenzen für bestimmte Lupinengenotypen zeigten, wollen sich die Forscher ebenfalls zunutze machen. In weiteren Feldversuchen werden sie testen, ob es gelingt, mithilfe einer Mantelsaat mit attraktiven Sorten die Käfer von den Lupinen der anbaustarken Kernsaat fernzuhalten.

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