Der „Allrounder“ Raps soll besser werden

11.06.2010 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Dr. Gunhild Leckband in direktem Kontakt mit dem Forschungsobjekt. (Quelle: © GABI-OIL)
Dr. Gunhild Leckband in direktem Kontakt mit dem Forschungsobjekt. (Quelle: © GABI-OIL)

Das Projekt GABI-OIL will den Ölgehalt der wichtigsten europäischen Ölpflanze weiter steigern. Im Gespräch mit Pflanzenforschung erklärt Frau Dr. Gunhild Leckband vom Projektpartner Norddeutsche Pflanzenzucht, welche Rolle genetische Vielfalt und Freilandanbauten dabei spielen.

Pflanzenforschung.de: Was macht Raps zu einer so wichtigen Ölpflanze?

Gunhild Leckband: Raps entstand aus der Kreuzung von Rüben und Kohl. In Mitteleuropa wird Rapsöl seit über 400 Jahren gewonnen und häufig als „Rüböl“ bezeichnet. Zuerst hauptsächlich als Lampenöl verwendet, konnte sich das Rapsöl mit Beginn der züchterischen Bearbeitung in seiner Ölzusammensetzung als Speiseöl zunehmender Beliebtheit erfreuen.

Der Durchbruch von Raps in der Speiseölverwendung wurde durch die Züchtung des so genannten „Doppel-Null-Raps“ eingeleitet, bei dem unerwünschte Pflanzeninhaltsstoffe (Erucasäure und Glucosinolate) praktisch komplett entfernt bzw. stark reduziert wurden.

Dennoch war es nicht einfach, das historisch belastete negative Image des „Rüböls“ in der Vermarktung zu tilgen. Als so genanntes „Pflanzenöl“ wurde raffiniertes Rapsöl lange Zeit nur anonym oder vermischt mit anderen Pflanzenölen in den Handel gebracht. Erst seit seine gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe (u.a. Omega-3 Fettsäuren, Vitamin E und Phytosterole) bekannt sind, werden hochwertige Rapsspeiseöle zunehmend deklariert und auch zunehmend in Lebensmitteln deklariert verwendet.

Heute ist Raps im Prinzip ein Allrounder. Das Öl wird im Lebensmittelbereich verwendet: Speiseöl, Zusatz in Butter und Margarine etc. Es wird zur Erzeugung von Biokraftstoffen verwendet und findet in der Industrie als Schmieröl Einsatz.

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Dr. Gunhild Leckband vom Projektpartner Norddeutsche Pflanzenzucht.

Dr. Gunhild Leckband vom Projektpartner Norddeutsche Pflanzenzucht.

Bildquelle: © GABI-OIL

Pflanzenforschung.de: Mit bis zu 45 Prozent ist der durchschnittliche Ölgehalt im Rapssamen schon recht hoch. Wie weit lässt er sich noch steigern?

Gunhild Leckband: Das wichtigste Zuchtziel in der Rapszüchtung ist der Kornertrag pro Flächeneinheit verbunden mit einem möglichst hohen Ölgehalt im Samen. Der Preis des Winterrapses ist vom Ölgehalt abhängig. Er steigt um anderthalb Prozent pro ein Prozent mehr Ölgehalt. Entscheidend aber ist der Ölertrag pro Fläche. Durch die Züchtung von Raps mit hohem Ölgehalt können Samenertragsverluste kompensiert werden. Im Rahmen von Gabi-OIL sollen molekulare Werkzeuge geschaffen werden, um die Züchtung von Rapssorten mit einem bis zu zehn Prozent (relativ) verbesserten Ölgehalt zu ermöglichen.

Pflanzenforschung.de: Im Projekt GABI-OIL arbeiten Sie mit einer hohen Anzahl Rapslinien. Was wollen Sie damit erreichen?

Gunhild Leckband: Wir wollen eine große genetische Bandbreite abdecken. Man braucht eine hohe genetische Varianz, um die Linien selektieren zu können, die die gewünschten Merkmale in sich tragen.

Pflanzenforschung.de: Weshalb bauen Sie die Pflanzen im Freiland an, wo die Vergleichbarkeit schlechter ist als im Treibhaus?

Gunhild Leckband: Um die Varianz in der natürlichen Umwelt zu selektieren. Die Pflanzen, die im Rahmen von Projekten bearbeitet werden, müssen sich der Genotyp-Umwelt-Interaktion stellen. Sie müssen ihr genetisches Potenzial im Freiland unter Beweis stellen, wo sie auf Trockenheit, Hitze, Kälte, Nässe sowie Schädlingsdruck treffen. All das kann man im Gewächshaus nicht simulieren, dort herrschen außerordentliche Bedingungen: unzureichende Lichtzufuhr, kein Schädlingsdruck und ein ausreichend großes Nährstoffangebot.

Pflanzenforschung.de: Um Kandidatengene in Elitesorten einzukreuzen, setzt GABI-OIL auf die Marker gestützte Züchtung. Wäre ein transgener Ansatz nicht der schnellere Weg?

Gunhild Leckband: Schneller wäre dieser Ansatz nicht, er wäre nur gezielter. Transgene Ansätze sind in diesem Projekt auch vorgesehen, jedoch nur zur experimentellen Verwendung, d.h. Identifikation spezieller Genfunktionen. Die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa sind jedoch so, dass keine transgenen Rapssorten auf dem Markt erlaubt sind. Wir sehen hier auch keine Veränderung in den nächsten Jahren.

Pflanzenforschung.de: Wann wird es die erste kommerzielle Rapssorte geben, die mithilfe von GABI-OIL entwickelt wurde?

Gunhild Leckband: Das wird sicherlich noch eine Weile dauern. Sortenzüchtung ist kein schnelles Geschäft. Die Linien aus GABI-OIL stehen noch relativ am Anfang der züchterischen Bearbeitung. Es werden Genotypen selektiert, die aufgrund der genotypischen Zusammensetzung optimale Voraussetzungen für hohe Ölgehalte mitbringen und daher in das Züchtungsprogramm aufgenommen werden – also als Kreuzungselter für die Entwicklung neuer Sorten eingesetzt werden. Von der Kreuzung bis zur Anmeldung einer neuen Sorte dauert es dann noch zehn bis zwölf Jahre.

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