GABI hat Ziele erreicht

Positive Evaluation der BMBF-Förderaktivitäten zur Pflanzengenomforschung

15.04.2014 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

GABI steht für
GABI steht für "Genomanalyse im biologischen System Pflanze". Die BMBF-Förderaktivitäten im Rahmen von GABI wurde nun extern evaluiert. (Quelle: © GABI)

GABI steht nicht etwa für eine neue Pflanzensorte, sondern für das deutsche Programm zur Pflanzengenomforschung mit der etwas sperrigen Bezeichnung „Genomanalyse im biologischen System Pflanze“, kurz: GABI. Die Initiative wurde im Jahr 1998 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen. Im Rahmen von GABI wurden in den vergangenen Jahren Pflanzenforschungs-Projekte auch mit Unterstützung der Wirtschaft finanziert. Nun liegt eine positive Evaluation der Förderinitiative vor: GABI hat neue Forschungsnetzwerke geschaffen und maßgeblich zum Erkenntnisgewinn in der Pflanzen- und Genomforschung beigetragen. Dank GABI liegt die deutsche Pflanzenforschung im internationalen Ranking weit vorne.

Die Projekte der Förderaktivitäten zur „Genomanalyse im biologischen System Pflanze (GABI)“ sind mittlerweile abgeschlossen. Nun stellt sich die Frage, ob die zuvor gesteckten Ziele erreicht wurden und wie die Initiative generell von Beteiligten und weiteren Experten der Pflanzenforschung bewertet wird. Daher beauftragte das BMBF eine umfassende Evaluation des Programms durch ein externes Unternehmen. Die Ergebnisse dieser Evaluation wurde nun im Rahmen einer Fachkonferenz – dem PLANT 2030 Status Seminar – in Potsdam vorgestellt.

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Ziele der Förderaktivität „Genomanalyse im biologischen System Pflanze (GABI)“:

  • Die wissenschaftliche Basis der Pflanzengenomforschung stärken,
  • umfassende Informationen zu wirtschaftlich bedeutenden Pflanzengenomen erarbeiten und kommunizieren,
  • einen effizienten Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft sicherstellen,
  • ein Kompetenznetzwerk aufbauen und
  • eine rasche Überführung der Forschungsergebnisse in Produkte mit hohem Wertschöpfungspotenzial ermöglichen.

GABI hat eine vernetzte „Community“ geschaffen

Über den Zeitraum von 1999-2014 wurden 126 Verbund- und Einzelprojekte mit einem Fördervolumen von insgesamt rund 160 Millionen Euro finanziert. Vom Gesamtvolumen sind 86% (139,80 Mio. Euro) BMBF-Fördergelder, 13% (21,15 Mio. Euro) stammen von der Industrie sowie ca. 1% (1,92 Mio. Euro) sind Mittel Dritter. Von den geförderten Projekten waren drei Viertel Verbundprojekte.

Zu Beginn waren die Maßnahmen auf Deutschland beschränkt. Im Laufe der Förderzeit wurden die Aktivitäten internationaler. So wurden Kooperationen beispielsweise mit Génoplante, dem französischen Pflanzengenomforschungsprogramm, gestartet. Die internationale Vernetzung führte schließlich zu einem europäischen Forschungsnetz, dem ERA-Net „Plant Genomics“ (2007-2010). Dem ERA-Net Plant Genomics folgte die Fördermaßnahme PLANT-KBBE ("Transnational PLant Alliance for Novel Technologies – towards implementing the Knowledge-Based Bio-Economy in Europe“), einer multilateralen Fördermaßnahme zwischen Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland und einigen anderen Staaten.    

Der Ausbau nationaler Forschungsstrukturen und die zunehmende Internationalisierung führten zu einer großen Gruppe unter einander vernetzter Wissenschaftler. Das entstandene Netzwerk in der Pflanzenforschung ist eines der Erfolgsgeheimnisse von GABI.

Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden geschaffen

Durch weit über 1.000 Publikationen konnte die wissenschaftliche Basis der Pflanzengenomforschung in Deutschland gestärkt werden. Darunter fällt auch die Sequenzierung der Gerste, die im Jahr 2012 im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde.

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Die Zusammenfassung des Evaluationsberichts der BMBF-Förderaktivität "Genomanalyse im biologischen System Pflanze (GABI)" können Sie hier downloaden.

Der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft konnte durch die enge Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Industrie deutlich verbessert werden. Denn an fast 40 Prozent der Projekte waren Unternehmen als Partner beteiligt. Darüber hinaus wurde im Laufe der Zeit neben Grundlagenforschung und Technologieentwicklung auch verstärkt anwendungsorientierte Forschung betrieben. Rund 40 Patente wurden aus GABI heraus angemeldet. Diese relativ geringe Anzahl ist vor allem auf die Besonderheit des deutschen Sortenschutzes zurückzuführen. Aufgrund der langen Entwicklungszeit neuer Sorten werden in Zukunft noch weitere Produkte aus dem Programm hervorgehen. Verglichen mit anderen europäischen Programmen zur Pflanzenforschung entwickelte sich GABI zum Vorreiter in Fragen der Offenlegung und des Schutzes des geistigen Eigentums.  

Auch im Bezug auf die Nachwuchsförderunghat GABI große Beiträge geleistet: Rund 180 Master- und Diplomarbeiten sowie 200 Doktorarbeiten wurden im Rahmen von GABI angefertigt. Dies förderte die Ausbildung von jungen Wissenschaftlern und ebnete den Weg für eine Karriere als Wissenschaftler in universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, aber natürlich auch in Unternehmen. GABI-Forscherinnen und Forscher sind heute wichtige Nachwuchskräfte in der Wirtschaft. Auch international sind ihre Fachkenntnisse sehr gefragt.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland dank GABI weltweit auf den vorderen Plätzen: In der Pflanzenforschung allgemein wird Deutschland an zweiter Stelle gesehen, hinter den USA. Bei der Genomanalyse von Pflanzen sahen die Experten Deutschland nun auf Platz drei, direkt hinter den USA und China. 

Der Blick in die Zukunft

Doch auch mit Blick auf die Umwandlung unserer erdölbasierten Wirtschaft in eine bio-basierte und nachhaltige Wirtschaft, wurden die in GABI gewonnenen Erkenntnisse als sehr wichtig eingestuft. Die unter dem Begriff Bioökonomie verstandene Nutzung biologischer Ressourcen als Rohstoffe für die Wirtschaft, hängt stark vom Wissen über Pflanzen sowie ihre molekulare Ausstattung ab. Somit bildet die Forschung die Grundlage für diesen Transformationsprozess. Derzeit vereint PLANT 2030 die vom BMBF geförderten Forschungsaktivitäten zur Pflanzenforschung. PLANT 2030 nimmt diesen Transformationsprozess stärker ins Visier und baut dabei auf den Ergebnissen der GABI-Projekte auf. Auch PLANT 2030 verbindet grundlagenorientierte Fragestellungen mit konkreten Anwendungen. Die Projekte innerhalb der Förderinitiativen sind ebenfalls in der Regel öffentlich-private Partnerschaften. Das hierfür notwendige gegenseitige Verständnis und Vertrauen der einzelnen Partner, wurde in GABI geschaffen.

Durchgeführt wurde die Evaluierung von Capgemini Consulting, Teil der Capgemini Deutschland GmbH.

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