Monitoring erhöht die Effizienz

Biodiversitäts-Monitoring hilft, Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu verbessern

16.12.2015 | von Redaktion Pflanzenforschung.de

Durch Agrarumweltmaßnahmen soll unter anderem den Verlust der Artenvielfalt durch eine intensivierte Landwirtschaft verringert werden. (Bildquelle: © iStock.com/RTimages)
Durch Agrarumweltmaßnahmen soll unter anderem den Verlust der Artenvielfalt durch eine intensivierte Landwirtschaft verringert werden. (Bildquelle: © iStock.com/RTimages)

Forscher entwickeln Monitoring-Programm, um die Effizienz von Agrarumweltmaßnahmen zu erhöhen.

Die Bewahrung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) sowie die Verringerung von Verlusten ist Gegenstand intensiver Forschung. Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt, insbesondere in landwirtschaftlich geprägten Räumen, werden vermehrt von der Politik ins Leben gerufen. Allerdings gibt es kaum eine aussagekräftige Kontrollmöglichkeit, ob diese Maßnahmen wirklich den erwünschten Erfolg bringen. Zudem fehlt es bisher in Europa an einem länderübergreifenden Monitoringsystem, das sich ganz auf die biologische Vielfalt fokussiert. Daher haben Forscher in ihrer neuen Studie auf Grundlage einiger weniger Indikatoren ein Monitoringprogramm entwickelt, das Veränderungen in der biologischen Vielfalt anzeigt, einfach anzuwenden und zudem auch noch bezahlbar ist.

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Agrarumweltmaßnahmen sind ein wichtiges Instrument der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Landwirte verpflichten sich, bestimmte Auflagen bei der Bewirtschaftung ihrer Anbaufläche einzuhalten. Das kann beispielsweise das Anlegen von Blühstreifen an Feldrändern sein.

Agrarumweltmaßnahmen sind ein wichtiges Instrument der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union. Landwirte verpflichten sich, bestimmte Auflagen bei der Bewirtschaftung ihrer Anbaufläche einzuhalten. Das kann beispielsweise das Anlegen von Blühstreifen an Feldrändern sein.

Bildquelle: © primaruf - Fotolia.com

Biodiversitätsmonitoring gilt allgemein als kostenintensiv, weswegen es bei Projekten oft nicht mit einbezogen wird. Dabei konnten Studien zeigen, dass begleitendes Monitoring entsprechende Maßnahmen effizienter macht. Für die europaweiten Agrarumweltmaßnahmen, wie sie durch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP) beschlossen wurden, wäre so ein Monitoring, das die Maßnahmen begleitet, wünschenswert.

Monitoring europaweit

Um ein unterstützendes Monitoringprogramm zu entwickeln, befragten die Forscher daher im Rahmen des EU-Forschungsprojektes „Indikatoren für Biodiversität in biologischen und extensiven Landwirtschaftssystemen (BIOBIO)“ andere Sachverständige aus der Landwirtschaft, dem Naturschutz und anderen Interessengruppen, welche Indikatoren am effizientesten für das Monitoring von Veränderungen in der Biodiversität wären.

Aus diesen wählten sie insgesamt 23 Indikatoren aus den Bereichen genetische, Arten- und Habitatvielfalt sowie Betriebs-Management aus. Im Bereich der Artenvielfalt wurden Gefäßpflanzen, Spinnen, Wildbienen und Regenwürmer ausgewählt, da besonders die drei Tiergruppen wichtige Ökosystemdienstleistungen (Schädlingskontrolle, Bestäubung und Abbau organischer Substanz) erbringen. Ziel war, mittels dieses neuen Monitoring-Systems eine mögliche Veränderung der Artenvielfalt von 10 Prozent innerhalb von fünf Jahren aufdecken zu können.

Diese Indikatoren wurden anschließend in 12 Regionen Europas, die sich aufgrund ihrer Umweltbedingungen und ihrer landwirtschaftlichen Struktur unterschieden, auf insgesamt 200 zufällig ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben angewendet. Diese Betriebe repräsentierten jeweils den typischen Betriebstyp einer Region, zum Beispiel Ackerbau, Gemüseanbau, Permakultur oder extensive Weidehaltung. Auf den Betrieben wurden unter anderem über einen Zeitraum von fünf Jahren auf je einer zufällig ausgewählten Fläche pro Habitattyp die Arten aus den vier Gruppen bestimmt.

Wildbienenmonitoring ist am aufwändigsten

Um jeweils eine 10-Prozent-Änderung in der Artenvielfalt feststellen zu können, war pro Artengruppe eine unterschiedliche Menge an untersuchten Flächen bzw. landwirtschaftlichen Betrieben nötig. So wurden bei den Pflanzen die wenigsten Betriebe benötigt und für die Gruppe der Wildbienen waren die meisten Betriebe nötig, da Bienen die höchsten Schwankungen bei der Erfassung zeigten. Auf Betrieben mit reiner Weidehaltung zeigten dagegen die Regenwürmer die höchsten Schwankungen, so dass speziell hier ebenfalls mehr Flächen erfasst werden mussten. Trotzdem reichten die ausgewählten Indikatoren, um entsprechende Änderungen sichtbar zu machen.

Großer Nutzen bei kleinen Kosten

Um dieses Monitoring-System praxisnah einsetzen zu können, wurden anschließend die Kosten für neun verschiedene Anwendungsvarianten für ein entsprechendes europäisches Monitoring ermittelt. Dabei zeigte sich, dass je nach Variante Kosten von 0,01 bis 0,74 Prozent des jährlichen GAP-Budgets anfallen würden, bzw. 0,04 bis 2,48 Prozent des GAP-Anteils, der für Umweltmaßnahmen reserviert ist. Ein Monitoring mit allen vier Pflanzen- und Tiergruppen würde 0,74 Prozent des jährlichen GAP-Budgets (443 Millionen Euro pro Jahr) kosten.

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Wildbienen sind wichtige Bestäuber. Doch ihr Monitoring ist sehr aufwändig.

Wildbienen sind wichtige Bestäuber. Doch ihr Monitoring ist sehr aufwändig.

Bildquelle: © Pauln/wikimedia.org; CC BY 3.0

Würde man die Bienen als teuerste Gruppe weglassen, ergäbe sich eine Reduktion um bis zu 126 Millionen Euro pro Jahr. Damit sänke der Kostenfaktor auf 0,53 des GAP-Budgets bzw. 1,75 Prozent des Umwelt-Anteils des GAP-Budgets. Je nach regionalen Besonderheiten könnte das Monitoring natürlich auch um weitere Artengruppen erweitert werden, wodurch die Kosten allerdings steigen würden.

Vielfältige Möglichkeiten der Anwendung

Mit diesem Monitoring können Daten erhoben und aufgrund der einheitlichen Vorgehensweise gut zusammengeführt werden. Somit erhält man eine europaweite Übersicht über die Entwicklung der Biodiversität bei entsprechenden Maßnahmen. Die einfache Umsetzung und die überschaubaren Kosten machen das Monitoring anwendungsfreundlich und auch für die Politik attraktiv, denn sie bieten im Gegenzug die Möglichkeit der Überprüfung der Effizienz von Agrarumweltmaßnahmen. Mit den entsprechenden Daten könnten diese Maßnahmen beurteilt und optimiert werden.

Die Forscher betonen, dass dieses System erst den Anfang eines entsprechend ausgefeilten Monitoringsystems darstellt. Es kann den jeweiligen Bedingungen entsprechend angepasst werden. Daten, die bereits erhoben werden, wie zum Beispiel zu bedrohten Arten oder zum Wildbienenmonitoring, können ebenfalls eingearbeitet werden. Die Möglichkeiten sind also vielfältig, nun müssen sie nur noch genutzt werden.

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